Kultur | 18.06.2007

Sozialer Aufstieg durch Rap

Text von Anina Peter
Afrob, Deutschlands Reimemonster, nahm nach seinem Konzert am Openair Zürich nicht Stift und Papier in die Hand, sondern Schweizer Jasskarten. Ober, Under, König, Ass - jede Karte eine Frage. Was dabei heraus kam, findet ihr hier heraus. Wenn auch die Fragen nicht sehr harmonisieren, wir haben doch ein bisschen was über Afrob rausgefunden.

Für was würdest du in den Kampf ziehen?

Für meine Überzeugung!

Was ist denn deine Überzeugung?

Afrob: Naja, keine Ahnung. Wenn mein Land aus bestimmten Gründen gefährdet wäre, würde ich dafür kämpfen.

Ein persönlicher Kampf?

Afrob: Als Schwarzer in Mitteleuropa ist jeder Tag ein Kampf. Diskriminierung jeden Tag. Aber ich geh damit cooler um als noch vor einigen Jahren. Wenn ich zum Beispiel im Zug in einem Abteil bin, setzt sich keiner dazu. Früher, als Kind, in der Strassenbahn – die Bahn war voll, ausser mein Abteil. Oder die kommen rein und fragen alle nach Kaffee – ausser mich. Oder letztens im Flugzeug: ich les die Bild-Zeitung und der Typ fragt mich wirklich ob ich Deutsch kann. Ich nur so, hey, kannst du nicht lesen.

Du bist ja in Deutschland aufgewachsen. Wie ist dein Bezug zu Afrika?

Afrob: Jeden Tag wird Afrika auf mich projiziert. Ich selbst renn nicht rum und sag, ich sei Afrikaner, das machen die anderen. Jeden Tag wird mir vor Augen gehalten, dass ich nicht von hier sei.

Wenn du die Macht über Europa hättest, was würdest du tun?

Afrob: Ich würd den Franzosen, Engländern, Spaniern und Portugiesen sagen, sie sollen den Afrikanern all die Kohle zurück geben, die sie denen geklaut haben.

 Kannst und willst du mit deiner Musik was an diesen Vorurteilen ändern?

Afrob: Keine Ahnung… Manchmal geht so was auch nach hinten los. Dann sagst du was und man versteht es total falsch. Du wirst sowieso nicht ändern können. Es gibt keine Institution, die das ändern wird und könnte. Die einzigen, die das tun, sind Typen wie wir, die jeden Tag mit Leuten zu tun haben. Die sagen dann, hey, der kann ja mal Deutsch, rennt dann nach Hause und sagt, ich hab jemanden kennen gelernt und der ist voll normal und so. Das ist so, diese Typen machen die meiste Arbeit, aber werden nie gehört.

Was sind die Probleme von Deutschland?

Afrob: Es ist ein Riesenland, Leute werden erschossen, du kannst nicht alle Leute versorgen. Und so viele Leute sind einfach allein gelassen.

Was macht Afrob privat so?

Afrob: Nicht viel. Ich bin kein geselliger Mensch. Ich beschäftig mich lieber mit mir selber, so bin ich nun mal. Trotzdem bin ich sehr glücklich und bescheiden. Erfolg bedeutet mir gar nichts, das ist nichts, nur Luft. Wenn mich auf der Strasse jemand fragt ob ich Afrob bin, sag ich nein. Das ist mir unangenehm. Manche wollen dann halt, dass du ihnen was gibst, was du nicht bist. Da musst du aufpassen, das ist ein abgekartetes Spiel. Aber trotzdem bin ich ein sozialer Mensch und interessier mich für die Bedürfnisse und Sorgen anderer Menschen. Ich  habe so einen Gerechtigkeitswahn in mir drin. Wenn was ungerecht ist, dann würd ich am liebsten explodieren. Das find ich unmöglich.

Wie bist du zur Musik gekommen?

Afrob: Damals, anfangs der 90er Jahre war das so ein Movement, das hat mich total mitgenommen. Dieser Enthusiasmus, die Begeisterung für was Neues. Als ich damals rausgekommen bin, war ich der totale Sozialfall. Es gab keinen Vergleich zu mir. Dann erreichst du zehntausend Kinder und dann kommt immer mehr. Ich habe durch Rap den sozialen Aufstieg erfahren. Für mich ist das ein Privileg, ich habe Glück gehabt.

Dein peinlichstes Erlebnis unter Alkoholeinfluss?

Afrob: Da gibt es viele. Eines davon? Ich war mit einem Mädchen unterwegs und so betrunken, dass ich sie nicht poppen konnte. Die ist dann in der ganzen Stadt rumgerannt und hats jedem erzählt.

(Einwurf: Ja, dein Kumpel hat sie dann gepoppt.)

Und schon mal ein Bühenenerlebnis gehabt, dass dir peinlich war. So wie Hose runter gefallen oder so?

Afrob: Das ist nicht peinlich, dann hast du was für die Show. Es ist schon mal vorgekommen, dass ich gesagt habe, jetzt Hände in die Luft und keiner hats gemacht. Das ist mir eigentlich schon öfters passiert.

Dein ganz persönlicher König?

Afrob: Ganz klar! Stevie Wonder. Alles was wir heute machen, ist von ihm.

  

Dein grösster Traum als Zehnjähriger?

Afrob: Ich wollte Fussballer werden. Ich war auch richtig gut und talentiert. Und ja… dann hab ich aufgehört zu spielen

Eine Nachricht an die Schweiz:

Afrob: Hopp Schwiiz, hopp!! Wir sehen uns 2008! Hopp Schwiiz!

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