Kultur | 16.07.2007

Gilberto gegen Zwingli

Text von Marina Lienhard
Gilberto Gil eröffnete am 11. Juli das Live at Sunset Festival im Schweizer Landesmuseum und beweist, dass man auch mit 65 noch ordentliche Partys feiern kann.
Der Brasilianer Gilberto Gil vor seinem Idol Bob Marley. Fotos: WMI Switzerland

Gilberto Gils Alter sieht man vor allem seinem Publikum an. Es ist im Durchschnitt zwischen zwei- und dreimal so alt wie ich, was selbst Perlenohrringe und teure Schals nicht verstecken können. Die Kulisse im Landesmuseum ist wunderschön, wer sich aber hier ein Konzert ansehen will, muss sein Sparschwein grausam schlachten, oder genaustens mit dem Grundriss einer Bank vertraut sein. Ist das Geld vorhanden, so lohnt es sich schon vor dem Konzert einzutreffen um einige Caipis zu kippen und indische Currys vom Hiltl zu probieren, während man in Diskussionen über das kommende Montreux Festival, oder die vergangene Fashion Week in Paris schwelgt.

Die Gletscher schmelzen

Abgesehen von der Brasilianerin die direkt neben mir Sitzt und „Dio! Dio!“ ruft, wird Brasiliens amtierender Kulturminister und wohl berühmtester Sänger neben Caetano Veloso und Chico Buarque nur mit höflichem Applaus auf der Bühne willkommen geheissen.    
Der 65 jährige lässt sich davon aber nicht erschrecken und legt einfach los. Ab dem dritten Lied („Andar Com Fé“) beginnt tatsächlich das Eis zu schmelzen und es gibt kaum noch jemand der nicht mit dem Fuss oder mit dem Kopf wippt, zumindest solange er oder sie sich unbeobachtet fühlt. Die nächste Phase tritt mit dem ersten Samba („Aquele Abraço“) ein, das Stillsitzen wird zunehmend schwierig, man tauscht beschämte Lächeln aus und lässt den Oberkörper zur Musik schwingen. Die dritte Phase wird vom Cover „Is This Love?“ ausgelöst. Dieser und weitere Bob Marley Songs („Positive Vibration“, „Could you be loved“) bringen die gealterte 80er und 68er Generation zum Kochen. Tatsächlich eignet sich Gils Stimme hervorragend für Bob Marley Coverversionen, es ist fast ein Bisschen so, als stünde er selbst da, mit einem leichten brasilianischen Akzent.

„Viva Zurique!“
Gilberto gelingt es zum Schluss selbst den verklemmtesten Schweizer auf die Beine zu bringen, so wird die Zugabe tanzend genossen und mit beinahe so viel Enthusiasmus, wie auf seiner letzten Live-CD „Eletracustico“ (Warner Music International) vom brasilianischen Publikum zu hören ist.
Das erste Konzert am Live at Sunset endet als ein voller Erfolg, gibt Lust auf mehr und erklärt wieso Gilberto Gil eine lebende Legende ist. Unser Pascal Couchepain sollte sich definitiv ein Beispiel an ihm nehmen.  

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