Kultur | 14.05.2007

Von Stil zu Stil

Text von Thorsten Meyer
Am Mittwoch dem 9. Mai trat sie im Züricher Kaufleuten auf: Heidi Happy aus Dagmarsellen. Die Singer-Songwriterin klingt wie die grosse weite Welt und lässt in ihren Texten tief blicken.

Beim Eintreten sticht die Bühne sofort ins Auge. Gemütlich eingerichtet wie ein Wohnzimmer. Ein grosser Ohrensessel rechts, zwei Sofas. In der Mitte ein Tisch, mit Weingläsern und einer guten Flasche Wein. Man fragt sich instinktiv: Bin ich hier richtig? Irgendwo steht noch eine Gitarre, ein Handörgeli, beziehungsweise ein Akkordeon und etwas, was wie die geschrumpfte Version eines Schlagzeugs aussieht.

Der Start des Konzerts ist dann auch gar nicht so Schweizerisch. Mit „Gugu Matena“ schickt Heidi die Zuhörer gleich mal auf eine Reise ins tiefste Afrika. Die geschickt mehrfach geloopten Background-Stimmen erwecken den Eindruck, als würde ein kleiner Chor singen. Dabei wird eine Passage eingesungen, aufgezeichnet und immer wieder abgespielt. Beliebig lassen sich nun weitere Passagen darüber legen, bis eben ein kleiner Chor daraus wird. Ein Mittel, welches Heidi immer wieder geschickt einsetzt.

Hemmungslos ehrlich
Heidi Happy, die mit bürgelichem Namen eigentlich Priska Zemp heisst, kommt aus Dagmersellen und durfte erst vor kurzem einen Werkbeitrag der Luzerner Kulturkommission über 10’000 Franken entgegennehmen, mit dem sie endlich ihre ersten CD professionell produzieren konnte. Heidi singt, was sie fühlt. Und sie tut es hemmungslos ehrlich. Wie sie selber sagt, sind es alles Geschichten, die sie betrüben oder erheitern, zum Schreien, Heulen oder gar zum Kotzen sind. Man spürt die Traurigkeit oder Fröhlichkeit eines Liedes, weil sie sie lebt.

Aus dem tiefsten Westen

Ehrlichkeit ist Heidis grosse Stärke, sie wirkt authentisch. Ihre Lieder berühren. Sie vermag es, Stimmungen weiterzugeben, sie lässt den Zuhörer mitfühlen, lässt ihn mitlachen. Aber man muss bewusst zuhören. Heidi Happy’s Musik ist nicht Musik, die man einfach so hört, sondern Musik, für die man sich Zeit nehmen muss. Und weil ihr der Refrain eines neuen Liedes so gut gefällt, der Rest des Liedes aber noch nicht existiert, wird halt nur der Refrain gesungen. Und es stimmt, der Refrain ist schön und lässt auf den Rest des Liedes hoffen. Die Sprünge zwischen verschiedenen Stilrichtungen sind riesig und lassen Heidi Happy ihr stimmliches Potential ausschöpfen. In jedem Lied finden sich Einflüsse von Jazz, Country, Pop und vielem mehr. Und so findet man sich als Zuhörer plötzlich im tiefsten Westen Amerikas wieder: Mehr Country als „Hold your Horses“ geht nicht.

Auch wenn es traurige Lieder gibt bei Heidi Happy, überwiegen die fröhlichen, bei denen man unweigerlich schmunzeln und sogar lachen muss. Ihre Ehrlichkeit ist ansteckend. Was nach dem Konzert bleibt, ist die innere Fröhlichkeit, einem tollem Konzert zugehört zu haben, einen Einblick in einen Menschen erhalten zu haben und das Wissen, dass das letzte Lied der Wahrheit entspricht: „Bye-bye, I see you soon.“


Info


Heidi Happy: "Back Together", erschienen bei Little Jig Records