Kultur | 09.07.2007

„Es passiert gerade so viel“

Matt Tong, Schlagzeuger von Bloc Party, sprach vor dem Konzert am Openair St. Gallen mit Tink.ch über die Schweiz und das neue Album. Solch ein intellektuelles Interview zu übersetzten, war keine einfache Aufgabe.
Leadsänger und Bandmitbegründer Kele Okereke beim Konzert am Openair St. Gallen. Fotos: Emma Svensson Bloc Party hat seinen Namen vom amerikanischen "Block party", einem sogenannten Nachbarschaftsfest. Kele gründete die Band 1998 mit seinem Freund Russell Lissack in London. Matt Tong beim Interview mit Tink.ch.
Bild: Tatjana Rüegsegger

Ihr habt gerade erst in Lausanne gespielt und jetzt seid ihr wieder in der Schweiz. Siehst du einen Unterschied zwischen dem Englischen und Schweizer Publikum?

Nein, ich denke da ist kein grosser Unterschied. Das Konzert in Lausanne war wirklich gut.

 

In Lausanne war das Publikum aber ziemlich ruhig.

Fandest du? Ich fand es richtig gut. Als wir das erste Mal in der Schweiz spielten waren wir in Zürich, das war 2005, da war das Publikum ein bisschen zu unruhig. Aber ja, es ist nicht das erste Mal dass wir hier in der Schweiz sind und es ist immer wieder schön. Die Leute in Europa unterscheiden sich so oder so nicht wirklich. Ausser vielleicht, dass sie mehr mitsingen.

 

Was sagst du zu den Kritikern die sagen, dass das Neue Album „A weekend in the city“ Keles (Kele Okereke, Leadsänger der Band, Anm. d. Red. ) Album ist? War da nicht ein riesiger Druck am Anfang?

Uns war schon von Anfang an irgendwo bewusst, dass es eher Keles Album werden würde. Der Druck kommt eigentlich eher von der Presse, und du solltest dich auf deine Band konzentrieren. Wir sind sehr kritisch gegenüber unseren Songs. Alles wird genau angeschaut. Manchmal machst du dabei die falschen Entscheidungen. Aber am Schluss solltest du immer etwas davon gelernt haben. Es stimmt das Kele einen grossen Teil der Texte geschrieben hat auf diesem Album. Aber ich sehe uns eigentlich lieber als eine Band, die zusammen Sachen erschafft. Manchmal gibt der Eine mehr und manchmal der Andere. Aber zu der Zeit als wir dieses Album gemacht haben, ging es Kele nicht so gut. Er heilte sich indem er Texte schrieb. Wir versuchen zusammenzuhalten. So weit wie wir das durch die Texte können.

 

Woran dachtet ihr als ihr die Texte geschrieben habt? Die Texte sind ziemlich sozialkritisch.

Ja, ausserhalb der Band sind wir Menschen, die gerne Nachfragen und irgendwo ein bisschen skeptisch sind. Kele ist sehr daran interessiert, wie sich die Gesellschaft entwickelt. Es ist sehr aufregend für ihn und deshalb schreibt er auch viel darüber. Und es gibt auch nicht viele Musiker in England, welche solche Musik schreiben. Heutzutage auf jeden fall. Das ist ein bisschen schade, denn es passiert gerade so viel. Man wird immer irgendwelche Ideen polarisieren, da kann man nichts dagegen machen.

 

Seid ihr denn nicht ein bisschen genervt von der Presse? Wegen Kele und…

Wie meinst du das denn genau?

 

Ja was die Presse eben so sagt. Wenn sie einfach irgendwelchen Scheiss erzählen.

Weisst du, wir wussten das es so kommen würde. Wir haben nicht so viele Freunde in der Presse. Die haben Angst sich auf unser Gebiet zu begeben, es ist ihnen ein bisschen zu politisch. Und klar, man muss aufpassen wo man was zu wem sagt.

 

Wie ist das denn, so schnell so berühmt zu werden, vor allem wenn man so jung ist?

Es ging nicht so schnell wie bei andern Bands wie zum Beispiel den Arctic Monkeys oder Maximo Park die einfach auftauchten, und das ist ja auch ganz berechtigt. Wir spielen schon seit sechs Jahren zusammen, es ist nicht einfach so vom Himmel gefallen. Wir freuen uns darüber solange es gut geht.

 

Wolltest du schon immer Musik machen? Wirst du das immer machen?

Ja schon von klein auf. Ich denke wir werden aufhören sobald wir merken, dass es uns keinen Spass mehr macht und es langweilig wird. Zum Glück sind wir noch nicht so weit. Wir versuchen die beste Band zu werden. Und das haben wir bis jetzt noch nicht erreicht. (lacht)

 

Was ist das Wichtigste für dich auf der Bühne?

Ich denke das Wichtigste ist einfach einen Draht zum Publikum aufzubauen. Zu versuchen aus der Band und dem Publikum eins zu machen.

 

Hattet ihr schon schlechte Shows?

Bevor wir zu touren begannen, und noch kein Label hatten, erinnere ich mich an Shows die richtig schlecht waren. Jede Band hatte mal ein schlechtes Konzert.

 

Wart ihr schon mal in Amerika? Seid ihr dort auch so berühmt?

Es ist schwierig zu wissen was „berühmt“ heissen soll. Wenn du damit meinst ob wir in Klatschblättern vorkommen, dann nicht (lacht). Also eigentlich sind wir nicht wirklich berühmt.

 

Aber habt ihr schon mal in Amerika gespielt?

Ja. Also man kennt uns. In den grösseren Städten können wir schon vor 2000 Leuten spielen. Wir haben das nicht erwartet, aber es ist schön wenn es einfach passiert.

 

Hat sich eure Beziehung stark verändert zwischen dem ersten und zweiten Album?

Nein nicht wirklich. Manchmal muss man sich schon Sachen an den Kopf werfen um den Status Quo zu behalten. Aber sonst sind wir halt wirklich wie eine Familie die vorhat, Musik zu machen und die Anderen zu erfreuen.

 

 

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