Kultur | 25.06.2007

Die komische Gegenwart

Wer die ehemalige MTV-und Viva-Moderatorin Sarah Kuttner einmal live erlebt hat, weiss worauf er sich einlässt. Wer ihr Buch liest, wird es herausfinden.
Definitiv Kameratauglich: Sarah Kuttner.
Bild: Armin Zedler/VIVA) Das Cover von Kuttners erstem Buch. Andy Zesiger

Wenn sich ein Show-Star das Ziel setzt, eine Schriftstellerkarriere zu machen, endet das häufig tragisch. Im besten Fall wird das literarische Ergebnis ignoriert und verschwindet unauffällig in einer grossen Reihe von Neuerscheinungen. Nicht so bei Kuttner. Dass die 25-Jährige ein Talent dafür hat, ihre markigen Sprüche auch auf Papier gezielt herüberzubringen, hat sie spätestens mit ihrer Kolumne beim Magazin der „SüddeutschenZeitung“ bewiesen. Und genau diese Texte erschienen nun in Buchform.

Von Musik und Nonsens

Der Inhalt ist schnell erzählt. Kuttner schreibt regelmässig für die deutsche Musikzeitschrift „Musikexpress“ eine Kolumne zu aktuellen Themen und vor allem zu Musik. Sie machen einen Teil des Buches aus. Der andere, viel amüsantere Teil, beinhaltet die Kolumnen aus dem oben erwähnten „SZ-Magazin“. Kuttner beantwortet jeweils vier bis fünf Fragen der Redaktion zu aktuellen Nachrichten, Skandalen und Trends. Was sich dabei an ironischen Gesten und zynischen Kommentaren ansammelt, treibt einem immer wieder die Tränen in die Augen. Vor Lachen, versteht sich.

Selbstironische Abrechnung
Sie schafftt es mühelos, aus der harmlosen Frage „Ist Grillen wieder angesagt diesen Sommer?“ einen Diskurs über die Notwendigkeit von roten Hosen beim Schanzenspringen zu lancieren. Kuttner kommt dabei herrlich selbstironisch und locker herüber. Wer sonst druckt auf der Rückseite seines Buches keine Lobeshymne sondern einen vernichtenden Verriss?
Ein Blick in die Tiefen der schrägen Gedanken- und Ideenwelt von Sarah Kuttner lohnt sich allemal. Seit ihre Sendung den Rationalisierungsplänen der MTV-Oberen zum Opfer gefallen ist, muss man sich mit ihrem Buch hinwegtrösten. Oder, wie es Harald Schmidt auf dem Buchcover ihrer ersten Veröffentlichung ausdrückt: „Ich les das wirklich sehr gerne“.

Sarah Kuttner: Die anstrengende Daueranwesenheit der Gegenwart, Fischer Verlag, 2007.