Kultur | 16.07.2007

Ein familiäres Fest für Gross und Klein

Text von Janosch Szabo
So richtig aus den Nähten platze der Ringplatz in der Bieler Altstadt am diesjährigen Pod'Ring zwar nie. Dennoch gabs gleich eine ganze Reihe von Highlights zu verzeichnen, besonders am ersten und am letzten Tag des Festivals.
Einer der vielen Höhepunkte: Boom Pam aus Israel brachten Bewegung ins Publikum. Fotos: Janosch Szabo Two Tone Club heizten am verregneten Starttag ein. Baldri: Das Strahlen des Trommlers. Beschwingte Folklore: Pflanzplätz sorgten für Heimatatmosphäre. Hoch hinauf: Heinz auf seinem Eschenstangenturm. tANZloS: Experiment im geheimnisvollen Bühnenblau. Linard Bardill spielte Lieder für die Kinder. Zum Kaputtlachen: Das Duo Paste del Amore. Samstagnacht: Harter Rock mit der Bieler Gruppe Modern Day Heroes. Klein und Gross genossen die Bieler Kulturwoche in vollen Zügen.

Der Sommer gab sich zum Auftakt des diesjährigen Pod’Rings äusserst bedeckt, regnerisch und kühl – gerade mal 13 Grad zeigte das Thermometer an. Trotz dieser misslichen Bedingungen füllte sich der Ringplatz an diesem Abend sehr gut. Die französische Ska-Combo Two Tone Club lockte zum Tanze und vermochte tatsächlich mit treibenden Rhythmen Bewegung ins Publikum zu bringen. Zwar versprühten die Franzosen mit ihrem Charme, den Sonnenbrillen und ihrem 60’s to 80’s Ska südliche Atmosphäre, Jacke oder Pullover mochten dann aber doch nur die wenigsten ausziehen. Überraschend dann das erste Konzert auf der Jugendplattform in der Obergasse der Bieler Altstadt: take this spielten Jazz erster Güte. Das Quintett zeigte sich in Bestform und machte mit alten Krachern von Louis Armstrong bis Ray Charles ordentlich Stimmung. Kaum ein Bein blieb da ruhig stehen. Während die Augen besonders auf Strahlemann Kent Stetler, den kanadischen Sänger der Band, gerichtet waren. An der Trompete begeisterte Daniel Woodtli, der auch bei Patent Ochsner ins Blech bläst, mit tollen Solos.

Show auf dem nackten Pflaster
Ein gelungener Auftakt also für den dreissigsten Pod’Ring. Es folgten drei Tage mit allerlei Überraschungen, leisen und lauten Tönen, Trash, Improvisation und Freestyle, Melodien aus der Heimat und aus fernen Ländern. Baladri beispielsweise traten farblich schön komponiert auf und beglückten mit fröhlicher Ausstrahlung und Allerweltsfolk, Pflanzplätz spielten im Trio mit einem halben Dutzend Schwiitzerörgeli und Bass traditionelle Folklore, und am Freitag begeisterte Lao Kouyate aus Senegal mit seinem fulminanten Saitenspiel auf der Kora, einem afrikanischen Instrument mit einem Kürbis-Klangkörper.

Für die Sparte Trash waren Pippo, Zola, Jack & Freddy besorgt mit ihrer abgefahrenen Show auf dem nackten Pflaster des Rings. Wer damit nichts anfangen konnte, mochte vielleicht am Donnerstagabend Heinz beim Bau seines Turmes aus 47 Eschenstangen zuschauen, ein langsames und ästhetisches Spektakel. Wer aber noch mehr Verrücktes sehen und hören wollte, der kam Freitagnacht bei Hotcha & Amateur auf seine Kosten. Etwas derart Durchgedrehtes gibt’s wohl nur einmal. Die Beschreibung aus dem Programmheft passte perfekt: „Strommusik mit viel Schrumm Schrumm, Trommel Trommel und Sing Schrei.“ Da nützen nicht mal Ohropax viel.

Anspruchsvolle Experimentalmusik
Auf der Hauptbühne präsentierten am Mittwoch die Langusta-Entertainments-All-Stars ihr Time Tunnel Projekt, eine musikalische und mit Multimediaspecials gespickte Zeitreise querbeetein durch die letzten drei Jahrzehnte. Am nächsten Tag versuchten sich tANz loS auf den Brettern. Musiker verschiedenster Bands spielten zusammen Experimental-Impro-Jazz-Elektronik, kreierten sphärische Klangwelten und strapazierten die Ohren. Kein Zweifel an den musikalischen Fähigkeiten dieser Künstler, aber als Konzert auf der Hauptbühne eignete sich diese Produktion nicht, zu wenige Leute vermochte es in den Bann zu ziehen. Wer nicht konzentriert zuhörte und sich einzufühlen versuchte, war hoffnungslos überfordert mit dieser Musik.

Bardill verbreitet gute Laune
Für viel Andrang vor der Bühne sorgte indes Linard Bardill am Freitagnachmittag. Der Bündner sang und spielte sich, begleitet von seinem Gitarristen, durch sein Programm „Sternschnuppesuppe“. Die vielen kleinen und grösseren Kinder und auch die Eltern hatten ihre helle Freude an den eingängigen Liedern und den Melodien zum Mitsingen. Bardill verbreitete gute Laune und hatte immer mal wieder einen Spruch bereit. Mal sprang er zu den Kindern herunter und tanzte mit ihnen eine Polonaise, mal durften sie zu ihm rauf auf die Bühne.
Richtig theatralisch wurde es dann etwas später in der Obergasse. Die Gruppe TAP- Theater am Puls aus Bern und Les Peutch aus der Romandie lieferten sich ein Theatersportmatch über mehrere Runden. Die Partie blieb bis zum Schluss spannend, hatte doch jede Gruppe mal ein glänzende Idee, um das Publikum zu überzeugen, und jede auch mal einen Ausrutscher.


Fiktive Reise durch die halbe Welt
Weitere Höhepunkte brachte schliesslich der Samstagabend. Auf der Jugendplattform stach im Rahmen von sidepod’ject Marylane aus Zürich hervor, eine junge Band ohne Gitarre, dafür mit einer begnadeten Sängerin und fantastisch harmonierenden Musikern. Nach diesem Konzert, das nur wenige Leute miterlebt hatten, ging es im Hof der Gewölbegalerie weiter mit Pasta del Amore und dem Programm „schwatz und weis“. Das Komikerduo machte sich auf die Suche nach der Antwort auf die philosophische Frage „Warum verstehen wir uns nicht?“ und unternahm dafür gleich eine fiktive Reise durch die halbe Welt. Dialekte und Weltsprachen wechselten dabei im Minutentakt und Klischees wurden gleich zu Hauf wortreich oder theatralische Art inszeniert. Da gab es kein Halten mehr, Lachsalven füllten den kühlen engen Innenhof, Bauchkrämpfe waren hier und da zu beobachten. Und weil der Applaus am Schluss nicht abebbte, gab es sogar noch eine kleine Zugabe.

Krawattenrocker
Beatplanet aus Berlin machten weiter im Ring. Ihre 60er Jahre Beatmusik gefiel, kam locker leicht daher, aber riss das Publikum nicht aus den Socken. Dafür sorgten zunächst die drei Bieler Krawattenrocker Modern Day Heroes mit ihren Stromgitarren und danach Boom Pam aus Israel. Uzi Feinermann, Uri Brauner Kinrot, Yuval Zolotov und Dudu Kohav sorgten für einen würdigen Schlusspunkt. Ihr Konzerte brachte spät nachts noch einmal Bewegung in die Menge. Zigeunerklänge, Klezmer, Surf und arabische wie auch griechische Rhythmen juckten die Tanzbeine. Das Publikum verlangte zweimal nach einer Zugabe und bekam sie in dieser lauen Sommernacht. Das Wetter hatte sich im Verlauf des Pod’Rings nämlich mächtig gesteigert, die anfänglich knappen 13 Grad hatten sich mittlerweile in sommerlich heisse 25 Grad verwandelt. Der dreissigste Pod’Ring endete am Sonntag mit einem Brunch und dem Konzert des Trio Euter.

Links