Gesellschaft | 09.07.2007

Wir mächtigen Konsumenten

Text von Lena Tichy | Bilder von Lena Tichy
Live Earth, die grösste Konzertreihe der Geschichte, ist vorüber. Was bleibt, ist die Frage, wer nun eigentlich grettet werden muss: Wir oder die Natur?
Die neue globale Vermarktung des Themas Umweltschutz ruft Fragen hervor.
Bild: Lena Tichy

Die Welt hat hingeschaut am vergangen Wochenende: Über zwei Milliarden Menschen sollen die Liveübertragungen von Al Gores „Live-Earth“-Konzerten am Fernsehen oder am Computerbildschirm mitverfolgt haben. Die Geschichtsbücher können sich über einen neuen Eintrag freuen: Die grösste Charity-Veranstaltung der Geschichte ist soeben über die Bühnen gegangen. Was der Klimaschutz mit Charity zu tun hat, bleibt dabei leider offen. Vor allem angesichts des Schlachtrufs von Al Gores Klimaschutzkampagne „Save Our Selves (SOS)“. An niemanden ausser uns selbst sollten wir also denken. Das Ziel ist es, sich sicher durch die schmelzenden Polkappen zu manövrieren und dabei möglichst noch eine Menge Spass zu haben.

Ein neues Denken
Die nahenden Umweltkatastrophen, so die Botschaft der Veranstalter, die können wir jetzt noch verhindern, und zwar indem wir alle etwas beitragen. Das verleiht uns, jedenfalls in den Augen der Kampagnenführer, eine zuvor nicht dagewesene Macht. Ich würde gerne wissen, inwieweit das Eindrehen einer Energiesparlampe oder der Kauf eines Hybird-Autos eine heroische Tat darstellen. Ich würde gerne wissen, warum Geldausgeben uns plötzlich zu besseren Menschen macht. Nicht, dass ich an der Wirkung dieser kleinen Taten zweifle: Sie entlasten die Atmopshäre bestimmt. Aber nur der Konsum allein wird unser Klima nicht retten. Um diesen Planeten auf lange Sicht wirklich besser zu behandeln, braucht es neben grossem Kapital auch ein neues Denken, welches mehr der Natur als dem eigenen Nutzen verpflichtet ist.

Der Trick der Klimaschutz-Popstars ist es, uns einzureden, dass wir beides haben können: Spass und ein gutes Gewissen. Angesichts der angeblich drohenden Katastrophen wirkte die Partystimmung, wie sie an den Live Earth-Konzerten zelebriert wurde, allerdings seltsam. Immerhin kam schon mal viel Kohle gegen das viele Kohlendioxid in unserer Luft zusammen. Was die Umwelt am Ende davon hat, steht aber auf einem anderen Blatt. Vorerst fliessen eine Menge Dollars in die Kassen von Unternehmen, die sich den Klimaschutz auf die Fahne geschrieben haben. Und diese vielen Scheine sind, romantisch betrachtet, wirklich grün wie eine satte Wiese nach dem Sommerregen.