Kultur | 16.07.2007

Eine Stimme, der man alles verzeiht

Text von Marina Lienhard
Wie ein hyperaktives Mädchen in Mamas hohen Schuhen feuert Ms. Lauryn Hill im Schweizer Landesmuseum ihre Band durch hektische Handbewegungen an - und die gibt alles.
Die Bühne des Live at Sunset, vor dem Zürcher Landesmuseum. Fotos: Live at Sunset Lauryn Hill, hier als Diva inszeniert.

Sie lässt auf sich warten, wie eine richtige Diva. Um 21.05 Uhr erklärt die Veranstalterin des Live At Sunset Festivals, Ms. Hill hätte gerade ihr Hotel verlassen, was durch Pfiffe aus dem Publikum quittiert wird. Ist es am Ende wahr, was erzählt wird? Ist Fräulein Hill unnahbar und unsympathisch und live gar nicht der Rede wert?
Die Sonne lässt sich auch von Lauryn Hill nichts vorschreiben und beginnt gemächlich ohne sie unterzugehen. Die meisten sind schon bei ihrem dritten Champagnerglas, als die Band um 21.20 Uhr schliesslich auftritt und jegliches Ressentiment in den Wind spielt. Mit einer Stimme, bei der man zunächst den Gedanken hegt „Schrei doch nicht so“, einem Trenchcoat über einem violetten Sweatshirt und einer Carohose und jeder Menge XXL- Goldketten, tritt die Ex-Frontfrau der Fugees zehn Minuten später selbst auf die Bühne.
           
Energiebündel
Die Lauryn Hill auf der Bühne hat nichts mit meiner Vorstellung einer sanften, leicht gelangweilten Diva zu tun. Sie hüpft, rennt und versucht immer wieder ihre Band zu Dirigieren. „Faster! „, „I want more percussion!“ und „Come on, Ladies!“  gehören zu ihren Standartsätzen kombiniert mit hektischen Armbewegungen und teilweise gesungenen Taktvorgaben. Man kommt sich beinahe vor wie auf einer Jamsession, sieht man von der Perfektion ab, die dabei herauskommt. Jedes Lied scheint einzigartig und selbst ihre Version von „Iron, Lion, Zion“ erinnert kein bisschen mehr an Bob Marley, es ist ihr Lied geworden.

Fugees Forever

Es sind aber nicht ihre neueren, schnelleren Lieder, eine Mischung aus Funk, Soul und Blues, die das Publikum am meisten mitreissen. Ms. Hill braucht nur ein paar Noten aus einem Fugees Lied anzustimmen und schon ist die Hölle los. „Fu-Gee-La“ steigert sich in „Ready Or Not“ und kulminiert in „Killing Me Softly“, dem ersten Lied der Zugabe. „Now there’s one last thing I need to ask you“, meint Lauryn Hill zum Schluss und stimmt Roberta Flacks „Will You Still Love Me Tomorrow“ an. Wir werden dich immer lieben, scheint das Publikum zu sagen und so beendet Ms. Hill einen Abend der Klimaxe mit ihrem Solohit aus dem Jahr 1998 „Doo Wop (That Thing)“ und der Aussage „I will see you, Zurich!“   

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