Kultur | 25.06.2007

Musik aus 1000 Schubladen

Text von Janosch Szabo | Bilder von Janosch Szabo
Andrea Milova und David Cielbala haben ein neues musikalisches Projekt lanciert: Sky69. Während dieses Programm auf CD ein grossartiges und sehr vielschichtiges Elektronikspektakel hergibt, wirkte die eher rockige Liveinszenierung bei der Premiere im Carré Noir in Biel noch zu angespannt. Anders die Situation bei ihrem World-Djipsi-Repertoir.
Stimmgewaltig: Andrea Milova von Djinbala.
Bild: Janosch Szabo

Djinbala: Das sind vor allem Andrea Milova und David Cielbala. Aber im Duo spielen sie schon lange nicht mehr, immer wieder holen sie neue Musikerinnen und Musiker an Bord. Aktuell für das neuste Projekt Sky69 den Bassisten Michael Hodel, den Schlagzeuger Jérôme Villefranque und die Sängerin Catherine Guyot. Sie alle sind hochkarätige Musiker, wie einem schnell klar wird. Doch im Zusammenspiel holpert es zwischendurch noch ein wenig, was kaum verwundert, sind doch Djinbalas Klangwelten oft sehr komplex aufgebaut.

Programm mit Potential

Vielleicht sind es auch nur die konzentrierten Blicke, die sich die Musiker hinter dem Rücken von Frontfrau Andrea Milova immer wieder zuwerfen, welche die ganze Szenerie noch zu angespannt wirken lassen. Aber das Programm hat zweifellos Potential, denn zwischendurch, wenn die zwei Frauen und die drei Männer perfekt harmonieren, dann groovt es ziemlich. Djinbala in Rockversion ist zwar gewöhnungsbedürftig kommt aber mit einer ordentlichen Portion Power daher – für ein Kellertheater fast zu gewaltig.  

Das ganze Spektrum der Stimme

Sky69 in sich hat verschiedene Facetten, erstreckt sich von tragischen Geschichten wie „You were a friend of mine, but you commited murder“ bis hin zu witzig kreativen Wortspielereien wie beispielsweise „For Icecream I scream“, stimmlich interpretiert von Andrea Milova. Dabei schöpft die begnadete Sängerin, die zweifellos der Mittelpunkt der Band ist, ihr ganzes Spektrum aus, wechselt von tiefen rauen Tönen bis hinauf in höchste Höhen. Einzig die verschiedenen Stimmungen könnten gesanglich stärker akzentuiert sein, noch zu oft taucht die gleiche emotionale Klangfarbe auf.  

Vielschichtiger Electro-Trip-Pop

Ganz anders das Album zu Sky69, das den Titel „a new baby in the cosmos“ trägt. Darauf dominiert die Elektronik, Andrea Milovas und David Cielbalas 1997 in New York kreierter eigener Electro-Trip-Pop Stil. Die beiden beweisen in Umgang mit Spezialeffekten, galaktischen Verzerrungen und abgefahrenen Technobeatintermezzos viel Experimentierfreude. Jeder Song hat einen anderen Einstieg, bringt wieder neue Elemente mit sich. Da wird mit Stimmüberlagerungen und Echos gearbeitet, mit Streicherbackgrounds, brummelnden Bässen und live eingespielten Instrumenten, die sich immer wieder im Nichts verlieren, um dann wieder in neuer Farbe aufzublühen. Den roten Faden bildet auch hier, wie live auf der Bühne, Andrea Milovas Gesang, klar artikuliert, kraftvoll und durch alle Stimmlagen hindurch, mal wabernd, mal gespenstisch, mal mit viel Echo.

Djinbala ist mit dieser CD ein vielschichtiges, dichtes und spannendes Werk gelungen. So schnell wird es einem da nicht langweilig.  

Im Feuer steckt der Unterschied

Andersherum verhält es sich bei Andrea Milovas und David Cielbalas traditionellem World-Djipsi-Programm. Die CD dazu mit dem Titel „Djin“ ist zwar gut und sorgfältig produziert, die Songs aus den Lautsprechern der Stereoanlage bleiben aber im Schatten der Liveinterpretationen, vor allem was das Feuer in Stimme, Rhythmus und Saitenspiel betrifft. Das liegt vor allem daran, das Djinbala mit diesem Programm auf der Bühne ein schlicht umwerfendes Spektakel bieten, das nur so sprudelt vor Lebensfreude und den Zuschauenden unwiderstehlich mitreisst. Diese Stimmung auf einen Tonträger zu bringen, ist praktisch unmöglich. Und somit wird deutlich: Das Album „Djin“ mit elf Songtiteln und einer Gesamtlänge von rund 50 Minuten kann höchsten im Vergleich mit einem Liveauftritt von Djinbala bekrittelt werden. In sich nämlich ist es sehr abwechslungsreich und bietet einen tiefen Einblick in eigenartige, von immer mal wieder schrägen Tönen und schnell wechselnden Rhythmen geprägte Klangwelten. Für Djinbalas facettenreiche Musik braucht es definitiv einen ganzen Schubladenschrank.

Alben und Auftritte


Die Alben "Djin" und "Sky69 – a new baby in the cosmos" gibt es zwar noch nicht in den CD-Läden, doch können sie über die Website der Band bestellt oder an den Konzerten direkt bei den Künstlern gekauft werden.

Am 13. Juli spielen Djinbala am Montreux Jazz Festival und im August sind sie am Buskers Festival in Neuchâtel zu hören.

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