Kultur | 13.06.2007

„Man kann es nie allen recht machen“

Als Jugendlicher arbeitete der Sohn italienischer Einwanderer in der Fish'n'Chips-Bude seines Vaters. Bis sein Debut "These Streets" erschien und ihn quasi über Nacht berühmt machte. Doch der Schotte Paolo Nutini, der schon mit 16 vor Publikum sang, siehts gelassen und redet lieber über seine Zukunft als Familienvater.
Paolo Nutini beim Interview mit Tink.ch in der Züricher Longstreet-Bar. Der Schotte ist sich Interviews gewöhnt und ist für einmal auch sehr gesprächig. Manche sagen, Nutinis Erfolg beruhe auf seinen Augen. Könnte gut sein.

Für einmal liegt die Longstreet-Bar im Zürcher Kreis 4 verlassen. Würden die vorbeischlendernden Passanten einen Blick durch die Fensterscheiben werfen, könnten sie einen Blick auf einen unerwarteten Gast erhaschen: Paolo Nutini, trotz grossen Erfolgen in der britischen Musikszene hierzulande noch weitgehend unbekannt, stellt sich vor seinem Konzert im Zürcher Volkshaus den Fragen der Journalisten. Auch für Tink.ch bot sich die Gelegenheit für ein Gespräch mit dem sympathischen Singer-Songwriter aus Glasgow.

Paolo, du siehst ein bisschen müde aus – hast du schon viele Interviews hinter dir?

Nein, nein, es geht. Ich bin erst heute früh aus Deutschland angekommen. Ich bin ein bisschen ‚rumgelaufen, habe einen tollen Comic-Laden entdeckt und mich gleich mit ein paar Sachen eingedeckt. Ich war schon mal in Zürich und auch in Genf und Montreux. Ich werde auch dieses Jahr wieder am Jazz Festival spielen, darauf freue ich mich sehr.

Du kommst in letzter Zeit ziemlich herum. Passiert es dir manchmal, dass du aufwachst und nicht mehr weisst, wo du gerade bist?
Ich versuche mich immer auf dem Laufenden zu halten. Es kann schon passieren, dass du den Überblick verlierst und es verpasst, im Voraus etwas zu arrangieren. Wenn ich es nicht vergesse, versuche ich meinen Aufenthalt etwas zu planen, statte zum Beispiel einem Museum einen Besuch ab. Sonst geht einfach alles an dir vorbei. Du schläfst lange, machst deinen Soundcheck, isst und trinkst was, machst deine Show – and that’s it. Um eins in der Nacht fährst du in die nächste Stadt. Wenn du ein wenig planst, hast du am meisten davon.

In deinem Lied ‚These Streets‘ singst du: „These streets have too many names for me“. Ist das bloss ein schöner Satz oder fühlst du dich manchmal wirklich etwas verloren?
Ich bin… Nun, ich bin einfach nicht besonders ehrgeizig. Es gibt Momente, da sind auf einmal so unglaublich viele Leute um dich herum. Ich war nie jemand, der sich danach gesehnt hat, so im Mittelpunkt zu stehen. Es ist schön, Aufmerksamkeit zu bekommen und zu schenken, zum Beispiel mit meiner Freundin. Aber ich möchte solche Beachtung nicht erzwingen.  

Was würdest du vorziehen: Auf den grossen Bühnen dieser Welt zu spielen oder in einem Klub vor wenigen Leuten, die Spass an deiner Musik haben?
Die Grösse ist nicht wirklich wichtig. Ich werde nie der beste Stadion-Rocker sein – glaube ich zumindest. Ich liebe es in einem kleineren Saal zu spielen, wie heute Abend. Die Leute kommen um zuzuhören. Das gibt dir Selbstvertrauen und du kannst wirklich Spass haben. Ich habe diesen Ehrgeiz, eine riesige Show abzuziehen, irgendwie nicht in mir. Ich versuche es einfach so locker wie möglich zu machen.

Deine Lieder sind häufig sehr persönlich. Verletzt es dich, wenn die Zuschauer anders darauf reagieren als du es dir erhoffst?

Man kann es nie allen Leuten recht machen. Es soll ja auch nicht so sein, dass man zu den Leuten sagt: „Hey, du darfst nur kommen, wenn du dich richtig verhältst.“ Das nimmt dir die Freiheit, einfach an ein Konzert zu gehen. Du kannst nur hoffen, dass die Leute kommen um zuzuhören und weil sie gerne da sein möchten. Ich sehe manchmal Typen, die nur wegen ihrer Freundinnen gekommen sind oder irgendwelche krassen Ghetto-Jungs, die von ihren Kumpels mitgeschleppt wurden.(lacht) Am liebsten spiele ich auf Festivals, wo die Stimmung etwas intimer ist.

Wann konntest du zuletzt einfach mal wieder ein Konzert zu besuchen?
Ich hatte gerade zwei Wochen Ferien, die ich zu Hause bei meiner Familie und meinen Freunden verbracht habe. Abends zogen wir durch die Pubs, wie früher auch.

Kannst du das immer noch? Sind da nicht zu viele hüpfende Mädchen um dich herum, die deinen Namen rufen?

Ach ne, da kümmert sich mein Ghetto-Kumpel drum. (lacht) Das ist sowieso lustig mit diesen Typen. Zuerst hassen sie dich und auf einmal bist du ihr bester Freund. Aber du kannst sicher sein, dass sie dir direkt ins Gesicht sagen, was sie von dir halten. Wenn von so jemandem eine nette Geste kommt, er dir sagt, wie viel ihm eines deiner Lieder bedeutet, dann ist das wirklich ernst gemeint.

Stell dir vor, du schaust in 50 Jahren auf dein Leben zurück: Was möchtest du erlebt haben?  
Also erstmal muss ich da überhaupt noch am Leben sein. (Lacht und klopft auf den Tisch) Hmm, ich weiss nicht… Eigentlich will ich eine ganz normale, funktionierende, rechtschaffene Familie.

Mit einem Garten und einem Hund?
Ach, nicht unbedingt einen Hund. Aber ich mag Hunde. Ich liebe diese katalanischen Schäferhunde. Die sind zuerst richtig klein und wachsen auch nachher nicht besonders, aber ihr Fell wird dicker und dicker und dann sieht man nur noch diese kleinen Augen. Ich mag diese grossen Hunde nicht, die grösser sind als du selbst und dich anspringen.

Journalisten stellen manchmal richtig dämliche Fragen. Gibt es etwas, was du noch die gefragt wurdest und gerne einmal beantworten möchtest?
Hm, ich bin selbst kein Interviewer, mein Verstand arbeitet einfach nicht so. Aber manche Leute kommen und fragen dich nach deinem Namen, woher du kommst, wie deine Musik klingt… Und da frage ich mich: Wieso zur Hölle bist du hier, wenn du nicht einmal weisst wie ich heisse? Aber meistens bin ich sehr zufrieden mit den Interviews.

Gibt es irgendetwas, das wir über Paolo Nutini wissen müssen?
Paolo Nutini ist. . .Er ist einfach irgendein Typ, der viel Glück gehabt hat.

Links