Kultur | 11.07.2007

Rock-Gebäck mit Elektro-Glasur

Text von Lena Tichy
Ein weiterer Grund, um auf hiesige Musik stolz zu sein: Die "Insects EP" von Must Have Been Tokyo vereint viele gute Zutaten auf einer Scheibe.
Besser zum Hören als zum Schneiden: "Insects EP" von Must Have Been Tokyo. Fotos: Lena Tichy Cover und Booklet wurden von Christoph Barmettler gestaltet.

Eine EP ist normalerweise nichts Besonderes. Erst ein Album ist der wahre Wurf und EPs (Extended Players, Tonträger zwischen einem Album und einer Single) werden erst dann wieder wichtig, wenn die Band schon richtig berühmt ist, und alle Fans plötzlich ganz scharf auf rares Material aus dem Übungskeller werden. Nicht so in diesem Fall: Erstens ist die „Insects EP“ von Must Have Been Tokyo nicht in einem Übungskeller entstanden, sondern in einem properen Studio, wo der Band ein Hip-Hop Produzent (Ben Stoll) zur Seite stand. Und Zweitens ist diese CD mit ihren acht Titeln sehr wohl ein Wurf und kann es gut mit einem „richtigen“ Album aufnehmen.

Das Zeitalter dieser Musik ist zwar das Jetzt, doch ihre Grundausstattung hat sie bei den Achtzigern entliehen. Zusammen ergibt das sowohl ein paar Gitarren-Stampfer („Insects“, „Popular Culture“) als auch eine oder zwei herzerwärmende indie-Hymnen („Cold Hands“, „Wolves“). Passend zu diesem soliden Rock-Gebäck wird eine Elektro-Glasur serviert, die direkt auf der Zunge zergeht.

Füllt die Tanzfläche

Wie viele andere musikalische Entdeckungen (Portobello, Heidi Happy, Solitune, Flink, Neviss und andere) kommt auch ein Grossteil der Mitglieder von Must have been Tokyo aus dem Kanton Luzern. Die Truppe besteht aus den Brüdern Raphael und David Elmiger, wobei Ersterer textet und singt und Zweiterer dazu die Gitarrenseiten malträtiert. Den Bass dazu liefert Luca Winiger, für die Synthesizer ist Martin Amrein verantwortlich. Komplettiert werden die Heimwehjapaner vom Solothurner Raffael von Niederhäusern, dessen Schlagzeugspiel nicht nur bei ihm selbst für Schweissausbrüche sorgt.
 
Must have been Tokyo wollen laut eigener Aussage „Die Mädchen und Jungs zum Tanzen bringen.“ Genauso klingt auch ihre Musik. Dabei hat sie, um noch mal auf das Thema „Brot“ zurückzukomen,  Einiges gemeinsam mit dem Grundnahrungsmittel: Ihre Scheibe „Insects EP“ füllt zwar nicht Mägen, dafür Tanzflächen. Und die sättigende Wirkung hält ziemlich lange an.

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