Kultur | 07.05.2007

„Vermasseln ist die Grundidee“

Text von Martin Sigrist
Das dänische Überraschungtrio Who Made Who hat mit ihrem gleichnamigen Debutalbum für tanzende Zuschauermassen gesorgt. Auf einer kleinen Tour traten die Pop-Elektroniker am 2. Mai im Züricher Mascotte auf. Tink.ch traf dort den Sänger Jeppe Kjellberg nach ihrem Konzert.
Jeppe Kjellberg und Martin Sigrist von Tink.ch. Fotos: Martin Sigrist Who Made Who: Thomas Barfod, Thomas Höffding, Jeppe Kjellberg (v.l.n.r.)

Was können wir von eurem Dritten Album erwarten?
Jeppe: Nein, eigentlich ist es das zweite, das Green Album mit akustischen Versionen unserer Debüts war nur ein Zwischending. Das Neue wird einfach mehr von allem sein, und besser. Klar, das müssen wir ja sagen. Aber wirklich, es ist ein guter Mix mit Elektro, mehr Keyboard und mehr Gesang. Das kommt gut.

Werdet ihr mehr singen?
Ja, aber es wird damit nicht mehr Pop. Wir singen auf der Tour so viel, dass ich jetzt auch gern singe. Ich bin zwar kein Sänger, sondern vielmehr ein Gitarrist, der murmelt, aber ich singe nun ein paar Stücke und das macht riesigen Spass.

Wer schreibt die Texte, machen das alle für euch?

Wir haben viele Freunde, die uns dabei helfen doch ein paar schreiben wir selbst. Wir sammeln einfach Ideen, Sätze und Texte von Leuten um uns herum. Und irgendwie entsteht daraus dann ein Text. Wir nehmen was das Leben uns gibt. Aber wir werden nun vermehrt selbst Texte schreiben. Was immer zu unseren Songs passt, das wird genommen.

Eure erste Veröffentlichung war die Doppel-Single „Two Covers for a Party“. Ist das nicht etwas verzweifelt, mit Covers den Durchbruch zu versuchen?
Es war einfach unser Anfang, verzweifelt waren wir aber nicht. Wir waren an diesem Zeitpunkt noch kaum eine Band. Die ursprüngliche Idee kam von Thomas Hoeffding, der DJ ist und Techno machen wollte, aber mit uns als Live Trio. Am besten geht so etwas natürlich mit richtig kitschigen Technohymnen.  Die Aufnahmen haben wir  dann unserem Label Gomma, gesandt und die haben es veröffentlicht. Eigentlich war das ja nie ernst gemeint, aber es hat Spass gemacht. Schlussendlich war das also nicht eine Tat der Verzweiflung.

Ihr habt das „Green Album“ gemacht, Euer Debütalbum nochmals in akustischer Version. Wenn man euch auf der Bühne sieht, ist so etwas nicht sehr naheliegend.

Wenn wir auf Tour sind, spielen wir immer im Tourbus, oft einfach so mit Gitarre. Darauf haben wir gedacht, lass uns das doch aufnehmen, rein aus Freude. Gomma hat auch das veröffentlicht. Ich glaube nicht, dass dies die beste aller Ideen war. Aber die Medien wurden dadurch auf uns aufmerksam und haben über uns geschrieben. Das war zwar so nicht geplant, war aber ein sehr angenehmer Nebeneffekt. Wenn wir uns auch sonst für unsere Kritiker nicht besonders interessieren.

Habt ihr manchmal Mühe, euch zwischen Akustisch, Elektro oder Pop zu entscheiden?
Nein. Wir tun einfach was wir tun wollen, so einfach ist das. Darum machen wir so verschiedene Sachen. Auch beim nächsten Album wird es eine Verbindung zum ersten Album geben, aber es wird besser. Wir sind drei Jahre getourt, und konnten daher eine gute Gruppendynamik aufbauen. Das wird man hören, aber das Konzept bleibt grundsätzlich gleich, wir werden weiterhin Club Musik mit Melodie aber ohne Techno machen.

Ist es manchmal schwierig, nach drei Jahren noch gut und seriös auf der Bühne zu spielen?
Ja, aber darum ändern wir immer etwas auf der Bühne, wir möchten jeden Abend etwas Neues versuchen. Wenn das Publikum darauf einsteigt, dann machen wir damit weiter, gleich live. Damit können wir die Energie des Publikums aufnehmen und ihm auch etwas zurückgeben.

Also war heute viel improvisiert?
Na ja, es basiert immer alles auf unseren Stücken. Aber viel davon, gerade die Form, ist immer wieder neu. Plötzlich haben wir so ein Technoding gespielt, das war ziemlich abgefahren. Du weisst also nie, was passiert. Ich mag es auch als Zuschauer, wenn ich merke, dass es der Band Spass macht und dass sie sich gegenseitig anheizen und sie vielleicht nicht so ganz sicher sind ob es richtig ist, was sie da gerade tun. Das ist doch viel besser als auf Nummer sicher zu spielen. Wenn alles von Anfang bis Ende geplant ist, kann das sehr steif sein.

Ihr habt also keine Angst davor, mal was auf der Bühne etwas zu vermasseln?
Nein, davor haben wir keine Angst, wir vermasseln doch eh immer etwas, das ist die Grundidee. Es kommt immer darauf an wie sehr, aber wenn wir es auf eine gute Art tun, dann ist es in Ordnung.

Gibt es eigentlich einen Grund, eure CD zu kaufen, wenn ihr so sehr eine Live Band seid?
Ich glaube, Konzert und Album ist überhaupt nicht das Gleiche. Wenn du ein Album machst, kannst du viel mehr an den Details arbeiten. Im Studio mit den Kopfhörern hörst du viel mehr und kannst viel mehr rausholen. Unser Album ist viel mehr zum Anhören gemacht als die Konzerte. Die Musik ist darauf viel präziser. Wenn ich eine CD anhöre, dann will ich nicht hören, wie jemand gerade ausflippt und eine Riesen Party hat.

Viele Bands machen sich darüber keine Gedanken und spielen einfach ihr Programm runter, das klingt dann gleich wie auf der CD.
Ja, aber das ist auch cool, davor habe ich Respekt. Diese grossen Bands, die einfach da raus gehen, ihr Set spielen und es trotzdem klingt es geil. Dafür sind wir wohl einfach zu verrückt.

Warum trägt ihr heute eure Engelsflügel nicht?

Wir haben sie dabei, aber wir haben uns entschieden, sie heute nicht zu tragen. Wir haben so viele Kostüme, aber manchmal wollen wir einfach ohne all das spielen. Heute tragen einfach die Kostüme unserer unterschiedlichen Persönlichkeiten.

Ich habe gelesen, dass ihr als „der Schwule und der Schreiende“ beschrieben wurdet. Wer ist wer?

Ich bin ganz klar der Schreiende, aber weil ich diesen grossen Schnauz habe sehe ich schwul aus und bekomme diese Blicke. Aber ich bin eigentlich nicht schwul, ich bin (zeigt auf seinen Ehering) verheiratet.

Dänische Bands singen oft mit viel Kopfstimme, warum?

Es gibt einfach eine sehr starke Indie Rock Szene in Dänemark, und damit auch eine ganz neue Art für Sänger, ihre Stimme einzusetzen. Eigentlich ist das sehr effizient, wenn du alle diese Gitarren in mittlerer Tonhöhe hast und dann die Stimme noch oben drauf setzen kannst. Besonders dänisch ist das nicht, aber bestimmt ein Trend.

Willst du neue Trends setzten?
Natürlich, es ist einfach geil, neue Dinge zu tun. Für uns ist es interessant, Neues auszuprobieren, uns von unseren verschiedenen Einflüssen zu profitieren. Thomas Barfod. ist der Techno DJ, Thomas Höffding ist der Indie Rock Typ und ich bin komme aus der Jazzecke. Wir versuchen, uns gegenseitig anzustossen und hoffentlich machen wir dadurch etwas Neues. Das ist unser Ziel.

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