Gesellschaft | 31.07.2007

Wahrer Fetisch

Bei einem zweitägigen Ausflug nach Kumasi lernen wir den afrikanischen Busfahrplan kennen. Hier fahren die Busse erst vom Busbahnhof weg, wenn sie voll sind. Wir haben das Pech, dass wir zu dritt in einem 19 Plätzer sitzen. Aber nach zwei Stunden warten kann die Fahrt dann doch losgehen.
Chef de Village bei seiner eindrücklichen Festischzeremonie. Lebhafter Markt in Kumasi Unterwegs in Lesotho

Bevor wir Burkina Faso verlassen können, müssen wir mal wieder auf die Suche nach Visa gehen. So verbringen wir einige Tage in der Hitze der Hauptstadt Ouagadougou, immer auf der Suche nach einem guten Schattenplatz, denn es wird teilweise über 45° C heiss. Danach geht es über die Grenze nach Benin. Wir werden, wie meistens, von einer völlig anderen Landschaft willkommen geheissen. Von der trockenen oder dürren Umgebung kommen wir in eine grüne, oftmals bewaldete Hügellandschaft.
 
In der ehemaligen Hauptstadt des Fon-Königreiches Dahomey (Abomey) werden wir in die Tiefen der Fetische eingeweiht. In einem kleinen Dorf werden wir vom Chef de Village eingeladen an einer Fetischzermonie teilzunehmen. Das wollen wir natürlich nicht versäumen. Dabei wird beim Orakel nachgefragt, ob die Wünsche, welche wir uns in unseren Gedanken vorgestellt haben, in Erfüllung gehen. Damit unsere Chancen dazu besser stehen, das Schlechte von uns weicht und das Gute zu uns kommt, wird ein Huhn für uns geopfert.
Abomey selbst ist ganz dem Fetisch- und Vodookult gewidmet. So findet man auf dem lokalen Markt alles was man dazu benötigt: getrocknete Schlangen, Fledermäuse und Vögel, diverse Köpfe von Ziegen und Schafen usw.
 
Weil die Hitze immer noch hoch ist, beschliessen wir weiter in den Süden an die Atlantikküste zu fahren, in der Hoffnung, dass das Meer etwas Abkühlung bringt. Leider ist die Strömung im Meer sehr stark, so dass wir den Swimmingpool vom Campingplatz vorziehen – was für ein Luxus!
 
Schon geht es weiter nach Togo. Weil die West-Ost-Distanz nicht sehr gross ist, sind wir schon bald nahe der Hauptstadt Lomé, wo wir auf einem Campingplatz, der seit über 25 Jahren von einer Schweizerin geführt wird, Rast machen. Eine gute Strasse führt der Küste entlang nach Ghana. Damit wir jedoch noch etwas mehr von Togo zu sehen bekommen, wählen wir eine Nebenstrasse, die durch eine bezaubernde, tropische Waldlandschaft mit vielen Hügeln führt. Der Grenzposten wird wahrscheinlich nicht allzu oft von Touristen überquert, so nimmt sich der Grenzbeamte auch genügend Zeit mit uns etwas zu plaudern.
 
Ghana ist für uns das letzte Land in Westafrika. Wir haben uns vor einiger Zeit entschlossen, wenn irgendwie möglich, den Bus von Ghana aus nach Südafrika zu verschiffen, da wir schon einige Male etwas knapp mit der Bodenfreiheit waren und in der Regenzeit die Durchquerung insbesondere von Kongo und Umgebung für unseren 2WD nicht geeignet ist.
 
In Ghana ändert nicht nur die Sprache von Französisch auf Englisch, sondern auch die Währung von Franc CFA zum Cedi. Da man durch die Inflation oftmals grosse Taschen Geld mitschleppen muss, wurde zum 1. Juli 2007 der neue Ghana Cedi eingeführt, welcher einige Nullen streicht – von dem werden wir jedoch nicht mehr tangiert.
 
In Kukurantumi dürfen wir bei der SVD Community für einige Tage eine tolle Zeit verbringen. Wieder mal in einem richtigen Bett schlafen, lokales Essen wie Fufu oder Banku geniessen und einige schöne Ausflüge machen. Das ist ein Leben!
 
In der St. Paul Technical School machen die Automechanikschüler gleich den grossen Service an unserem Bus. Das ist bestimmt eine gute Praxisübung, denn es gibt einiges zu tun.
 
Einzige Stromquelle in Ghana ist der Volta-Stausee. Doch seit März dieses Jahres reicht der Wasserstand im Stausee nicht mehr aus um genügend Strom zu produzieren. Als Folge davon wird Gebietsweise jeden dritten Abend der Strom abgestellt. Wir geniessen dann jeweils das Nachtessen und den Abend bei Kerzenlicht.
 
Bei einem zweitägigen Ausflug nach Kumasi lernen wir den afrikanischen Busfahrplan kennen. Hier fahren die Busse erst vom Busbahnhof weg, wenn sie voll sind. Wir haben das Pech, dass wir zu dritt in einem 19 Plätzer sitzen. Aber nach zwei Stunden warten kann die Fahrt dann doch losgehen. Man sollte also nicht in Eile sein beim Reisen!
 
Die Leute von der SVD Community helfen uns auch, unseren Bus nach Durban (Südafrika) zu verschiffen. Eine sehr lange Geschichte die hier nur kurz erwähnt werden kann.
 
Wie verschifft man also einen Bus von Ghana nach Südafrika? Ist doch ganz einfach: Man nehme einen Container, packe den Bus hinein, das Ganze auf ein Schiff und dann los nach Südafrika. Nun, in Wirklichkeit ist es nicht ganz so einfach. Unter anderem gibt es da eine ganze Menge an Papierkram zu erledigen und ohne Agent, der die Sache in die Hand nimmt, ist man als Verfrachtungsneuling ziemlich chancenlos. Nach drei Tagen harter Arbeit schaffen wir es dann doch, unseren Bus in einem Container zu verstauen und diesen auf ein Schiff zu laden. Auf jeden Fall haben wir dabei viel gelernt.
 
Fast genau in der Mitte unserer Reisezeit verlassen wir Westafrika und fliegen über Nacht nach Südafrika. Hier kriegen wir fast einen Kulturschock. Wir sind zurück in der Zivilisation!
 
In Durban machen wir einen grösseren Aufenthalt. Wir müssen warten bis unser Bus ankommt, doch der Termin wird immer weiter nach hinten verschoben. So entschliessen wir uns, einen Ausflug ins Königreich Lesotho zu machen. Lesotho liegt inmitten von Südafrika und wird als Dach Afrikas bezeichnet. Es ist ein Paradies für Bergfreunde. Hier ist es arschkalt, es hat Schnee und wir sind froh, dass wir zuvor noch warme Kleider gekauft haben. Wir unternehmen verschiedene Wanderungen und einen dreitägigen Ponytrekk der uns hoch in die Berge führt.
 
Zurück in Durban geht das Warten auf unser Büssli weiter. Aber das Warten lohnt sich: Genau einen Monat nachdem wir den Bus in den Container steckten, können wir ihn heute Nachmittag am Hafen abholen gehen! Jetzt kann also die Erkundung des südlichen Afrikas richtig losgehen. Wir hoffen auf zahlreiche Tiere in den bekannten Nationalparks wie Krüger, Chobe und Etosha und natürlich auf unvergessliche Wanderungen und Safaris.

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