Kultur | 18.06.2007

„Ich wäre gerne eine Banane“

Ihre Musik macht auf düstere Weise süchtig: The Editors. Wer sie zum Gespräch trifft, weiss nicht genau, wie er sich vorbereiten soll, angesichts ihres geheimnisvollen und depressiven Sounds. Entgegen den Erwartungen sind Schlagzeuger Ed Lay und Bassist und Russel Leetch aber zum Reden und Scherzen aufgelegt, als Tink.ch sie vor ihrem Konzert am Openair Zürich trifft.
Russell Leetch von The Editors beim Auftritt am Openair Zürich. Vor dem Konzert trafen er und sein Bandkollege Ed Lay zwei Journalistinnen von Tink.ch zum witzigen Interview. Russel (links) und Ed (rechts) mögen die Art, wie das Interview abläuft. Leadsänger Tom prägt den Editors-Sound mit seiner markigen Bass-Stimme.

Wir haben ein kleines Spiel für euch vorbereitet, und zwar geht das so, dass der Eine ein Kärtchen zieht, worauf eine Frage steht, die er dem Anderen dann stellt.

Russel: Oh cool! Ich liebe solche Spiele.

Ed: Na dann, lass uns beginnen.

Russel: Was ist dein Tipp um ein Festival zu überleben, Ed?

Ed: Um ein Festival zu überleben muss man eine Büchse von diesem Zeug kaufen. Wie heisst das schon wieder?

Russel: Rum?

Ed:Natürlich, Rum in einer Büchse. (lacht)

Du kannst dieses Ding kaufen damit du deine Hände ohne Wasser waschen kannst. Du drückst drauf, wäschst deine Hände und es hält sich steril und bakterienfrei. Hoffentlich. Das ist wirklich eine gute Sache. Ich trage solche Dinger immer mit mir herum.

Ed: (Spricht, als wäre er der Quizmaster in einer Gameshow) Was ist das Schlimmste, was du jemals getan hast?

Russel: Das Schlimmste was ich je getan habe? Klauen?

Ed: (Zu den Interviewerinnen) Habt ihr schon mal etwas geklaut?

Ich glaube, als ich sechs war habe ich einmal etwas mitlaufen lassen.

Ed: Sechs? Das ist jung!

Russel: Das war vermutlich das Schlimmste was ich je getan habe.

Was klautest du denn so?

Russel: Oh, verschiedene Sachen. Alles was meine Freunde mir sagten.

Das sind aber gute Freunde.

Russel: Ich wurde zu allem Übel auch noch erwischt.

Russel: Was ist deine schönste Kindheitserinnerung, Eddy?

Ed: Das ist eine schöne Sache. Vermutlich bin ich deswegen in eine Band gekommen.

Russel: Here we go!

Ed: Als ich noch ein Kind war, hatten wir in unserem Garten eine Art Trommel, die aus alten Pfannen und Metallstäben bestand, die man sonst vermutlich zum Hühnerkochen verwendete. Keine Ahnung. Auf jeden Fall regnete es grauenhaft, es war etwa vier Uhr morgens, und ich war draussen und spielte mit dieser Trommel. Meine Eltern rasteten völlig aus. Aber ich liebte es.

Ed: Was würden wir tun wenn wir keine Rockstars wären?

Russel: Ich würde ein Surfer sein.

Ed: Russ würde ein Surfer sein. Ich würde Zimmermann sein.

Zimmermann? Hast du das gelernt?

Ed: Nein, aber ich denke ich wäre ziemlich gut darin.

Russel: Wenn du eine Frucht wärst, welche würdest du sein und wieso?

Ed: Ich würde eine Banane sein.

Und wieso?

Ed: Weil es die perfekte Frucht ist.

Ach so. Und du bist perfekt?

Ed: Nein, überhaupt nicht. Aber wenn ich eine Frucht sein müsste, dann würde ich gerne die beste Frucht sein. Ich meine, sie schmeckt gut, sie enthält viele wichtige Nährstoffe. Sie ist sauber, also du brauchst sie nicht zu waschen. Du machst sie auf und isst sie einfach.

Du bist eine sehr „saubere“ Person. Dein Tipp für das Festival, die Banane. . .

Ed: Ja, ich mag Sauberkeit. Ich bin zwar nicht wirklich die ordentlichste Person aber ich mag es nicht so, wenn Sachen schmutzig sind. (Zu Russel) Was wolltest du sagen?

Russel: Ich wäre eine Litschifrucht. Weil mein zweiter Name Leetch ist.

Interessiert es euch, was die Presse über euch schreibt?

Ed: Es ist nur nervig, wenn sie offensichtlich nicht wissen, wovon sie reden. Wenn Journalisten einen Artikel schreiben, und du siehst, dass sie überhaupt nicht darüber nachgedacht haben wieso und wie sie es machen.

Russel: Es beisst ein wenig, wenn jemand versucht böse zu sein. Da gibt es Leute die von grossen Magazinen geschickt werden und zwei Tage mit uns verbringen um danach einen totalen Blödsinn zu schreiben. Da fragst du dich einfach, wieso du solchen Leute überhaupt deine Zeit widmen sollst. Ich würde lieber mit Freunden ausgehen oder mit einem Fremden reden als mit so einem Bastard zu sprechen.

Ed: Was ist dein Ritual bevor du auf die Bühne gehst?

Russel: Es kommt in so einer Flasche daher. (zeigt seine Bierflasche) Normalerweise besteht das Ritual aus etwa sechs von denen. Oder sieben und einem Jägermeister.

Ed: Es ist wie Medizin. Es gibt dir einen Kick.

Trinkt ihr also zum Vergnügen?

Russel: Es macht dich einfach lockerer gegenüber dem Publikum.

Ich hab mich immer gefragt wie ihr in diesem Zustand spielen könnt.

Russel: Ja. Wir haben unsere Songs in viel schlimmeren Zuständen gespielt.

Ed: Es ist halt so familiär. Du gehst mit deinen Freunden etwas trinken bevor du an ein Konzert gehst. Wir machen dasselbe. Es ist schön zusammen.

Russel: Es wäre langweilig wenn das alles Nüchtern passieren würde, nicht?

Mit welcher Band hattest du zuletzt Mitleid?

Ed: Der Sänger von Snow Patrol tat mir leid. Wir waren an ihrem Konzert im Londoner Wembley Stadion. Das Publikum war wirklich scheisse und für die Band wäre es eigentlich ein sehr wichtiges grosses Konzert gewesen. Die Leute tauchten aber nur auf um „Chasing Cars“ zu hören, für diesen Song hielten alle die Hände hoch und nachher verschwanden sie einfach. Das war ziemlich offensichtlich. So  etwas, wünschst du keiner Band.

Ed: Machst du dir Sorgen um deinen Ruhm? (englisch: Fame)

Russel: Nein aber um meine Figur (englisch: Frame). (lacht)

Was denkst du über den NME (Englisches Musikmagazin, Anm. d. Red.)?

Russel: Darin ging es früher mal um Musik. Ich meine: „New Musical Express“ steht ja dafür. Aber er scheint die zwei Wörter „New“ und „Music“ zu verfehlen. Die Leute die dort schreiben, schreiben darüber wer was trägt oder wer mit wem ausgeht.

Ed: Die Express-Seite ist sehr gut gemacht. Die sind wirklich sehr schnell. Es dreht sich alles um Trends.

Nu-Rave zum Beispiel.

Ed: Ja genau! Heilige Scheisse!

Was denkst du denn über Nu-Rave?

Ed: Ich denke das alle Menschen sich in drei Jahren sich fragen werden: „Wie konnte ich bloss so was tragen? Wieso ging ich mit Kriegsbemalungen aus?“

Was denkt ihr über diese Bands?

Russel: Ich mag das Album der Klaxons. Sie scheinen nette Leute zu sein.

Ed: Es ist ein echt cooles Album.

Was denkt ihr über die Musik? Die haben ja sozusagen damit angefangen.

Russel: Das ist komisch. Ich meine, die sind eine Gitarrenband, nicht eine Raveband. Sie sind ziemlich soft. Das NME hat den Nu-Rave eigentlich selbst erfunden.

Wie würdet ihr euren Sound beschreiben?

Russel: Unseren Sound? Passionate-emotive guitardriven music.

Ed: Hast du irgendwelche Idole, Russel?

Russel: Nicht wirklich, wir haben alle getroffen  die uns wichtig sind.

Was ist mit jemandem wie John Lennon?

Ed: Wir haben Paul McCartney getroffen letzte Nacht. Er kam in unserer Loge vorbei, sagte Hallo und trank ein Bier mit uns.

Russel: Liebenswerter Mann.

Ed: Sein neues Album ist wirklich gut.

Russel: Ich hab ein Kärtchen gezogen, das nach überschätzen Bands fragt.

Ed: Die Red Hot Chilli Peppers. Die sind die am meisten überschätzte Band der Welt. Die sind riesig, riesig! Und ich versteh das nicht. Also ich meine es macht mir nichts aus, aber ich verstehe es einfach nicht.

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