Kultur | 09.07.2007

„Es ist geil eine Frau an der Front zu haben“

Die Band Mia. gibt es schon lange, doch richtig Erfolg haben sie erst seit dem Hit "Tanz der Moleküle". Tink.ch sprach mit Schlagzeuger Gunnar Spies und Bassist Robert Schütze über Musik, die NDW und Frontfrau Mieze.
Sängerin Mieze als blonder Engel auf der Bühne des St. Gallen Openair. Fotos: Emma Svenson Robert und Gunnar beim Interview mit Tink.ch

Hallo ihr beiden! Also erzählt uns doch mal wie eure Band entstand.

Robert: Da fang ich mal an, weil ich eher dabei war als der Gunnar. Wir entstanden 1997 aus zwei verschiedenen Teilen. Den einen Teil bestand aus mir, Ingo und die Mieze ging mit dem Andi, dem anderen Gitarristen zur Schule. Durch gemeinsame Freunde wussten wir gegenseitig, dass wir gerade Musik machten. Da haben wir uns mal für eine Probe getroffen und haben mal angefangen. Wir hatten da noch einen anderen Schlagzeuger und dann kam Gunnar dazu. Seit 2001 ist die Besatzung so wie sie Heute ist. Wir sind jetzt bei drei Alben angelangt und wollen nicht aufhören.

 

Wieso nennt ihr euch «Mia.«? Gibt es da eine Bedeutung?

Robert: Also der Name war vor den Bedeutungen da. Der Name war einfach schön, kurz und knapp. Deswegen haben wir uns auch dafür entschieden. Und inzwischen da dennkt man sich Bedeutungen aus von „Musik ist alles“ zu „Marmelade im Ausschnitt“ oder „Menschen in Angst“.

 

Wieso dieser Punkt am Schluss vom Namen?

Robert: Man gibt sich Mühe bei solchen Bandnamen Unterscheidungen zu treffen. Es ist ja erstens ein gebräuchlicher Name für Mädchen. Dann gibt’s ja vielleicht solche die in England oder sonst wo in Deutschland gleich heissen. Da muss man sich ein bisschen abheben. Der Punkt steht eigentlich da, weil wir uns lange nicht entscheiden konnten und jede Woche einen neuen Vorschlag kam. Irgendwann haben wir dann gesagt: „Es wird Mia sein, Punkt!“

 

Wie erlebt ihr das denn so mit der Neuen Deutschen Welle? Letzten Sommer gab es ja auch diesen Hype nach der WM und man merkt im Moment, dass Deutsche Bands richtig Erfolg haben.

Gunner: Das ist zumindest in Deutschland so.

 

In der Schweiz aber auch.

Gunner: Ja, es gibt ja noch genügend Musik die von wo anders kommt. Aber es stimmt schon, dank solchen Bands wie Beatsteaks oder Wir sind Helden, trauen sich kleinere Deutsche Bands auch mal etwas zu machen. Wir haben Glück, dass wir gerade jetzt richtig durchstarten.

Robert: Und das der Geschmack in Sache deutsche Musik so abwechslungsreich wird, kann uns nur freuen.

 

Woher holt ihr eure Inspiration?

Robert: Aus extrem vielen verschiedenen Richtungen.

Gunnar: Für mich ist das schon total schwer zu sagen…

Robert: Meine erste Platte war „Highway to Hell“ von AC/DC dann ging er weiter über Sachen wie U2, The Pixies, Fugazi. Es gibt auch total viele gute neue Bands. Worauf wir uns alle einigen können, ist, dass wir gute Musik mögen. Wir können nicht einen einziges Genre nennen, denn die Musik die wir machen ist ja auch nicht richtig beschreibbar. Wenn eine Intensität da ist, dann muss es einfach gute Musik sein.

 

Kann man eigentlich als deutscher Künstler überleben? Also wenn man auf Deutsch singt und nicht zum Beispiel auf Englisch.

Robert: Wenn man ein Land wie zum Beispiel Amerika mit Deutschland vergleicht, sind die Möglichkeiten in Amerika viel grösser als hier, das ist klar. Die haben tausende von Labels welche hier fehlen. Klar, ist es schwieriger hier etwas zu machen, dafür weißt du, dass wenn du es hier schaffst du auch richtig gut bist. Aber ich kann dir sagen wir schaffen das. So lange wir live spielen dürfen, ist alles gut. (lacht) Das ist was wir machen wollen und was Spass macht.

 

Was ist denn für euch den Unterschied zwischen einem Festival und einem Konzert?

Gunnar: An einem Festival können wir beweisen, dass wir ne gute Liveband sind um später Leute an Konzerten anzulocken.

Robert: Und an Konzerten hast du mehr Zeit. Du kannst dich den ganzen Tag darauf vorbereiten und auch speziellere Sachen wagen. An einem Konzert lässt du dir mehr einfallen als an einem Festival.

Gunnar: Aber an Festivals kriegst du immer was zu essen! (lacht)

 

Ihr seid ja aus Berlin. Wie steht ihr so zu eurem Heimatort?

Robert: Naja, Berlin ist einfach dieser Ort wo wir uns zurückziehen können um zu arbeiten. Wir sind alle in Berlin aufgewachsen und es ist echt ne coole Stadt. Da gibt es auch den Vorteil, dass es um einiges billiger ist in Berlin anstatt in Köln zu wohnen.

Gunnar: Ja, in Berlin zahlen wir für einen Proberaum, die Hälfte von dem, was wir für denselben Raum in München zahlen müssten. Darum kommen auch ganz viele werdende Künstler, sei es in der Musik oder in der Kunst oder ein junger Architekt, nach Berlin. Die denken zweimal darüber nach wohin sie ziehen sollen. Es ist en superwichtiger Impuls für so eine Stadt, finde ich. Es ist schon seit Jahren so, und es schafft eine Art von Atmosphäre.

 

Gibt es eurer Meinung nach Parallelen zwischen der NDW und der englischen Indie-Szene?

Robert: Da wären nur Vermutungen die wir anstellen könnten. Wir kennen uns beide nicht so aus. Also ich würde gerne in der englischen Szene schnuppern, auch gerne in England spielen aber es ist noch schwer für uns dorthin zu kommen. Aber was ich an England krass finde, ist das es die Tür zur Welt ist. Was in England hervorgebracht wird, dem steht Alles offen. Deshalb ist es sehr interessant. Ich persönlich bin ein grosser Indie-Höhrer. Aber ich muss sagen, dass ich zuerst damit angefangen habe Musik zu machen und erst nachher, mich für Musik zu interessieren. Ist ein bisschen komisch, aber so wars.

 

Werdet ihr immer Musik machen?

Gunnar: Wir legen es darauf an. Ich werde es so lange tun wie ich denke, dass ich es machen muss. Wenn ich dann irgendwie während einem Konzert merke, dass ich an was Anderes denke, dann weiss ich es ist an der Zeit was anderes zu machen.

 

Da wäre noch ne Frage wegen Mieze (Frontfrau): Als ich sie das erste Mal gesehen habe, fand ich sie ziemlich krass. Sie ist ja echt das Herzstück eurer Band. Wie ist denn das so, wenn sich alle nur um Mieze kümmern?

Gunnar: Super!

 

Ja? Geht das einem nicht ein bisschen auf die Nerven?

Gunnar: Nein. Das ist geil! Wenn wir zum Beispiel in Köln im Palladium spielen, kann Mieze sich vor dem Konzert nicht blicken lassen. Es würden sich ja alle auf sie stürzen. Ich weiss noch, vor ein paar Wochen hatte ich ein paar Freunde eingeladen und die hatten Probleme beim Eingang. Dann bin ich einfach durch die ganze Menge durchgegangen und holte sie herein ohne Probleme. Wenn Mieze so was tun würde, hätte sie drei Stunden bis sie wieder zurück wäre.

Robert: Es ist ein normales Phänomen. Bei uns sieht es ein bisschen krass aus, weil sie die einzige Frau ist in der Band. Aber das ist schon ein cooles Gefühl eine Frau an die Front zu haben. Und sie macht ihren Job echt super, ob auf der Bühne in Interviews oder sonst wo. Echt, wir sind froh Mieze zu haben.

 

 

Wettbewerb:


 

Tink.ch verlost signierte Platten der flippigen Band. Einfach eine Mail an tatjana.rueegsegger@bluewin.ch und hoffen, dass es klappt!

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