Kultur | 08.07.2007

Mariachi-Trompeten und röhrende Bässe

Text von Myriam Hiltbrunner | Bilder von Autumn de Wilde
Das neue Album des inszenierten Geschwisterpaares aus Michigan wurde mit Spannung erwartet. Nach wie vor zeigen sich die White Stripes wandelbar: Die Vielfältigkeit ihrer Musik steht im puren Gegensatz zu ihrer schlichten schwarz-roten Garderobe.
Meg und Jack White: Unzertrennlich und schrecklich kreativ.
Bild: Autumn de Wilde

Wer auf jaulende Gitarren, Mariachi-Trompeten und Dudelsäcke zusammengewürfelt auf einer CD abfährt, sollte sich auf der Stelle das neue Album der White Stripes kaufen. Dort wird nämlich ein ziemlich breites Spektrum an verschiedensten Musikstilen geboten. Meg und Jack White schrecken nicht davor zurück, nach der eher poppigen Scheibe „Get Behind Me, Satan“ zutiefst bluesige Klänge anzuschlagen und musikalische Experimentierfreudigkeit an den Tag zu legen. Im Stück „Conquest“ vereint sich der fast schon wehleidig klingende Gesang Jack Whites mit mexikanischen Trompeten und röhrenden Bässen – ziemlich gewagte Kombination.

 

Um 180 Grad gedreht

Doch man verzeiht den White Stripes gerne die spitzbübische Rohheit, ja man findet sogar Gefallen nach dem zweiten Hören dieses fast schon progressiv klingenden Albums. Nach wie vor überzeugt Jack mit wortstarken Lyrics wie zum Beispiel auf dem Titelsong des Albums, „Icky Thumb“: „White Americans, What? Nothing better to do? Why don’t you kick yourself out, you’re an immigrant too.“ Meg lässt es so richtig krachen, prügelt auf ihrem Schlagzeug herum und entzückt auch mal mit Singparts wie zum Beispiel auf „St. Andrew“. Es braucht Mut, den eigenen Stil um glatte 180 Grad zu drehen, nachdem man zuvor durch eine nach Mainstream klingenden Platte eine grössere Fangemeinde gewonnen hat. Aber nach 10 Jahren Bandgeschichte muss man sich wohl etwas komplett anderes, alternatives einfallen lassen. Und dies ist den Whites Stripes eindeutig gelungen.

 

 

Info:


„Icky Thump“ ist bei Xl/Beggars (Indigo) erschienen

 

 

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