Kultur | 25.05.2007

Schweizerkreuz über türkischem Halbmond

Das Schweizer Kreuz auf der Brust, den türkischen Halbmond im Herzen. Sechs Secondos reisten für die Schweiz an ein Strassenfussballturnier nach München. Das Filmteam "hiddenframe" begleitete die Mannschaft und filmte eine eindrückliche Dokumentation.
Die Secondo-Truppe im Grossstadtdschungel.
Bild: Hiddenframe Das für die Schweiz angetretene Team wollte in München hoch hinaus. Der Ball ist immer mit im Spiel. Erste Bekanntschaften: Die Secondos freunden sich mit dem brasilianischen Team an. Zuerst dominierte es, danach gab es beinahe kampflos auf. Das Team aus der Schweiz.

Als selbst organisiertes Team reisten sechs Secondos an ein internationales Strassenfussballturnier von „bunt kickt gut“ in München. Mit im Gepäck der fünf Türken und dem Iraner waren die Trikots der Schweizer National- mannschaft. Die sechs Doppelbürger wollten am Turnier im nördlichen Nachbarland hoch hinaus. Begleitet wurden sie dabei vom jungen Film-Ensemble „hiddenframe“ aus Bern. Die drei Jungfilmer waren von Anfang bis Ende ganz nahe am Geschehen. Entstanden ist ein rund 30-minütiger Film, der die Secondos voll und ganz miteinbezieht. Die jungen Sportler kommentieren das Geschehen selber und gaben ihre Erlebnisse in eigenen Worten wieder.  

„Kein Film unter Kollegen“

Die Produktion, die vor bald einem Jahr ihren Anfang fand, wurde am Mittwochabend vor der Übertragung des Champions League Finales in der Kulturfabrik Kofmehl auf Grossleinwand dem Publikum präsentiert. „Mich faszinierte die Energie, die in München vorhanden war. Bei den Spielern und dem ganzen Event“, erklärte Gregor Frei, Regisseur und Gründungsmitglied von hiddenframe. Der 22-Jährige hatte mit seinem Team keine Vorstellung davon, was auf sie zukommen würde. „Wir filmten zehn Tage lang vom Morgen bis am Abend. Wichtig war für uns dabei, dass wir zu den Hauptakteuren eine gewisse Distanz halten konnten.“ Sie wollten so verhindern, dass ein Film „unter Kollegen“ entstand. Die Zusammenarbeit mit den Secondos war auch nicht immer einfach. Denn die Fussballer galten nicht gerade als pflegeleicht.   

Der Euphorie folgte die Ernüchterung

„Es war sehr lehrreich und eine grosse Herausforderung für uns“, sagte Frei. Denn die Jugendliche seien alles kleine „Schlitzohren“ gewesen. Dies liege aber nicht am Herkunftsland, sondern vielmehr am Alter. Schliesslich mangelte es den 16 und 17-Jährigen an der Lust, weiterzuspielen. Zu Beginn lief alles nach Plan. Das motivierte Schweizer Team gewann die ersten Partien deutlich. Sogar gegen die favorisierten Brasilianer vermochte man zu bestehen. Doch im Spiel gegen Polen brannten nach einem harten Schiedsrichter-Entscheid bei einigen die Sicherungen durch. Danach entwickelte sich die Equipe zu einer vom Stolz getroffenen Truppe, die nur noch nach Hause wollte. Im Viertelfinale schieden sie beinahe kampflos aus.  

Inspiration durch Skandalmatch

Trotz dem negativen Ende blieb bei den sechs jungen Sportlern etwas haften: Sie waren nicht wie in der Schweiz die „anderen“, sondern alle waren „anders“. Aus anfänglicher Distanz und Skepsis entwickelten sich freundschaftliche Beziehungen, beispielsweise mit den Spielern aus Brasilien oder Deutschland. Der Dokumentarfilm, eigentlich ein Drama, zeigt auch, wie sich Jugendliche in einer ihr fremden Kultur mit Mühe zurechtfinden und teilweise abschreckend oder fasziniert reagieren. Dem dreiköpfigen Filmteam von hiddenframe ist eine eindrückliche Produktion gelungen, die nach dem Skandalspiel in der Weltmeisterschafts- Qualifikation zwischen der Türkei und der Schweiz die beiden Länder wieder etwas zusammenzubringen vermag. Denn eines zeigt dieser Film deutlich: Soweit liegen diese beiden Kulturen gar nicht auseinander.



Infos zum Film:


Der Film über die sechs Secondos erscheint in Kürze auf DVD und kann über Hiddenframe.ch und Infoklick.ch bezogen werden. Er soll zudem an verschiedenen Filmfestivals gezeigt werden.

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