Kultur | 16.07.2007

Eine ganz normale Familie

Text von Lena Tichy
Jugend, Alter und Verzweiflung ergeben im Film "Pingpong" des deutschen Regisseurs Matthias Luthhardt eine aggressive Mischung. Wer dabei gewinnt und wer verliert, ist jedoch offen.
Anna (Marion Mitterhammer) und Paul (Sebastian Urzendowsky) kommen sich näher. Fotos: Columbus Film Pauls Besuch bei seinem Onkel Stefan (Falk Rockstroh) kommt gänzlich unerwartet.

Der 16-jährige Paul hat soeben seinen Vater verloren und kreuzt nun ganz unangemeldet bei seinem Onkel und dessen Familie auf. Die propere Vorstadtfamilie nimmt den trauernden Teenager widerwillig bei sich auf, gibt ihm aber schnell zu verstehen, dass er nicht länger als nötig bleiben sollte.

Vater Stefan, Mutter Anna und Sohn Robert haben allen Grund dazu, so abweisend zu sein. Zu viel Dreck und Wut verbirgt sich hinter der glücklichen Familienfassade. Schon bald merkt Paul, dass sein musikalisch begabter Cousin Robert heimlich trinkt und dessen Mutter Anna ihren Hund als Liebesersatz missbraucht. Als der Vater für eine Woche geschäftlich verreisen muss, bringt der verwirrte und hilfsbedürftige Paul die Dinge innerhalb der Familie derart ins Wanken, dass am Ende nur noch Scherben zurückbleiben.

Wie eine leise Musik
Die Machart von „Pingpong“ erinnert auf weite Strecken an den oscarprämierten Film „American Beauty“ von Sam Mendes. Trotzdem ist Pingpong keine Kopie, schon allein deswegen nicht, weil Regisseur Matthias Luthhardt die Geschichte aus der Perspektive eines 16-jährigen erzählt, während es in „American Beauty“ ein 40-jähriger Mann ist. Es ist vor allem ein Thema, welches bei „Pingpong“ die treibende Kraft darstellt: Selbstmord. Gleich zu Beginn des Films erfährt der Zuschauer, dass Pauls Vater keinen natürlichen Tod gestorben ist, sondern sich das Leben genommen hat. Dieses traumatische Erlebnis schwebt wie eine leise Musik über den stillen und fast harmonischen Bildern, die Paul beim Essen, Spielen und Lachen zeigen. Verzweifelt auf der Suche nach Geborgenheit, wendet sich Paul schliesslich an Anna, seine Tante. Diese, frustriert wegen der Abwesenheit ihres Mannes, fühlt sich von Pauls Annäherungsversuchen geschmeichelt und beginnt mit ihm zu spielen. An dieser Stelle würde man sich dann beinahe wünschen, dass es sich dabei nur um ein Pinpong-Spiel handelt.

Ein Gesicht mit vielen Gesichtern
Ein Film lebt immer von seinen Schauspielern, aber es wird einem selten so klar gezeigt wie in diesem Fall. Vor allem Sebastian Urzendowsky als Paul ist eine grosse Entdeckung. Innerhalb von Minuten gelingt es ihm, grundverschiedene Gefühle über sein Gesicht huschen zu lassen und doch das eigentliche Gesicht der Rolle kaum je zu zeigen. Bricht dann seine Trauer über den Tod seines Vaters endlich hervor, schmerzt das Zusehen fast körperlich.
Doch auch Marion Mitterhammer als Anna und Clemens Berg als Robert tragen viel zur Glaubwürdigkeit dieses Films bei. Pingpong verlangt in jedem Fall starke Nerven, belohnt aber auch mit einer gut erzählten Geschichte und viel Stoff zum Nachdenken.

Infos:


Der Film läuft ab Donnerstag, 26. Juli im stattkino Luzern.