Gesellschaft | 30.07.2007

Wenn die Motorsäge aufheult

Text von Edith Truninger | Bilder von Zefa Images
Tink.ch bekommt Familienzuwachs: In der Kolumnenserie "Amazonen" berichtet Edith Truninger ab jetzt regelmässig aus dem Leben ihrer vier besten Freundinnen. Es folgt die erste Episode mit der Römerin, dem Eremiten, Kaktusblüte und Lockenkopf.
Spielplätze unsicher machen? Mit den Amazonen jederzeit.
Bild: Zefa Images

Wir alle haben so unsere Fantasien: Lockenkopf träumt manchmal davon, nackt auf einem Velo Flitzerin zu spielen und ich kann mich einfach nicht von der Vorstellung lösen, es könnte ein Gaudi sein, an einem Geburtstag mit einem Stripper überrascht zu werden, der aus einer Torte gumpet. Die Römerin stellt sich manchmal vor, wie es wäre, probeweise an einem anderen Ort unter anderem Namen zu leben – sei es auch nur für eine Woche. Natürlich sind das nur Gedankenspielereien. Die feineren Töne entstanden, als ich kürzlich unvermittelt die Frage in die Runde warf: „Und wo steht ihr in fünf Jahren?“, zusammen mit dem Nachsatz: „Nicht lange überlegen, einfach raus damit!“. Der Eremit ist dann gerade mit dem Studium fertig. Die Römerin möchte Fotografin sein und ich verkündete – ein bisschen zu meiner eigenen Überraschung – dass ich in fünf Jahren ein Buch herausgegeben haben will. Es kann sehr erfrischend sein, zwischendurch uneingeschränkt ehrlich zu sein mit sich selbst. Das bedingt aber auch, die Träume der anderen mitzutragen. Lockenkopf und Kaktusblüte möchten in fünf Jahren nämlich beide Windeln wechseln – nur schon bei der Vorstellung daran sträuben sich bei uns anderen die Nackenhaare. Auf der Autofahrt zu unserem Frauenwochenende in die Berge lachten wir uns dann über die Vorstellung kaputt, wie Lockenkopf dem Babyblues zu begegnen gedenkt: Da sie schon lange den Wunsch hegt, so richtig männlich mit der Motorsäge Holzskulpturen anzufertigen (ein Holzbildhauer hat ihr bereits vehement davon abgeraten) malten wir  uns aus, wie sie mit der Motorsäge hantiert, während ihr Baby daneben mit gelben, natürlich viel zu grossen Baustellenohrenschützen auf dem Kopf selig schläft. „Dann hörst Du wenigstens nicht, wenn es schreit!“, meinten wir.

Auf dem Berg im Ferienhaus sind dann ausgerechnet die Römerin und ich in die Spielzeugproduktion gegangen: Die Römerin hat in einem kreativen Schub ein Bilderbuch illustriert, während ich in einer plötzlichen Anwandlung ein Märchen verfasste. Es einfach schreien zu lassen ginge doch etwas zu weit. Du winziges uns suspektes Ding, wir werden für Unterhaltung sorgen, wenn Mama Lockenkopf die Motorsäge aufheulen lässt…! Vielleicht ist aber auch der Anblick von Lockenkopf mit der Motorsäge allein schon Unterhaltung genug.  

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