Kultur | 30.07.2007

Abwechslungsreich und elektrisierend

Text von Daniel Jörg
Electric Bazar aus Frankreich trieben das Waldstock Publikum zum Wahnsinn.
Wir brauchen Bass! Auch die Band hat ihren Spass Sing den Blues

Man nehme eine Handvoll Gipsysound, rühre grobgemahlenen Rock `n` Roll aus dem 50er Jahren dazu und glasiere das ganze mit fünf Tassen bluesigem Surftrash. Etwas Kräutermischung aus der Provence dazu und mit ein bis zwei Flaschen Rotwein abschmecken. Fertig ist der ungewöhnliche Sound, welchen Electric Bazar ihrem Publikum an den Kopf werfen. Dieses scheint nach einer solchen musikalischen Breitseite wie verzaubert. Selbst das Waldstock Küchenpersonal bewaffnet mit Kochlöffeln und Pfannendeckeln mischte sich unter die Zuschauer und gaben sich dem Tanzrausch hin. Noch bunter wurde es als die Band das Waldstock in die Steinzeit zurückversetzte. Dies äusserte sich dann durch animalische Schreie und andere prähistorische Gebärden im Publikum und bei den Musikern. Der Geiger stieg sogar von der Bühne um auf Schimpansenart mit den Leuten in den ersten Reihen zu kommunizieren. Das ist Entertainment!

Electric Bazar verbreiten eine musikalische Atmosphäre, welche gut jeden Schwarz-Weiss-Horrorfilm einfärben würde. So passte auch das Wetter nicht schlecht. Es brauten sich schwarzgraue Wolken über der Bühne zusammen. Aber der langsam einsetzende Regen tat dem Tanzspass keinen Abbruch.

Verschiedene Tempi von melancholisch langsam bis zum fast Stillstand wechselten sich mit rasender Überschallgeschwindigkeit ab. Die Menge war am Kochen und hätte gerne noch lange weitergebrodelt bis sie dann irgendwann verdampft wäre. Leider musste der Zeitplan des Waldstockprogramms so genau eingehalten werden, dass es für eine Zugabe mehr reichte. Dies war auch schon der einzige Minuspunkt. Ansonsten verstanden es die sympathischen Franzosen dem noch verbliebenen Waldstockpublikum noch einmal gehörig einzuheizen. Hut ab, Strom an, Rotwein rein und ab geht’s auf den elektronischen Bazar.