Kultur | 27.05.2007

Sudokus im Schnee

Film-Parodien sind lustig - sollte man zumindest meinen. Nach drei "Scary Movie"- Fortsetzungen und dem kläglich gescheiterten Versuch, Liebeskomödien in "Date Movie" durch den Kakao zu ziehen, sind deren Macher nun mit "Fantastic Movie" auf einem neuen Tiefpunkt angelangt.
In diesem Film treffen naive Mädchen auf frierende Gnome. Fotos: www.kinowelt.de Die Königin von Gnarnia trägt tote Tiere auf ihren Schultern und das X-Men Team macht auf einmal ein College unsicher.

Die vier erwachsenen Waisenkinder Lucy (Jayma Mays), Edward (Kal Penn), Susan (Faune A. Chambers) und Peter (Adam Campbell) haben es nicht leicht. Lucys Erzieher, ein Kurator des Louvres, wurde brutal ermordet, Edward muss sich im mexikanischen „Libre“-Wrestling-Waisenhaus von Kindern verprügeln lassen, Susans Adoption wird von Schlangen in einem Flugzeug vereitelt und Peter muss als Hühnerflügel-Mutant das Mobbing seiner Mitschüler ertragen. Alle finden jedoch ein goldenes Ticket, welches ihnen den Eintritt in Willis Schokoladenfabrik offeriert. Da der Süssigkeitenhersteller aber ein Kinderschänder ist, heisst es nichts wie weg und sich verstecken, am besten im nächsten Kleiderschrank. Hinter dessen Türen verbirgt sich die fantastische Welt von Gnarnia (mit Stummen G, was im Pressedossier immer wieder erwähnt wird), wo sie zu wahren Helden werden – oder zumindest zu solchen werden sollen.

Sinn- und Niveaulos
Etwa ähnlich platt und einfallslos wie die inhaltliche Zusammenfassung kommt der ganze Film daher. Nach dem eigentlich ansprechenden Trailer erwartet man hier nun ein Gag-Feuerwerk, wie man es aus dem ersten Teil von „Scary Movie“ noch in positiver Erinnerung hat. Die Enttäuschung ist dementsprechend riesig. Es folgt zwar ein Witz auf den nächsten, so wirklich lustig sind aber nur ein knappes Dutzend.
Die Lachbremsen haben hauptsächlich zwei Auslöser: Zum Einen ist da die Art, wie die im Grunde komischen Szenen dem Zuschauer präsentiert werden. Dass eine Hauptfigur ein Sudoku-Rätsel in den Schnee pinkelt, ist nach einer vorausgegangenen Minute, gefüllt mit anderen Urin-Bildern, einfach nicht mehr komisch. Zum Anderen ist der Originalfilm Englisch, mit Scherzen die nun mal einfach nur in der Originalfassung einen Sinn ergeben. So liegt das englische „witch“ dem Wort „bitch“ ziemlich nah, weshalb die Macher aus „The white witch“ kurz „The white bitch“ gemacht haben. In der Deutschen Sprache ergibt es jedoch schlichtweg keinen Sinn, dass von der „weissen Schlampe“ gesprochen wird.

Stiflers Mum!

Die Leistung der Schauspieler hat sich leider niveaumässig stark dem restlichen Film angenähert. Oft scheint es, als ob die Figur einfach ihren Text kurz vorspricht und dann wieder verschwindet. Einzig das Einbeziehen früherer Filme, in welchem die Schauspieler mitgewirkt haben, ist eine gelungene Idee. Als beispielsweise bei Jennifer Coolidges (bekannt aus der „American Pie“-Reihe) Auftritt der Ausruf „Stiflers Mum!“ aus den Boxen erklingt, huscht selbst den härtesten Kritikern ein Lächeln über das Gesicht. Man nimmt es den Machern dieses Schwachsinns keinesfalls übel, dass der Film schon nach etwa siebzig – anstelle der ausgeschriebenen neunzig – Minuten fertig ist. „Fantastic Movie“ versucht pausenlos lustig zu sein, schafft es jedoch nur äusserst selten. In der grössten internationalen Filmdatenbank „IMDb“ hat es dieser Streifen berechtigterweise auf Platz dreissig der „100 Worst movies ever“ geschafft.

Fantastic Movie


Der Film startet am 31.05 in allen Schweizer Kinos.

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