“Wir sind eine sentimentale Band”

Tink.ch: Wir haben ein kleines Spiel für euch.

Lukas: Tönt gruselig.

 

Nein, nein. Wir haben es auch mit den Horrors gemacht und es war ganz gut.

Lukas: Das werden wir ja sehen.

 

Es geht nämlich so: wir haben Kärtchen auf denen Fragen stehen und… eigentlich macht ihr das Interview selbst.

Lukas: Ok, dann nehme ich mal ein solches Kärtchen. Also Archis, Was ist deine liebste Kindheitserinnerung?

Archis: Hot dogs.

Archis: Wenn du eine Frucht wärst, welche wärst du und wieso?

Lukas: Ich würde eine Kumquat sein.

(allgemeine Verwunderung)

Lukas: Die sind sehr schön. Sie haben lange Blätter. Man kann viele davon essen. Oder auch einfach nur eine. Es ist einfach ein guter Name.

Archis, was fällt dir ein zum Wort “Vergleiche”?

Archis: Sich vom Original inspirieren lassen. Ergibt das irgendeinen Sinn?

 

Ja, wir denken schon.

Archis: Was ist die beste oder schlechteste Ausrede die du je gebracht hast?

Lukas: Dass ich zu spät zu diesem Interview gekommen bin, weil ich das dringende Bedürfnis verspürt habe, mich massieren zu lassen. Seid ihr jetzt beleidigt?

(zieht nächstes Kärtchen) Hast du irgendwelche Idole, Archis?

Archis: Ja, Jimmy Page, John Bonham. . .

Also Led Zeppelin.

Archis: Ja stimmt, nehmen wir doch gleich die ganze Band. Sonic Youth, Black Sabbath und The Birds. Lukas, welche Erinnerungen verbindest du mit dem Wort “Schule”?

Lukas: Ich hasse die Schule! Aber zuerst fällt mir das Wort “Curry” ein. Ich habe immer wieder Albträume, in denen ich wieder in der Schule bin mit all den Leuten mit denen ich früher zur Schule ging. Schrecklich. Von acht bis fünfzehn war die Schule für mich der reinste Horror. Nachher, von fünfzehn bis zur Uni, war es ganz passabel.

 

Warst du nicht so populär in der Schule?

Lukas: Nein. Aber ich denke wenn du beliebt bist, magst du die Schule.

(zieht ein Kärtchen) Oh, das ist ne gute Frage. Archis, wie würdest du gerne sterben?

Archis: Einfach dahinscheiden. Keine Gefühle, keine Angst und eventuell ziemlich zugedröhnt.

Lukas: Das geht aber nur, wenn du schon dein ganzes Leben lang die Freuden des Drogenkonsums in Übermassen genossen hast.

Archis: Ja, dann muss ich wohl langsam versuchen mich zu steigern. Lukas, deine nächste Frage lautet: Ist es für dich noch immer wichtig, was deine Eltern von dem, was du machst, denken?

Lukas: Das ist eine sehr gute Frage. Ich denke es ist schön, wenn du einen gewissen Rückhalt und mentale Unterstützung bekommst. Wisst ihr, die Band wurde genau zu dem Zeitpunkt gegründet, als ich einen super Job ergattert hatte. Zudem dachten meine Eltern und ich, dass meine Freundin schwanger sei. Nicht genau der beste Augenblick sich auf ein risikoreiches Bandprojekt einzulassen. Meine Eltern verstehen die Musik zwar nicht, aber meine Begeisterung dafür spüren sie selbstverständlich. Sie wollen einfach, dass ich mich an dem erfreue, was ich tue. Einmal hatte mir mein Vater freudig mitgeteilt, dass er einen Titel von uns am Radio gehört habe und er ihn mochte. Das bedeutete mir sehr viel.

 

Machst du dir Sorgen über deine Berühmtheit, Archis?

Archis: Nein, denn ich denke nicht, dass wir berühmt sind. Es ist mir wichtig, dass ich meine Träume verwirklichen kann und meinen persönlichen Anforderungen gerecht werde. Was ist das Wichtigste für dich auf der Bühne?

 

Lukas: Die Musik ganz offensichtlich. Wenn du ein Album machst, schaust du, dass es perfekt ist. Dass nichts dazwischen kommt. Man geht nicht an Konzerte um das Album eins zu eins abgespielt zu bekommen. Die Leute wollen sehen was die Band in Person zu bieten hat, zu was sie fähig sind. Die Persönlichkeit und Sentimentalität sind entscheidend. Unsere Texte sind sehr sentimental. Wir versuchen das so gut wie möglich zu repräsentieren. Das ist das Wichtigste für mich.

 

Archis: Lukas, was würdest du tun, wenn du kein Rockstar wärst?

Lukas: Zuerst einmal bin ich ganz sicher kein Rockstar. Ich bin im Herzen immer noch der Verkäufer der ich einmal war. Wie überlebst du ein Festival, Archis?

Archis: Hmm. Mit einem robusten Zelt! Und wenn alles scheisse ist, dann gibt’s nur noch eine Lösung: Trinken! Deswegen: rechnet immer mit dem Schlimmsten und nehmt noch ein Sixpack mehr mit. Lukas, was ist die schlechteste Show die du jemals gesehen hast?

 

Lukas: (zögert) Also, jeder würde wahrscheinlich sagen, dass ich nicht Recht habe. Aber ltztes Wochenende, am Glastonbury Festival, haben wir einen Auftritt von The Arcade Fire mitverfolgt. Und ich muss sagen, die erste Hälfte war deutlich unter ihrem Potential. Sie standen einfach so herum und kommunizierten nicht wirklich mit den Zuhörern. Die Zusammensetzung so vieler Instrumente und Artisten auf einer Bühne ist aber sonst einmalig, und ich weiss, dass die Band eigentlich genial und zu viel mehr fähig ist. Die letzte Karte ist für dich Archis: Hast du immer an das, was du tust geglaubt?

Archis: Was die Musik angeht, immer. Ansonsten: Nicht immer.

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Stressfrei in wenigen Minuten

Autogenes Training

Autogenes Training basiert auf einer Art von Selbsthypnose und bewirkt schon nach kurzer Zeit innere Ruhe und Ausgeglichenheit. Beim Autogenen Training werden die Augen geschlossen und man stellt sich bestimmte Zustände vor wie etwa “Ich bin ganz ruhig” oder “Mein rechter Arm ist ganz schwer!”

Wer das autogene Training regelmässig praktiziert, kann sich, wenn es nötig ist, an jedem Ort und zu jeder Zeit völlig entspannen. So zum Beispiel vor einer grossen Prüfung oder beim Frühstück, bevor der Tag beginnt. Für Einsteiger ist es aber besser, das Training zuerst in einer geführten Gruppe zu üben.


Progressive Muskelentspannung

Bei der progressiven Muskelentspannung werden alle wichtigen Muskelgruppen des Körpers kräftig angespannt und dann ganz langsam wieder entspannt. Sie lässt sich sowohl am Arbeitsplatz als auch zu Hause praktizieren.

Der Ablauf für die progressive Muskelentspannung beginnt mit der rechten Hand. Man ballt diese so stark es geht während fünf bis sieben Sekunden. Danach entspannt man die Hand während 20-30 Sekunden und konzentriert sich dabei voll und ganz auf die Empfindung in Hand und Unterarm. Man sollte dabei an nichts anderes denken und spüren wie sich die langsame Entspannung anfühlt. Nun wiederholt man dasselbe mit der linken Hand. Dann runzelt man die Stirn so fest es möglich ist um die Stirnpartie zu entspannen. Nun werden die Zähne zusammengebissen und die Mundwinkel zurückgezogen um die Kiefermuskulatur zu lockern. Es folgen noch die Nacken- und Halsmuskulatur indem man das Kinn auf die Brust presst. Schliesslich zieht man zuerst die rechte Fussspitze gegen das Kinn und wiederholt dann die Übung mit der linken Fussspitze um die Füsse und Unterschenkel auszuspannen.

Während dem ganzen Ablauf gilt es die vorgegebnen Zeiten, fünf bis sieben Sekunden anspannen und 20-30 Sekunden entspannen, zu halten und die Aufmerksamkeit ganz auf die jeweilige Muskelgruppe zu richten.

Yoga

Yoga besteht aus einfachen Körper- und Atemübungen. Das Ziel ist es beweglicher zu werden, den Körper besser durchbluten und den Kreislauf stabilisieren, was die Konzentration verbessert.

Die folgende Übung dient der Förderung des Gleichgewichts.

Man steht mit verschränkten Füssen und dennoch geraden Beinen da, so dass die Aussenkanten der Füsse sich berühren. Die Arme soll man nun in Schulterhöhe zur Seite hin ausbreiten und mit dem Ausatmen zur Seite drehen. Beim Einatmen sollen sich die Arme in der Mitte treffen. Das Gleiche zur anderen Seite hin wiederholen. Jeweils einige Atemzüge auch in der Stellung verweilen, dann die Beinstellung wechseln und die Übung wiederholen.  

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Ein Sport im Aufwind

Beachsoccer als Aussenseiter-sportart, das war einmal. Vom kleinen Bruder des Fussballs und dem Badsport ist Beachsoccer in den Fernseher und ins Stadion vor die Massen gerückt. Sandfussball hat viel mit dem Rasenfussball gemein, nur ist er phasenweise viel schneller gespielt. Durch jene schnellen Aktionen wird er viel attraktiver als der “normale” Fussball. Immer wieder gibt es Showeinlagen der Artisten zu bewundern, wenn sie einen fliegenden Ball aus der Luft annehmen und in beeindruckender Manier Richtung Tor abgeben. Alle dreissig Sekunden ein Torschuss im Schnitt lassen keine Langeweile aufkommen.

Technische Brillanz dank starker Kondition

“Schöne Tore, Sonne, Strand und Spass,” so formuliert Angelo Schirinzi seinen Beruf. Der Spielertrainer der Schweizer Beach Soccer – Nati spielte zuvor Fussball beim FC Solothurn in der zweithöchsten Spielklasse der Schweiz. Mittlerweile hat er den Belag gewechselt und hat als einer der Pioniere in der Schweiz wesentlichen Anteil an den Erfolgen der Nationalmannschaft. Als Lohn konnte er sich sein Hobby zum Beruf machen. Angelo Schirinzi, Stephan Meier und der junge Dejan Stankovic sind die ersten in der Schweiz die vom Beach Soccer leben können. Zum Beach Soccer kam Schrinizi über das Fernsehen. Vor einigen Jahren noch fasziniert von den Spielern auf dem Bildschirm, gehört er heute selbst dazu. Um die tollen technischen Kabinettstücke zu vollführen, die den Sport so attraktiv machen, braucht es eine sehr gute Kondition. Nur wer konditionell fit ist kann auf dem Platz technisch glänzen.  

Für das Finale in Winterthur qualifizierte sich die Schweiz gegen die noch junge Beach Soccer Nation Österreich mit einem bedingungslosen 13:1 Sieg. Das deutlich favorisierte Portugal qualifizierte sich mit einem knappen 6:5 Sieg gegen das aufstrebende England. Im kleinen Finale musste die Briten erneut als knapper Verlierer vom Platz gehen. Österreich bezwang das kämpferische England mit 4:3.  

Vor vollen Rängen und einer tollen Atmosphäre revanchierte sich die Schweiz im Finale für die Halbfinalnierderlage an der Europameisterschaft im Mai gegen Portugal. Durch Treffer von Stankovic (10/36), Schirinzi (11) und Jaeggy Moritz (17) gelangte die Schweiz zu einem ungefährdeten 4:1 Finalsieg. Für Portugal war einzig Belchior (23) erforlgreich, ansonsten blieb Nico Jung unbezwungen und wurde nicht überraschend zum besten Torhüter des Turniers gewählt. Ein Torhüterproblem hat die Schweiz im Beach Soccer jedenfalls nicht. Der 25-jährige Basler wurde bereits an der Europameisterschafts-Endrunde in Tarragona zum besten Torhüter gewählt. Mit dem 20-jährigen Valentin Jaeggy ist nicht nur Konkurrenz für Jung, sondern auch ein grosses Talent für die Zukunft vorhanden. Jeweils im letzten Drittel durfte das erst seine dritte Saison spielende Jungtalent sein Können zeigen.  

“Mehr Power für die Zukunft”

Um auch an der baldigen WM in Brasilien erfolgreich zu sein wird hart gearbeitet. Bis zu fünf Mal pro Woche im Winter und noch öfter im Sommer trainiert die Nationalmannschaft. “An der EM im Mai hat uns noch der letzte Kick gefehlt. Wir konnten noch nicht so richtig Gas geben wie wir es uns vorgenommen haben,” erzählt Angelo Schirinzi. Dies soll nicht noch einmal passieren. “Mehr Power für die Zukunft”, fordert der Basler von sich und seinen Teamkollegen. “An der WM in Brasilien wollen wir zeigen was wir können.” Die Ziele für die Zukunft sind hoch: Nach dem Gewinn der EM vor zwei Jahren in Moskau soll ein weiterer grosser Titel in den nächsten drei Jahren her. Zudem will man pro Jahr um die drei Profis ausbilden.  

Die Nationalspieler spielen für keinen Verein. Turniere, WM und EM auf der ganzen Welt lassen keine Zeit für ein Engagement bei einem Klub. Trotzdem gibt es in der Schweiz bereits eine nationale Liga mit zehn Klubs. Mit Winterthur, Oberdorf, Lenk, Zürifäscht und Muri gibt es insgesamt fünf Standorte. Jedes der zehn Teams nimmt dabei an vier Meisterschaftsrunden in Form eines Turniers mit Turniersieger teil. Gespielt werden jeweils Viertelfinal, Halbfinal, kleiner und grosser Final, sowie die so genannte Loserrounds. Für jede Rangierung werden Punkte verteilt, welche in einer Gesamtrangliste über die gesamte Saison hinweg aufdatiert werden. Diese Rangliste bestimmt letztendlich die Paarungen für das Finalturnier im Zürcher Hauptbahnhof, dessen Gewinner Schweizermeister ist. Die Spieldauer beträgt drei mal 12 Minuten. Der diesjährige Schweizermeister heisst “Les Diambars Rolle” und kommt aus der Westschweiz.

Schnörkelloser Rock aus den Neunzigern

Die zerschlagenen Kürbisse und die durchgeknallten Strassenprediger begeisterten am Sonntag mit ihrer Musik all jene, die noch nicht abgereist waren. Beide Bands spielten schnörkellosen Rock, brachten zwar nicht allzu viel neues, doch überzeugten sie mit ihren alten Hits. Und den Leuten schien es zu gefallen. Zu bedauern war, dass man nicht beide Konzerte nacheinander geniessen konnte, sondern nach relativ kurzer Zeit die Bühne wechseln musste. Das grosse Konzertzzelt zu verlassen erwies sich allerdings als nicht allzu schwierig, da die überwältigende Mehrheit der Besucher das Konzert der Smashing Pumpkins klar zu bevorzugen schien. So blieb das Zelt halb leer und vor der Hauptbühne tobte die grosse Masse. Schade, denn besonders das sechste Album der Manic Street Preachers “Know Your Enemy” bereicherte mit “Found That Soul”, “Ocean Spray” oder “My Guernica” das Repertoire mit wunderbar romantischen wie energiegeladenen Rockballaden und tiefgründigen wie reifen Texten.

Die Interaktion fehlte
Die Smashing Pumpkins, welche vom gleichen Label stammen wie die am Freitag aufgetretenen The 69 Eyes oder die legendären Misfits, wurden ihrem melancholisch-schwermütigen Mythos gerecht und versuchten im Zeichen eines Neubeginns mit ihren weissen Roben neuen Schwung in ihr altes Repertoire zu bringen. Offenbar mit Erfolg, denn die Menge tobte angesichts ihrer noch rockiger klingenden Hits. Ihr Auftreten wirkte jedoch eher nüchtern und zurückhaltend. Vielleicht war es noch zu früh für Billy Corgan sich mit dem Publikum auszutauschen und über die vergangenen sieben Jahre hinwegzusehen, in denen seine Musik und seine neue Band “Zwan” keinen grossen Anklang fanden. Mit Zwan war schon nach einem Jahr Schluss.

Zurück aus den Neunzigern
Dafür, dass ihr erstes Konzert nach der “Wiedervereinigung” nicht einmal einen Monat zurücklag, präsentierten sich die neuen Pumpkins mit Ginger Reyes am Bass (Ex-The Halo Friendlies) und Jeff Schroeder von Lassie Foundation an der Gitarre am Greenfield als gut eingespieltes Team. Spätestens nach “United States” und “Tonight” wusste jeder: er war wieder da, der Sound einer der genialsten Rocklegenden der Neunziger. Schade für diejenigen, welche zu dieser Zeit bereits wieder zu Hause waren weil sie ohne Auto angereist waren und den letzten Zug erreichen mussten.

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Am Ende droht der Party-Dome

Schon am ersten Tag des Greenfield Openairs zogen düstere Wolken über das Tal, wo das junge Monster-Openair stattfindet. Doch Regen brachten sie nur wenig, vielmehr brachten sie düstere Rocklegenden wie Marilyn Manson oder Slayer zu den rockdurstigen Besuchern. Interlaken sollte Zeuge werden einer Welle von Bier trinkenden, Kopf schüttelnden und sonnenverbrannten Musikbegeisterten. Kein Wunder aber, dass sich im Zuge der drei Festivaltage so mancher Besucher die Haut verbrannte. Je näher man den Bands stand, desto mehr bekam man die feurige Hitze der eigenen Begeisterung zu spüren. Doch es sollten noch einige Absagen eintreten. So waren am ersten Tag “Hinder” wegen einer Autopanne in Frankreich stecken geblieben. Auch schade, dass die musikalische und akustische Qualität auf der riesigen Bühne die meisten Leute nicht zu überzeugen vermochten. Ob es an der schlechten technischen Ausrüstung der Veranstalter oder am Können des Personals am Mischpult lag, ist schwer zu sagen. Jedenfalls hörte man die Musik mehr schlecht als recht. Für eine solche Veranstaltung eigentlich eine unnötige Blamage.

Ohne Pentagramm unterwegs
Nichtsdestotrotz legten die Bands teilweise ganz anständige Konzerte hin. Trotz pechschwarzen Haaren und harter Musik wirkten die alten Hasen von Slayer und besonders der chilenische Frontmann Tom Araya sehr sympathisch und souverän, lieferten sie doch ein technisch einwandfreies Set ohne sich wie viele andere Bands in aggressiven und krampfhaft wirkenden Posen und Grimassen zu verlieren. Auch das Pentagramm, welches ihnen anfänglich als Bandlogo diente, liessen sie zuhause, wahrscheinlich zur Enttäuschung vieler Pseudo-Gruftis und anderer Fashion-Victims. Das Repertoire von Marilyn Manson liess hingegen sehr zu wünschen übrig, oder ist das einfach keine geeignete Live-Musik? Wer auf eine Show mit Schock-Effekt hoffte, wie man es vom Schreckgespenst Mason erwartete, wurde leider enttäuscht.

Mehr Kreativität!
Das regelmässige Herumgespucke und das ewige Herunterwerfen des Mikrofons wirkten eher peinlich als schockierend, besonders wenn sich Monsieur Manson zu schade ist, es wieder aufzugreifen und ein hektisch herumirrender Roadie ihm dafür nachrennen muss. Da half auch keine zögernd weit heruntergezogene Hose. So läuft Iggy Pop ja ständig rum! Also lieber Marilyn, nächstes mal bitte etwas mehr Kreativität auf der Bühne und eine etwas ausgewähltere Setliste.

Wer auf düstere Unterhaltung stand, entdeckte am Freitag vielleicht die etwas “verlumpt” anmutenden The 69 Eyes, welche unter dem gleichen Label stehen wie damals die legendären Misfits, die Herren des Zombie-Rocks. Ihr Sound wird als “Urban Dark City Rock’n’Roll With Romantic Visions Of Death” umschrieben und dürfte sowohl Gothic-Liebhaber als auch Horrorbilly-Hörer begeistert haben. Kein Wunder bei einem Sänger, der aussieht wie ein auferstandenes Mitglied der Ramones und sich anhört wie Star Wars- Bösewicht Darth Vader. Na gut, vielleicht ein wenig freundlicher.

Malträtiert und über die Bühne gezogen

Sonic Youth waren hingegen gar nicht freundlich, und zwar gegenüber ihren Gitarren. Diese wurden von den immer noch verspielten Freunden des Experimental Alternative Rocks minutenlang malträtiert, geschlagen und über die Bühne gezogen. Komisch nur, dass nach all diesen Strapazen die Instrumente pünktlich fast auf die Sekunde in die Gitarrenständer zurückwanderten. Wer sich nach der musikalischen Dröhnung von Sonic Youth nicht genug zugedröhnt fühlte, der wurde beim Betreten eines der Party-Dome auf dem Areal ziemlich enttäuscht. Die poppige Musik in den total überfüllten Festzelten war einfach kein würdiges Ende für die vorhergehende musikalische Ekstase. Und wer sich voller Hoffnung in Richtung tanzbarer Musik machte, der blieb etwas fraglos vor dem Stand des Rockstar-Magazins stehen, wo sich eine kleine Gruppe Tanzwütiger eingefunden hatte. Doch um etwa drei Uhr war ohnehin Schluss und die zum Bersten gefüllten Festzelte wurden auf einmal still gelegt. Ob sich wohl die Veranstalter um den Schönheitsschlaf der Leute sorgten?

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St.Gallen heizt auf

Schon zehn Tage vor dem St.Gallen Openair wurden 25000 Tickets verkauft. Die Verkaufszahlen liegen damit deutlich über denjenigen des Vorjahres. Grund dafür mag wohl das ausgezeichnete Programm sein, welches dieses Jahr geboten wird. Top-Acts und viel versprechende Geheimtipps werden für Stimmung und unvergessliche Festivalmomente sorgen. Und wenn das Festivalteam schreit: “Hilfe die Briten kommen –  aber nur die Besten”, kann man ihnen nur zustimmen.

Die Briten kommen

Zu den Haupt-acts des Openairs gehören Placebo und die Arctic Monkeys, welche ein tolles zweites Album vorweisen können (Favourite worst Nightmare) sowie Bloc Party die, den Briten nach, “intelligenten Rock” machen. Die schottischen Snow Patrol werden ihren Hit “Chasing Cars” auch live performen – auf der Wiese liegen erlaubt – und die Klaxons werden noch zu später Stunde Neonstäbe leuchten lassen. Bekanntere Musiker wie die Kaiser Chiefs, Maximo Park, Arcade Fire und Mika werden während den drei Tagen ebenfalls die Festivalbesuchenden erfreuen.

Platz für die Anderen

England ist ja schön und gut, doch gute Musik kommt auch von anderswo. Die deutschen Beatsteaks haben vor kurzem ihr neues Album “Limbo Messiah” veröffentlicht und spielen am Samstag ihre grössten Hits auf der Sitterbühne. Wenn gerade von Deutschland die Rede ist, dann sollte man auch Wir sind Helden und Mia erwähnen, die zusammen mit Oliver Pocher ihre Nation vertreten werden. Amerika wird auch dabei sein: LCD Soundsystem, Bright Eyes und CSS (Brasilien) sorgen für Partymusik und ein bisschen Melancholie.

Jetzt bleibt nur noch zu Hoffen, dass das Wetter bis zum Freitag besser wird und dass es bis zum Montag anhält.

Wettbewerb:


Tink.ch verlost dreimal das neue Beatsteaks Album "Limbo Messiah". Einfach ein Mail mit der Adresse an tatjana.rueegsegger@bluewin.ch schicken und hoffen, dass es klappt.

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Musik aus 1000 Schubladen

Djinbala: Das sind vor allem Andrea Milova und David Cielbala. Aber im Duo spielen sie schon lange nicht mehr, immer wieder holen sie neue Musikerinnen und Musiker an Bord. Aktuell für das neuste Projekt Sky69 den Bassisten Michael Hodel, den Schlagzeuger Jérôme Villefranque und die Sängerin Catherine Guyot. Sie alle sind hochkarätige Musiker, wie einem schnell klar wird. Doch im Zusammenspiel holpert es zwischendurch noch ein wenig, was kaum verwundert, sind doch Djinbalas Klangwelten oft sehr komplex aufgebaut.

Programm mit Potential

Vielleicht sind es auch nur die konzentrierten Blicke, die sich die Musiker hinter dem Rücken von Frontfrau Andrea Milova immer wieder zuwerfen, welche die ganze Szenerie noch zu angespannt wirken lassen. Aber das Programm hat zweifellos Potential, denn zwischendurch, wenn die zwei Frauen und die drei Männer perfekt harmonieren, dann groovt es ziemlich. Djinbala in Rockversion ist zwar gewöhnungsbedürftig kommt aber mit einer ordentlichen Portion Power daher – für ein Kellertheater fast zu gewaltig.  

Das ganze Spektrum der Stimme

Sky69 in sich hat verschiedene Facetten, erstreckt sich von tragischen Geschichten wie “You were a friend of mine, but you commited murder” bis hin zu witzig kreativen Wortspielereien wie beispielsweise “For Icecream I scream”, stimmlich interpretiert von Andrea Milova. Dabei schöpft die begnadete Sängerin, die zweifellos der Mittelpunkt der Band ist, ihr ganzes Spektrum aus, wechselt von tiefen rauen Tönen bis hinauf in höchste Höhen. Einzig die verschiedenen Stimmungen könnten gesanglich stärker akzentuiert sein, noch zu oft taucht die gleiche emotionale Klangfarbe auf.  

Vielschichtiger Electro-Trip-Pop

Ganz anders das Album zu Sky69, das den Titel “a new baby in the cosmos” trägt. Darauf dominiert die Elektronik, Andrea Milovas und David Cielbalas 1997 in New York kreierter eigener Electro-Trip-Pop Stil. Die beiden beweisen in Umgang mit Spezialeffekten, galaktischen Verzerrungen und abgefahrenen Technobeatintermezzos viel Experimentierfreude. Jeder Song hat einen anderen Einstieg, bringt wieder neue Elemente mit sich. Da wird mit Stimmüberlagerungen und Echos gearbeitet, mit Streicherbackgrounds, brummelnden Bässen und live eingespielten Instrumenten, die sich immer wieder im Nichts verlieren, um dann wieder in neuer Farbe aufzublühen. Den roten Faden bildet auch hier, wie live auf der Bühne, Andrea Milovas Gesang, klar artikuliert, kraftvoll und durch alle Stimmlagen hindurch, mal wabernd, mal gespenstisch, mal mit viel Echo.

Djinbala ist mit dieser CD ein vielschichtiges, dichtes und spannendes Werk gelungen. So schnell wird es einem da nicht langweilig.  

Im Feuer steckt der Unterschied

Andersherum verhält es sich bei Andrea Milovas und David Cielbalas traditionellem World-Djipsi-Programm. Die CD dazu mit dem Titel “Djin” ist zwar gut und sorgfältig produziert, die Songs aus den Lautsprechern der Stereoanlage bleiben aber im Schatten der Liveinterpretationen, vor allem was das Feuer in Stimme, Rhythmus und Saitenspiel betrifft. Das liegt vor allem daran, das Djinbala mit diesem Programm auf der Bühne ein schlicht umwerfendes Spektakel bieten, das nur so sprudelt vor Lebensfreude und den Zuschauenden unwiderstehlich mitreisst. Diese Stimmung auf einen Tonträger zu bringen, ist praktisch unmöglich. Und somit wird deutlich: Das Album “Djin” mit elf Songtiteln und einer Gesamtlänge von rund 50 Minuten kann höchsten im Vergleich mit einem Liveauftritt von Djinbala bekrittelt werden. In sich nämlich ist es sehr abwechslungsreich und bietet einen tiefen Einblick in eigenartige, von immer mal wieder schrägen Tönen und schnell wechselnden Rhythmen geprägte Klangwelten. Für Djinbalas facettenreiche Musik braucht es definitiv einen ganzen Schubladenschrank.

Alben und Auftritte


Die Alben "Djin" und "Sky69 – a new baby in the cosmos" gibt es zwar noch nicht in den CD-Läden, doch können sie über die Website der Band bestellt oder an den Konzerten direkt bei den Künstlern gekauft werden.

Am 13. Juli spielen Djinbala am Montreux Jazz Festival und im August sind sie am Buskers Festival in Neuchâtel zu hören.

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Die komische Gegenwart

Wenn sich ein Show-Star das Ziel setzt, eine Schriftstellerkarriere zu machen, endet das häufig tragisch. Im besten Fall wird das literarische Ergebnis ignoriert und verschwindet unauffällig in einer grossen Reihe von Neuerscheinungen. Nicht so bei Kuttner. Dass die 25-Jährige ein Talent dafür hat, ihre markigen Sprüche auch auf Papier gezielt herüberzubringen, hat sie spätestens mit ihrer Kolumne beim Magazin der “SüddeutschenZeitung” bewiesen. Und genau diese Texte erschienen nun in Buchform.

Von Musik und Nonsens

Der Inhalt ist schnell erzählt. Kuttner schreibt regelmässig für die deutsche Musikzeitschrift “Musikexpress” eine Kolumne zu aktuellen Themen und vor allem zu Musik. Sie machen einen Teil des Buches aus. Der andere, viel amüsantere Teil, beinhaltet die Kolumnen aus dem oben erwähnten “SZ-Magazin”. Kuttner beantwortet jeweils vier bis fünf Fragen der Redaktion zu aktuellen Nachrichten, Skandalen und Trends. Was sich dabei an ironischen Gesten und zynischen Kommentaren ansammelt, treibt einem immer wieder die Tränen in die Augen. Vor Lachen, versteht sich.

Selbstironische Abrechnung
Sie schafftt es mühelos, aus der harmlosen Frage “Ist Grillen wieder angesagt diesen Sommer?” einen Diskurs über die Notwendigkeit von roten Hosen beim Schanzenspringen zu lancieren. Kuttner kommt dabei herrlich selbstironisch und locker herüber. Wer sonst druckt auf der Rückseite seines Buches keine Lobeshymne sondern einen vernichtenden Verriss?
Ein Blick in die Tiefen der schrägen Gedanken- und Ideenwelt von Sarah Kuttner lohnt sich allemal. Seit ihre Sendung den Rationalisierungsplänen der MTV-Oberen zum Opfer gefallen ist, muss man sich mit ihrem Buch hinwegtrösten. Oder, wie es Harald Schmidt auf dem Buchcover ihrer ersten Veröffentlichung ausdrückt: “Ich les das wirklich sehr gerne”.

Sarah Kuttner: Die anstrengende Daueranwesenheit der Gegenwart, Fischer Verlag, 2007.

Punkrock im 3/4-Takt

Es ist allerdings ein bisschen kompliziert, diese CD zu bewerten. Da kommt es vor, dass man sie beim Hören ziemlich schlecht findet, aber vielleicht einfach den Sinn dieser “New Cross”-Bewegung nicht versteht. Darin sieht sich die Londoner Band um Leadsänger Eddie Argos nämlich. New Cross-Bands lassen sich stark vom Punk der Jahre 1976 bis 1981 beeinflussen und wollen sich möglichst unabhängig von ihren Labels entwickeln können.


Die Callcenter-Stimme

Der Ursprung als Garagenband ist bei Art Brut auch deutlich zu hören und die Bleistiftzeichnungen von Schulgegenständen auf  Cover und Booklet vervollständigen das Bild. Die Band, die sich nach einem Begriff benannte, den man sonst für von Gefängnisinsassen produzierte Kunst verwendet, ist gewöhnungsbedürftig. So kommen die ersten 20 Sekunden der Singleauskopplung “Direct Hit” ganz passabel daher. Nämlich genau so lange, bis der Argos zu singen respektive zu sprechen anfängt. In einem Callcenter käme die sympathische Stimme gut an, doch hier ist innherhalb  einer Minute und drei Songs klar, dass es weder harmonisiert noch eigenwillig positiv auffällt. Und wenn Argos auf Deutsch ins Mikrofon spricht: “Punkrock ist nicht tot” und sich dann noch im Song für seinen Deutschakzent entschuldigt, wissen wir auch um die Textqualität Bescheid. Ein spannender Versuch wäre es, die immer gut hörbare Bassistin Freddy Feedback ans Mikrofon zu lassen. Ihre Stimme klingt nämlich wesentlich besser.

Für Fans von: hartgesottenen Headbangern im ¾ – Takt

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