Kultur | 24.06.2007

Musik verdrängte Schockeffekt

Als erster Höhepunkt des Grennfield Festivals 2007 stand Marilyn Manson auf der Bühne. Der Schockrocker beeindruckte mit einer imposanten Show und guter Musik. Die legendären Schockeffekte liessen jedoch auf sich warten.
Marilyn Manson provoziert für sein Leben gern. Fotos: MarilynManson.de Der Künstler mit seiner Band. Manson ist vor Kurzem geschieden worden. Seine Exfrau ist die weltberühmte Stripperin Dita von Teese.

Das Licht wurde schwächer bis der schwarze Vorhang mit den angedeuteten Blutspuren nur noch knapp zu sehen war. Die anfängliche Klaviermusik ging in ein Herzschlag ähnliches Pochen über. Gebannt wartete das Publikum auf den lang ersehnten Marilyn Manson. Dann war es endlich soweit. Der Vorhang fiel und aus dem rot leuchtenden Nebelmeer wurde immer deutlicher die düstere Gestalt des Schockrockers sichtbar. Der erste Höhepunkt des Greenfield Festivals hatte definitiv begonnen.  


Dolch und neue Lieder

Gewohnt furchteinflössend geschminkt legte Marilyn Manson gleich mächtig los. Mit einem dolchförmigen Mikrofon ging er die Bühne auf und ab und versuchte das Publikum zu erobern. Allerdings war man sich von ihm noch mehr gewohnt. Die spektakuläre Liveshow liess vorerst auf sich warten. Auch die imposante Selbstdarstellung, mit der sich Manson einen Namen machte, stellte er zu Beginn des Auftrittes in den Hintergrund. Umso mehr legte der US-Amerikaner Wert auf die Musik und die Lieder seines neuen Albums, das eben erst anfangs Juni erschienen ist. Die neueren Songs von „Eat Me, Drink Me“ sind vorwiegend ruhiger als man es von Manson gewohnt ist. Dies hat wohl damit zu tun, dass er sich im Scheidungsverfahren befand, als die Lieder der neuen Platte entstanden.

Massive Steigerung

Im Verlauf seines Auftrittes griff Manson dann aber doch noch auf seine grössten Hits zurück. Vor allem seine Coverversionen „Tainted Love“ und „Sweat Dreams“ brachten die dichtgedrängte Publikumsmasse zum Kochen. Obwohl der Schockrocker weiterhin auf überraschende Gruseleffekte verzichtete, wurde seine Performance nie langweilig. Er forderte das Publikum immer wieder auf Stimmung zu machen und führte auch kurze Dialoge mit seinen Fans. Zudem wurden mehrere Spezialeffekte und eine imposante Lichtshow in das Konzert eingebaut. Auf einem grossen Bildschirm an der Bühnenwand wurde zu jedem Lied ein eigener Clip gezeigt.  


Streicheleinheiten für Gitarristen

Mit professioneller Routine überzeugte der 38-jährige Amerikaner während des ganzen Auftrittes. Die gesamte Show wurde auf ihn als Sänger gelenkt, die Bandmitglieder erledigten ihre Aufgaben ruhig im Hintergrund. Einzig der Gitarrist Tim Skold erhielt vom Meister viele Freiheiten.

Betrachtet man die Texte von Manson genauer, so erkennt man, dass er auf gesellschaftliche Missstände hinweist. Mit provokativen Aussagen gelingt es ihm immer wieder die Massen zu polarisieren. Dass der christliche Glaube und die Kirche für ihn reine Heuchelei seien, betont er nicht selten.  

Überraschender Abgang

Marilyn Manson beendete sein Konzert auf seine ausgefallene Art. Mit einem abrupten Ende sorgte er pünktlich um Mitternacht für Verwirrung im Publikum. Ohne vorher etwas anzukündigen, verliess er nach einem letzten Lied völlig unerwartet die Bühne und tauchte nicht wieder auf. Keine Verabschiedung, keine Zugabe. Aber übel nahm es ihm keiner, denn genau solche Aktionen zeichnen den Ausnahmerocker aus. Er vermag seine Fans immer wieder zu überraschen.

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