Sport | 28.06.2007

Ein Sport im Aufwind

Beachsoccer - Das ist Spektakel pur. Seit 2001 ist auch die Schweiz dabei. Mittlerweile mit drei Profis und einem finanzstarken Geldgeber. Beste Voraussetzungen für den Sandsport in den Alpen. Mit dem Turniersieg in Winterthur konnte die Schweiz schon mal Selbstvertrauen für die WM tanken.
Spektakulär. Angelo Schirinzi im Sturzflug.Fotos: www.beachsoccer.ch Volles Stadion beim Endspiel des Turniers zwischen der Schweiz und Portugal. Nico Jung wurde zum besten Torhüter des Turniers gewählt. Torjubel der Schweiz. Dieses Bild bekam man gegen Österreich oft zu sehen. Die souveräne Schweizer Nationalmannschaft bei der Siegesfeier.

Beachsoccer als Aussenseiter-sportart, das war einmal. Vom kleinen Bruder des Fussballs und dem Badsport ist Beachsoccer in den Fernseher und ins Stadion vor die Massen gerückt. Sandfussball hat viel mit dem Rasenfussball gemein, nur ist er phasenweise viel schneller gespielt. Durch jene schnellen Aktionen wird er viel attraktiver als der „normale“ Fussball. Immer wieder gibt es Showeinlagen der Artisten zu bewundern, wenn sie einen fliegenden Ball aus der Luft annehmen und in beeindruckender Manier Richtung Tor abgeben. Alle dreissig Sekunden ein Torschuss im Schnitt lassen keine Langeweile aufkommen.

Technische Brillanz dank starker Kondition

„Schöne Tore, Sonne, Strand und Spass,“ so formuliert Angelo Schirinzi seinen Beruf. Der Spielertrainer der Schweizer Beach Soccer – Nati spielte zuvor Fussball beim FC Solothurn in der zweithöchsten Spielklasse der Schweiz. Mittlerweile hat er den Belag gewechselt und hat als einer der Pioniere in der Schweiz wesentlichen Anteil an den Erfolgen der Nationalmannschaft. Als Lohn konnte er sich sein Hobby zum Beruf machen. Angelo Schirinzi, Stephan Meier und der junge Dejan Stankovic sind die ersten in der Schweiz die vom Beach Soccer leben können. Zum Beach Soccer kam Schrinizi über das Fernsehen. Vor einigen Jahren noch fasziniert von den Spielern auf dem Bildschirm, gehört er heute selbst dazu. Um die tollen technischen Kabinettstücke zu vollführen, die den Sport so attraktiv machen, braucht es eine sehr gute Kondition. Nur wer konditionell fit ist kann auf dem Platz technisch glänzen.  

Für das Finale in Winterthur qualifizierte sich die Schweiz gegen die noch junge Beach Soccer Nation Österreich mit einem bedingungslosen 13:1 Sieg. Das deutlich favorisierte Portugal qualifizierte sich mit einem knappen 6:5 Sieg gegen das aufstrebende England. Im kleinen Finale musste die Briten erneut als knapper Verlierer vom Platz gehen. Österreich bezwang das kämpferische England mit 4:3.  

Vor vollen Rängen und einer tollen Atmosphäre revanchierte sich die Schweiz im Finale für die Halbfinalnierderlage an der Europameisterschaft im Mai gegen Portugal. Durch Treffer von Stankovic (10/36), Schirinzi (11) und Jaeggy Moritz (17) gelangte die Schweiz zu einem ungefährdeten 4:1 Finalsieg. Für Portugal war einzig Belchior (23) erforlgreich, ansonsten blieb Nico Jung unbezwungen und wurde nicht überraschend zum besten Torhüter des Turniers gewählt. Ein Torhüterproblem hat die Schweiz im Beach Soccer jedenfalls nicht. Der 25-jährige Basler wurde bereits an der Europameisterschafts-Endrunde in Tarragona zum besten Torhüter gewählt. Mit dem 20-jährigen Valentin Jaeggy ist nicht nur Konkurrenz für Jung, sondern auch ein grosses Talent für die Zukunft vorhanden. Jeweils im letzten Drittel durfte das erst seine dritte Saison spielende Jungtalent sein Können zeigen.  

„Mehr Power für die Zukunft“

Um auch an der baldigen WM in Brasilien erfolgreich zu sein wird hart gearbeitet. Bis zu fünf Mal pro Woche im Winter und noch öfter im Sommer trainiert die Nationalmannschaft. „An der EM im Mai hat uns noch der letzte Kick gefehlt. Wir konnten noch nicht so richtig Gas geben wie wir es uns vorgenommen haben,“ erzählt Angelo Schirinzi. Dies soll nicht noch einmal passieren. „Mehr Power für die Zukunft“, fordert der Basler von sich und seinen Teamkollegen. „An der WM in Brasilien wollen wir zeigen was wir können.“ Die Ziele für die Zukunft sind hoch: Nach dem Gewinn der EM vor zwei Jahren in Moskau soll ein weiterer grosser Titel in den nächsten drei Jahren her. Zudem will man pro Jahr um die drei Profis ausbilden.  

Die Nationalspieler spielen für keinen Verein. Turniere, WM und EM auf der ganzen Welt lassen keine Zeit für ein Engagement bei einem Klub. Trotzdem gibt es in der Schweiz bereits eine nationale Liga mit zehn Klubs. Mit Winterthur, Oberdorf, Lenk, Zürifäscht und Muri gibt es insgesamt fünf Standorte. Jedes der zehn Teams nimmt dabei an vier Meisterschaftsrunden in Form eines Turniers mit Turniersieger teil. Gespielt werden jeweils Viertelfinal, Halbfinal, kleiner und grosser Final, sowie die so genannte Loserrounds. Für jede Rangierung werden Punkte verteilt, welche in einer Gesamtrangliste über die gesamte Saison hinweg aufdatiert werden. Diese Rangliste bestimmt letztendlich die Paarungen für das Finalturnier im Zürcher Hauptbahnhof, dessen Gewinner Schweizermeister ist. Die Spieldauer beträgt drei mal 12 Minuten. Der diesjährige Schweizermeister heisst „Les Diambars Rolle“ und kommt aus der Westschweiz.