Kultur | 15.07.2007

Krach für einen guten Zweck

Es gibt nichts Besseres, als mit Musik Gutes zu tun. Bob Geldof machte es mit den zwei Live 8-Konzerten vor, nun tut es ihm John Lennons Witwe, Yoko Ono, gleich. Das Charity-Album "Make Some Noise" für Kinder in Darfur soll die Welt wachrütteln und weist ein grosses Marketingpotential auf.
Make some noise: Eine Hommage an John Lennon und Hilfe für die Kinder in Darfur. Fotos: Tatjana Rüegsegger Das Zeichen des Friedens: Das Bed-in von Lennon und Ono.

Wenn man sich die Trackliste des Albums anschaut, denkt man, es müsse einfach eine geniale Platte sein. U2, R.E.M., Green Day, The Flaming Lips, Snow Patrol, Christina Aguliera, Duran Duran und viele mehr haben sich zusammengetan um gegen die Armut in Darfur zu kämpfen. Nimmt man aber die einzelnen Lieder unter die Lupe, sieht man, dass sich einige Songs bis zu dreimal wiederholen! Dabei gäbe es einen riesigen Fundus von mehreren hundert Stücken von John Lennon, die man covern könnte. Wenigstens sind es verschiedene Bands, verschiedene Generationen und vor allem eine gute Tat, die zur Musik führen. Yoko Ono mag mit ihrer CD Generationen vereint haben, doch  das Ganze wirkt sehr Marketingbewusst.

John Lennon dreht sich im Grab um!

Angesichts der Tatsache, dass sich 26 verschiedene Bands auf diesem Doppelalbum treffen, sollte es eigentlich ein Leichtes gewesen sein, jeder Gruppe einen anderen Song von Lennon zuzuteilen. Stattdessen findet sich zwei Mal „Imagine“, zwei Mal „Number 9 Dream“ und sogar drei Mal „Instant Karma“. Egal, die Bands sind hochkarätig und die Erwartungen sind hoch. Zu hoch, denn mehr als die Hälfte der gecoverten Meisterwerke werden farblos interpretiert oder ganz einfach übernommen.

Die erste CD wird mit U2 und einem eher ungewohnten Takt initiiert: Das einzige was an U2 erinnert, ist Bonos Stimme. Ansonsten wirkt der Song wie eine Jamsession einer Reggea-Band. Eskimo Joe, The Postal Service, The Raveonettes und Jackson Brown bemerkt man kaum. Jack Johnson singt im Gegensatz zu Avril Lavigne „Imagine“ mit der Gitarre, was abwechslungsreicher aber auch ein bisschen flach wirkt. Aerosmith scheint sich in eine Ska-Band verwandelt zu haben und Corinne Bailey Rae hat zwar eine perfekte Stimme um das Lied „I’m loosing you“ zu singen, aber die Liveversion die auf dem Album ist, überzeugt nicht wirklich.

Karma gibt es doch noch

Highlights gibt’s aber schon. Der Song „Love“ welcher von The Cure gecovert wird, erinnert an deren letztes Album „Bloodflower“ und schickt uns in eine melancholischere Welt. Christina Aguliera überrascht mit ihrer gelungenen Interpretation von „Mother“: Die Verzweiflung ist zwar nicht so ergreifend wie bei Lennons Version, spürbar ist sie aber auf jeden Fall. Die Black Eyed Peas lassen es mit „Power to the people“ richtig krachen und zum „Isolation“ von Snow Patrol würde man nur sagen: Ich geh mit dir wohin du willst! The Flamming Lips geben ein etwas Langsameres „(Just like) starting over“ zum Besten. Doch die ganze Inszenierung des Songs macht einem so Neugierig, dass einen die leichte Abweichung des Originals nicht stört.

Schlussendlich: Wer könnte das Lied „Workingclass Hero“ schon besser interpretieren als die anti-amerikanische amerikanische Band Green Day? Und so ist das auch, es scheint als ob das Lied für Billie Joe Armstrongs Stimme geschrieben worden sei. Das Beste „Instant Karma“ geht an Duran Duran. Da konnte U2 wohl nichts gegen die Helden der 90er machen. Auch Texte werden geändert. Nicht der Sinn, sondern nur die Sprache ändert sich. Youssou N’Dour, Matisyahn und Jaguares singen lieber in deren Muttersprachen, mit Erfolg.

Gute und etwas schlechtere Überaschungen

Zwei bekannte Namen fallen auch auf: Jakob Dylan und Dhanni Harrison in einem Song vereint. Die zwei Legendenkinder singen „Give me some truth“ so, als ob sie selbst etwas mit den Beatles oder sonstigen Musikern zu tun hätten. Das Ergebnis ist klasse: Jakob Dylan tönt genau so wie sein Vater, jedoch mit etwas klarerer Stimme als Dylan sie hatte. Und Dhanni, der im Song ein bisschen zurückgezogen wirkt, nimmt so irgendwie den Platz seines Vaters ein. Darauf folgt die Katastrophe. Bevor hier der Interpret genannt wird, will ich vorausschicken, dass das Lied ohne jegliche Vorurteile beurteilt wurde, und das Ergebnis trotzdem das Gleiche ist. Die dritte Version von „Instant Karma“, und somit die schlechteste, geht an Tokio Hotel. Man muss auch zugeben, dass dieser Song schlecht zugeteilt wurde, denn in diesem Lied geht es weder um Selbstmord noch um Liebeskummer.

Fazit: Es lohnt sich die Platte zu kaufen, um ältere und neuere Musikgenerationen kennen zulernen. Lohnen, tut es sich auch für die Kinder in Darfur, denen man so helfen kann.  „Make Some Noise“ ist erschienen bei Warner Music.

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