Kultur | 30.07.2007

Milchbubis auf Hochtouren

Text von Myriam Hiltbrunner | Bilder von www.theenemy.com
Wenn man aus der englischen Arbeiterstadt Coventry in England kommt, hat man laut der Newcomerband The Enemy genau zwei Möglichkeiten: Entweder man hängt herum und dröhnt sich abends die Birne zu - oder man gründet eine Band. Zum Glück haben sich die Jungs für Letzteres entschieden.
Die Senkrechtstarter lehnen sich zurück.
Bild: www.theenemy.com

The Enemy haben mit ihrem Debütalbum „We’ll live and die in these towns“ einen richtigen Senkrechtstart hingelegt: In England auf Platz eins in die Charts geschossen, vom NME als die Newcomerband des Jahres 2007 betitelt, und als Vorband von namhaften Bands wie Kasabian durch die UK tourend, sollten doch auch die letzten Kritiker verstummen sein. Doch genauso wie Lob wird von der Presse auch Negatives über das Album ausgesprochen: Die Milchbubis (na gut, bei einem Durchschnittsalter von 17 Jahren ist das ja doch noch naheliegend) seien noch nicht reif für ihr Albumdebüt, tönen eintönig und langweilig. Und der erste Platz für die Band liege wohl nur am getrübten Urteilsinn des von einer Sintflut heimgesuchten England.

 

Keine Experimente

Doch auch wenn England zeitgleich im Unwetter versinkt, reiten The Enemy weiter auf einer Erfolgswelle: Das Album kommt sicherlich etwas gerade geschliffen daher. Man darf keine experimentellen Knaller wie bei den Klaxons oder den White Stripes erwarten. Aber das mitgröhl-taugliche „Away from here“ hat sich bereits zu einer Hymne unter Indiefans gemausert, und der Rockkacher „It’s not okay“ tönt doch verdächtig nach Oasis. Nicht zu Unrecht werden The Enemy oft mit den Giganten des Britrocks verglichen, denn auch sie glänzen nicht nur in den tanzbaren Tracks, sondern brillieren auch bei langsameren Klängen. Diese Vielfältigkeit beweisen auch The Enemy in Liedern wie „You’re not alone“ oder „Happy Birthday Jane“ Hut ab.

 

Auf der Textebene können die Burschen uns nichts vormachen: Sie sind keine Bob Dylans, die mit sprachgewaltigen Botschaften glänzen. Allein die Aussage des Songs „Away from here“ und des Albumtitels „We’ll live and die in these towns“ widerspricht sich doch irgendwie. Aber hey, mit 17 kann man schliesslich noch nicht mit einer allzugrossen Lebenserfahrung protzen und seine Erlebnisse in Songs verarbeiten. Trotzdem: sehr ansehliche, tanzbare, rockige Platte von The Enemy, von denen wir hoffentlich noch mehr in Zukunft hören werden.

 

 

Kurzinfo


 

The Enemy: „We’ll live and die in these towns“ erschienen bei Warner Music

Links