Kultur | 27.06.2007

Am Ende droht der Party-Dome

Text von Sandro La Marca | Bilder von www.slayer.ch
Marilyn Manson läuft herum wie Iggy Pop und The 69 Eyes klingen wie die auferstandenen Ramones. Das ist Metal im Jahr 2007. Ein Bericht vom Freitagsprogramm des Greenfield Festivals.
Slayer-Gitarrist Jeff Hannemann bei Studioaufnahmen.
Bild: www.slayer.ch

Schon am ersten Tag des Greenfield Openairs zogen düstere Wolken über das Tal, wo das junge Monster-Openair stattfindet. Doch Regen brachten sie nur wenig, vielmehr brachten sie düstere Rocklegenden wie Marilyn Manson oder Slayer zu den rockdurstigen Besuchern. Interlaken sollte Zeuge werden einer Welle von Bier trinkenden, Kopf schüttelnden und sonnenverbrannten Musikbegeisterten. Kein Wunder aber, dass sich im Zuge der drei Festivaltage so mancher Besucher die Haut verbrannte. Je näher man den Bands stand, desto mehr bekam man die feurige Hitze der eigenen Begeisterung zu spüren. Doch es sollten noch einige Absagen eintreten. So waren am ersten Tag „Hinder“ wegen einer Autopanne in Frankreich stecken geblieben. Auch schade, dass die musikalische und akustische Qualität auf der riesigen Bühne die meisten Leute nicht zu überzeugen vermochten. Ob es an der schlechten technischen Ausrüstung der Veranstalter oder am Können des Personals am Mischpult lag, ist schwer zu sagen. Jedenfalls hörte man die Musik mehr schlecht als recht. Für eine solche Veranstaltung eigentlich eine unnötige Blamage.

Ohne Pentagramm unterwegs
Nichtsdestotrotz legten die Bands teilweise ganz anständige Konzerte hin. Trotz pechschwarzen Haaren und harter Musik wirkten die alten Hasen von Slayer und besonders der chilenische Frontmann Tom Araya sehr sympathisch und souverän, lieferten sie doch ein technisch einwandfreies Set ohne sich wie viele andere Bands in aggressiven und krampfhaft wirkenden Posen und Grimassen zu verlieren. Auch das Pentagramm, welches ihnen anfänglich als Bandlogo diente, liessen sie zuhause, wahrscheinlich zur Enttäuschung vieler Pseudo-Gruftis und anderer Fashion-Victims. Das Repertoire von Marilyn Manson liess hingegen sehr zu wünschen übrig, oder ist das einfach keine geeignete Live-Musik? Wer auf eine Show mit Schock-Effekt hoffte, wie man es vom Schreckgespenst Mason erwartete, wurde leider enttäuscht.

Mehr Kreativität!
Das regelmässige Herumgespucke und das ewige Herunterwerfen des Mikrofons wirkten eher peinlich als schockierend, besonders wenn sich Monsieur Manson zu schade ist, es wieder aufzugreifen und ein hektisch herumirrender Roadie ihm dafür nachrennen muss. Da half auch keine zögernd weit heruntergezogene Hose. So läuft Iggy Pop ja ständig rum! Also lieber Marilyn, nächstes mal bitte etwas mehr Kreativität auf der Bühne und eine etwas ausgewähltere Setliste.

Wer auf düstere Unterhaltung stand, entdeckte am Freitag vielleicht die etwas „verlumpt“ anmutenden The 69 Eyes, welche unter dem gleichen Label stehen wie damals die legendären Misfits, die Herren des Zombie-Rocks. Ihr Sound wird als „Urban Dark City Rock’n’Roll With Romantic Visions Of Death“ umschrieben und dürfte sowohl Gothic-Liebhaber als auch Horrorbilly-Hörer begeistert haben. Kein Wunder bei einem Sänger, der aussieht wie ein auferstandenes Mitglied der Ramones und sich anhört wie Star Wars- Bösewicht Darth Vader. Na gut, vielleicht ein wenig freundlicher.

Malträtiert und über die Bühne gezogen

Sonic Youth waren hingegen gar nicht freundlich, und zwar gegenüber ihren Gitarren. Diese wurden von den immer noch verspielten Freunden des Experimental Alternative Rocks minutenlang malträtiert, geschlagen und über die Bühne gezogen. Komisch nur, dass nach all diesen Strapazen die Instrumente pünktlich fast auf die Sekunde in die Gitarrenständer zurückwanderten. Wer sich nach der musikalischen Dröhnung von Sonic Youth nicht genug zugedröhnt fühlte, der wurde beim Betreten eines der Party-Dome auf dem Areal ziemlich enttäuscht. Die poppige Musik in den total überfüllten Festzelten war einfach kein würdiges Ende für die vorhergehende musikalische Ekstase. Und wer sich voller Hoffnung in Richtung tanzbarer Musik machte, der blieb etwas fraglos vor dem Stand des Rockstar-Magazins stehen, wo sich eine kleine Gruppe Tanzwütiger eingefunden hatte. Doch um etwa drei Uhr war ohnehin Schluss und die zum Bersten gefüllten Festzelte wurden auf einmal still gelegt. Ob sich wohl die Veranstalter um den Schönheitsschlaf der Leute sorgten?

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