Kultur | 08.07.2007

„Geschmackvoll chaotische Ballade“

Am Donnerstag dem 28. Juni wurde das Abart von den Klangjongleuren Mute Math heimgesucht. Tink.ch sprach mit Gitarrist Greg Hill und Bassist Roy Mitchell-Cardenas über ihre Musikbiografie und Rituale vor dem Auftritt.
Greg Hill und Roy-Mitchell Cardenas beim Interview mit Tink.ch.
Bild: Sabrina Tschachtli.

Freut ihr euch darauf, gleich zum ersten Mal vor Schweizer Publikum zu spielen?

Greg: Klar ich bin sehr aufgeregt. Ich hab gehört es soll fast ausverkauft sein heute Abend, wir werden sicher ein gutes Publikum haben.

Roy: Es ist immer toll zum ersten Mal in einer Stadt zu spielen. Neue Bekanntschaften, frische Ohren, wir freuen uns!

Wie seid ihr zum ersten Mal in Kontakt mit Musik gekommen?

Greg: Ich war – wie auch die anderen der Band – schon früh mit Musik umgeben, da meine Familie sehr musikalisch ist. Mit Musik aufzuwachsen hat mich sicher auch dazu gebracht selber in einer Band zu spielen.

Roy: Mein Vater war Musiker, er brachte mir bei, Gitarre zu spielen, am Schlagzeug habe ich dann auch Erfahrungen gesammelt. Ich erinnere mich speziell daran, dass mein erstes Lied welches mir mein Vater beibrachte „Peggy Sue“ von Buddy Holly war und es hatte die Akkorde E, A und D (lacht).

Wie kam es dazu, dass ihr gemeinsam in einer Band spielt?

Greg: Darren King (Schlagzeuger) und ich kommen aus Springfield, Missouri und haben da vor über 10 Jahren Paul Meany (Sänger) kennen gelernt und eine Freundschaft aufgebaut. Um etwa die gleiche Zeit haben sich Paul und Roy in New Orleans getroffen. Wir zogen alle nach New Orleans und ab da haben wir angefangen zusammen Musik zu machen.

Wie habt ihr euch seit diesem Zeitpunkt entwickelt?

Roy: In den letzten drei Jahren waren wir ständig am touren. Mehr Shows zu spielen, sich auf der Bühne und musikalisch zu entwickeln hat uns als Band mehr zusammengeschweisst. Wir haben gelernt uns auch vom musikalischen Standpunkt aus zu verstehen und voneinander abzulesen. Manchmal weiss man bei Darren nie was er spielen wird (lacht), aber meistens ist die Verbindung da und für unsere Songs ergab das eine gute Entwicklung.

Wie haben sich eure Einflüsse und Inspirationen verändert?

Greg: Das interessante an Mute Math ist, dass wir nicht einem Musikgenre zuzuordnen sind. Es sind verschiedene Sounds. So wie die Einflüsse – von Jazz und Blues über Musik aus den 60er und 70er oder moderne Musik – verschieden sind.

Und der Mix aus all dem ist es, was unsere Band ausmacht.

Mögt ihr es lieber zu touren oder im Studio zu arbeiten?

Greg: Ich denke es ist definitiv gesund, eine Mischung aus Beidem zu haben.

Wenn man auf Tour ist, kann man es nicht erwarten wieder zu Hause zu sein und wenn man zu Hause ist, will man wieder auf Tour. Und so ist es auch mit der Studioarbeit und Live-Konzerten. Wenn wir im Studio sind, können wir es kaum abwarten die neuen Songs zum ersten Mal auf der Bühne zu spielen.

Habt ihr ein Ritual bevor ihr die Bühne betretet?

Roy: Nicht wirklich. Ich probiere mich ein wenig zu dehnen, wir sprechen über das Set. Nichts Aufregendes. Keine Drogen. Kein High Five.

Greg: Keine Gebete. (lachen)

Beschreibt eure Band in drei Worten.

Greg: Kann ich vier haben? Ich mag die Beschreibung „too much crap rock“ (Zuviel Scheiss-Rock, Anm. d. Red. ). Wir wollen so viel auf der Bühne ausprobieren. Je mehr man macht, desto mehr Desaster – wofür Mute Math auch bekannt ist – gibt es.

Roy: „Tastefully chaotic ballade“ (Geschmackvolle chaotische Ballade, Anm. d. Red. )

Welche Bands mögt ihr im Moment?

Roy: Wir hatten vor kurzem einen Auftritt am Hurricane Festival in Deutschland und haben da viele gute Bands gesehen, wie Arcade Fire, die ich sehr mag und Bloc Party. Ausserdem freue ich mich auf die neue Interpol-Platte.

Indiebands sind ja oft in England angesiedelt, während aus den USA mehr Popmusik oder Hip-Hop kommt. Denkt ihr, es ist für eine Indieband in Amerika schwieriger, Fuss zu fassen?

Greg: Viele sagen in Amerika ist es hart zu touren und erfolgreich zu werden, weil es so gross ist und viele Hauptstädte gibt. Wir touren dort schon einige Jahre und haben noch nicht in allen grossen Städten gespielt, das ist schon schwierig. Gleichzeitig werden viele Bands gar nicht entdeckt, da sie einfach von zu wenigen Personen, die ihnen helfen könnten, sich als Musiker zu etablieren, umgeben sind.

Wir sind sehr dankbar, dass wir solche Menschen hatten, wie unser Label oder unser Management.

Gibt es für euch einen Unterschied ob ihr in Amerika oder in Europa spielt?

Roy: Es ist eigentlich das Gleiche. Wenn das Publikum dich noch nicht gut kennt ist es zu Beginn noch ein bisschen kälter, aber ich habe jedes Konzert hier genossen.

Greg: Der Unterschied ist, dass uns in Amerika die Leute schon eher kennen und wenn wir hier touren, fühlt es sich an wie von vorne anfangen zu müssen. Aber diese Herausforderung ist bei uns willkommen und es macht uns viel Spass!

Wie sieht die nahe Zukunft von Mute Math aus?

Greg: Wir werden mit den neuen Songs die wir auf  Tour geschrieben haben, ins Studio gehen um ein neues Album aufzunehmen.

Roy: Zum Soundtrack vom neuen Kinofilm „Transformers“ haben wir einen Song beigesteuert und im November werden wir dann wieder in Europa auf Tour gehen. Hoffentlich auch in der Schweiz, sonst auf jeden Fall in der Nähe.

   

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