Kultur | 30.07.2007

„Wir hatten kein Leben mehr“

Text von Martin Sigrist
Das Stockholmer Elektro- Dance Duo Lo-Fi-Fnk lässt seit ihrem Erstling "Boylife" nicht nur die Jugend tanzen. Tink.ch traf die Stockholmer Leo Drougge am Melt Festival und sprach mit ihnen über Alter, Motivation und Patriotismus.
Gelangweilt von Routine: Lo-Fi-Fink. Deswegen lieben August Hellsing (rechts) und Leo Drougge die Improvisation. Fotos: Frank Luthardt Martin Sigrist von Tink.ch, August Hellsing und Leo Drougge von Lo-Fi-Fnk.

Wie geht’s dir?
Leo Drougge: Es geht mir ganz gut, ich glaube, es wird wieder besser.

War es denn so schlecht?

Eine ganze Weile lang schon, denn wir sind einfach zuviel getourt. Das war nicht mehr wirklich Spass, sondern eher so, als ob wir kein Leben mehr hätten.

Ihr mögt das Tourleben nicht?
Grundsätzlich schon, doch wenn Du es bis zum Exzess treibst, dann geht es nicht mehr. Nichts macht mehr Spass wenn Du es zum Exzess tust. Damit wird es auch zu einer Gewohnheit.

Könnt ihr euch trotzdem noch motivieren?
Wir müssen das Leben immer wieder auffrischen, jeden Tag aufs Neue. Denn wenn wir anfangen, das Gleiche zu tun wie am Tag davor, wird es furchtbar. Und eigentlich ist es ja sowieso gar nicht möglich, etwas zu wiederholen. Vielmehr müssen wir immer wieder neue Dinge kreieren, vor allem natürlich beim Spielen auf der Bühne. Das Improvisieren bringt den Spass, nicht die eingeübten Dinge.

Du standest gestern beim Ladytron Konzert neben mir. Wurdest du auch sonst erkannt und angesprochen?
Nein, nicht wirklich. Aber wir sind hier und dort in ein paar Leute reingelaufen, das war toll.

Letztes Jahr in einem Plattenladen in Malmö habe ich nach Musik gefragt, welche Schwedisch, unbekannt und gut sein sollte. Darauf wurde mir Johnossi und Lo-Fi-Fnk empfohlen. War das fair?
Ja, ich denke schon, zumindest damals. Mittlerweile sind wir ja zumindest in ein paar Staaten nicht mehr so ganz unbekannt.

Schweden ist hip. Werdet ihr noch oft auf euere Herkunft angesprochen?
Ja, schon, doch das stört uns nicht. Touren ist ein so grosser Teil unseres Lebens geworden. Dabei ist natürlich Schweden immer wieder ein Thema. Da wir daher immer wieder hören wie wichtig und interessant Schweden geworden ist, werden wir ein bisschen patriotisch. Wir merken, dass es eigentlich toll ist, woher wir kommen.

Kommt nun die grosse Elektro-Welle aus Schweden?
Ich glaube nicht, denn in dem Bereich gibt es keinen Hype, es gibt kaum bekannte Elektro-Bands aus Schweden, also zumindest ausserhalb.

Gibt es eine Frage, die ihr nicht mehr hören könnt?
Wie alt wir denn seien. Das ist wirklich eine langweilige Frage. Wir wissen nicht warum das so interessant zu sein scheint. Vielleicht weil unser Album „Boylife“ heisst. Mit dieser Frage wollen die wohl in eine gewisse Richtung. Offensichtlich missverstehen viele den Titel. Es geht hier nicht um den inneren Jungen in uns allen. Leider hat das nicht mal unser ehemaliger Vertrieb in Schweden begriffen. Nun beantworten wir einfach die Frage nicht mehr, aber irritieren tut sie uns noch immer.

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