Kultur | 24.07.2007

Ein Sonnentag zum Abschluss

Text von Janosch Szabo
Die Sonne bescherte dem Gurtenfestival einen tollen Schlusstag, trocknete den Schlamm und lockte Tausende vor die Bühnen. Der Höhepunkt war das Konzert von Patent Ochsner. Schon vorher sorgten das Swiss Jazz Orchestra und eine ganze Reihe Freunde für ein einmaliges Spektakel.
Sonniger Auftakt am Sonntagmorgen auf dem Gurten. Fotos: Janosch Szabo Freda Goodlett begeistert mit ihrer funky Stimme. Adrian Weyermann lässt seine Gitarre singen... ...aber die meisten bleiben doch lieber oben am Hang sitzen, um sich zu sonnen. Tatoos in einer Minute: Am WWF-Stand konnte man sich Pandabären und Fussstapfen aufdrucken lassen. Baze und seine Band machten Stimmung auf der Waldbühne. Patent Ochsner als Höhepunkt: Büne Huber singt... ...und begeistert das Publikum: Ein Fan der lauthals einen Refrain in den Himmel schmettert.

Normalerweise beginnen Sonntage an Openairs gemütlich, mit Konzerten, die vorerst eher wenig Publikum anlocken – Fans und Festivalgänger, die es im Zelt nicht mehr aushalten. Am Gurtenfestival 2007 jedoch war das für einmal anders. Bereits um elf Uhr morgens war der Platz vor der Hauptbühne bis an den Rand gefüllt. Grund dafür: Das angekündigte Gurtenspecial, Swiss Jazz Orchestra & Friends.  

Hits von Polo Hofer bis Sina

Und wirklich, das Konzert unter dem Titel „Buebetröim“ war ein einzigartiges Spektakel, bei dem sich gleich ein halbes Dutzend Stars der Schweizer Musikszene das Mikrofon reichten. Angefangen bei Hendrix Ackle traten nacheinander Freda Goodlett, Philipp Fankhauser, Schmidi Schmidhauser, Kuno Lauener, Sina, Büne Huber und Polo Hofer auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Jedes Mal ging dabei ein Begeisterungsjubel durch die Reihen der Festivalbesucherinnen und –besucher. Die Stimmung stieg, als die Sängerinnen und Sänger im zweiten Durchgang noch einen Zacken drauf legten, Hits auspackten und zelebrierten – jeder in seiner ganz eigenen Art. Das war ein einmaliges Erlebnis, zu sehen, wie Kuno Lauener auf der Bühne herumtigernd „I schänkä dir mis Härz“ sang, um gleich darauf dem Urgestein Polo Hofer das Mikrofon in die Hand zu drücken, wie die energiegeladene Freda Goodlett dem Funk und Philipp Fankhauser dem Blues ihre Stimmen gaben, wie Sina in bester Laune das Heimatlied „I bi wider da“ über den Gurten schmetterte und dabei von Seiten des Publikums kräftige Unterstützung erhielt, und wie Schmidi Schmidhauser dem Ganzen mit seinen Songs einen südlichen Hauch verpasste.

Musikalisch untermalt wurde das Showlaufen vom hervorragenden Swiss Jazz Orchestra, das die Klasse seiner Musiker immer mal wieder mit eingestreuten Solos bewies. Zum Finale schliesslich kamen sie nochmals alle zusammen auf die Bühne um gemeinsam Haneri Ammans Lied „Stets in Truere“ zu singen. Da lief einem schon mal ein Schauer über den Rücken.  

Sich sonnen am Hang

Weiter ging es auf den anderen beiden Bühnen, ebenfalls mit Schweizer Acts. Während Adrian Weyermann und seine Band mit sattem Pop-Rock und überzeugenden Gitarrenriffs auf der Waldbühne für Stimmung sorgten, inszenierte sich Gustav auf der Zeltbühne. Ersterer hatte es schwer die Leute zum Tanzen zu bewegen, denn oben am Hang konnte man sich prächtig sonnen. Zweiterer hingegen begeisterte das Publikum dermassen, das selbst nach zwei Zugaben noch lautstark nach mehr verlangt wurde.  

Fussabdrücke auf Armen und Hälsen

Das Wetter hielt sich bestens, es wurde heiss auf dem Gelände. So suchte manch einer nach einer Erfrischung, einem kühlen Bier oder einem Eis. Vor dem Infostand klecksten die Leute vom Gurten Care Team Sonnencreme auf die ausgestreckten Hände, auf der Hauptbühne spielte Singer Songwriter Donavon Frankenreiter und am WWF-Stand liessen sich die Leute Pandabären und Fusstapfen tätowieren, als wäre das der neuste Trend. Baze, schick gekleidet, legte sich auf der Waldbühne mächtig ins Zeug und versicherte seinen Fans, er sei super gelaunt. Tatsächlich lockte er mit seinen Rhymes Einige den Hügel runter. Andere zog es eher rauf zum grossen Zelt, wo Ojos de Brujo aus Barcelona mit ihrem Latin-Flamenco für Bewegung sorgten.  

Ein gewaltiger Chor

Ein Grossteil allerdings drängte bald einmal zur Hauptbühne, der Platz füllte sich bis an die äussersten Ränder. Auf halb Fünf waren Patent Ochsner angekündigt. Das einzige Konzert der Berner Band in diesem Jahr war vom ersten Ton an ein Highlight. Kein Song, den nicht Hunderte mitsangen, dessen Refrain nicht Tausende Kehlen Büne Huber entgegenschmetterten. Wie mag der sich wohl gefühlt haben? Vielleicht so glücklich wie all die fröhlich klatschenden, singenden und tanzenden Festivalfans zusammen. Jedenfalls gaben Büne und seine Band ein begeisterndes Konzert, das in die Geschichte des Gurtenfestivals eingehen wird.

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