Kultur | 11.06.2007

Chansons mit Sogwirkung

Mit seinem neuen Album "Eldorado" im Gepäck und einigen alten Hits präsentierte sich der elegante Chansonnier Stephan Eicher dem vorwiegend französisch sprechenden Publikum auf seine typische nonchalante Art. Das Champagnerglas und eine volle Flasche immer in Reichweite.
Stephan Eicher hinter Nebelschwaden. Fotos: Tobias Ochsenbein Nach neuen Hits spielte der Chansonnier auch alte Lieblinge wie "Campari Soda".

Seine aktuelle Tour, die Zwischenstopps in Zürich, La Chaux-de-Fonds und Bern beinhaltet, mobilisierte auch in Biel ein riesiges Publikum. Dem Exil-Schweizer Eicher, der in der französischen Camargue eine zweite Heimat gefunden hat, schlug schon bei den ersten Tönen eine Welle der Sympathie entgegen. Ganz der geübte Entertainer, wusste er den Zwischenrufen und Liebesbekundungen der Menschen mit einem schelmischen Grinsen zu begegnen.
Seine Texte, die unter anderem vom Schweizer Schriftsteller Martin Suter verfasst wurden, entfaltetem im puristischen Saal des Volkshaus eine Sogwirkung, die selbst die Steifsten im Publikum zum Mitsingen animierten.


„I weiss nid wases isch“
Von Beginn an überzeugte der Charismatiker das bilinguale Publikum durch das leichtfüssige Springen zwischen den unterschiedlichen Musikstilen und seinem geistreichen wie sarkastischen Blick auf das Weltgeschehen. So sprach er zwischen seinen mehrsprachigen Liedern – Eicher singt auf deutsch, französisch, englisch, italienisch und schweizerdeutsch – mit den Zuschauern mal französisch mal deutsch.  Der Rock-Chansonnier stimmte am Anfang des Konzerts mit einem Klavierintro und dem darauffolgenden, aus Martin Suters Federn stammenden, „I weiss nid wases isch“ zuerst leise Töne an, ehe er ältere Ohrwürmer wie „Pas d’amie“, „Manteau de gloire“ oder „Combien de Temps“ zum Besten gab.

Interaktive Unterhaltung

Der intelligente Weltenbummler ging häufig auf sein Publikum ein, trank Champagner mit einigen von ihnen, oder liess die Zuschauer Lieder wünschen. Dabei interpretierte er sein Lied „Eisbär“, mit welchem er zusammen mit seinem Bruder Martin in den 80er Jahren die NDW-Szene aufmischte, neu, und sang mit geändertem Text die Version 2007, in der er – mit einem Augenzwinkern – über Knut herzog. Die  Persiflage an den kleinen Eisbär wurde denn auch mit tobendem Applaus belohnt. Viel Herzblut steckte der stets elegant wirkende Musiker – sogar das Abwischen der Schweisstropfen auf seiner Stirn wirkte voller Anmut – in seine Songs. So machte sich denn auch eine gewisse Melancholie im Saal breit, doch ehe diese Schwermut das Publikum zu erdrücken drohte, trumpften Eicher und seine drei überaus genialen Mitmusiker bereits wieder mit rockigeren, schnelleren Tönen auf.

Erstklassige Band

Eichers Mitmusiker sollten an dieser Stelle ebenso gewürdigt werden wie der Schweizer Künstler selbst. Die Multiinstrumentalisten trugen mit pfiffigen Showeinlagen, musikalischem Können und witzigen Einmischungen ebenso zu einem gelungenen Abend bei wie der Chansonnier selbst.
Einer der zahlreichen Höhepunkte des Konzerts war das Lied „Campari Soda“, wobei Eicher und seine Band zuerst Deep Purples „Smoke on the water“ anstimmten um nur nach einigen Akkorden das Lied der Zürcher Combo Taxi zu singen.
Eicher würdigte am Ende seines Konzerts die Mitmusiker einzeln mit dem Wort „unglaublich“. So unglaublich seine Mitmusiker waren, so phänomenal waren auch Stephan Eicher und seine Show. Der philosophisch angehauchte Musiker liess keine Wünsche offen und hinterliess ein restlos zufriedenes Publikum.