Gesellschaft | 07.05.2007

Mut zur Enttäuschung

In St. Gallen fand zum dritten Mal das Sozial- und Umweltforum Ostschweiz (SUFO) statt. Eröffnet wurde das Forum mit einer Podiumsdiskussion zum Thema "Frauen an den Herd - Männer ans Steuer? Herrlich dämliche Rollenbilder".

„Es ist schwierig, Hausmann zu sein und gleichzeitig Karriere machen zu wollen.“ , sagt Matthias Weisshaupt, SP-Regierungsrat im Kanton Appenzell Ausserrhoden.
Er eröffnete die Diskussion um die Hintergründe für unser traditionell-patriarchalisches Rollenbild. Zugleich wurde nach Lösungen dafür gesucht, wie diese Rollenbilder durchbrochen werden könnten. Lukas Weibel Züst vom Forum Mann, bestätigte, dass es für Männer schwer sei, Rollenbilder zu durchbrechen, selbst wenn sie es wollen. Er forderte deshalb, dass Mann auch den Mut haben sollte Erwartungen zu enttäuschen.

Was ist eine Familie?
Erwartungen enttäuschen musste auch Saïda Keller-Messahli (Forum für einen fortschrittlichen Islam), als sie ihre tunesische Heimat verliess und in die Schweiz zog. Sie berichtete vom Familienbild in der islamischen Welt: Zur Familie gehören nicht nur die engsten Verwandten, sondern auch Nachbarn und Freunde. Für die Frauen bedeutet das, dass sie nicht alleine die Verantwortung für die Kindererziehung tragen müssen. Dass die Gemeinschaft in unserer Gesellschaft an Stellenwert verloren hat, stellte  auch Claudia Bandixen, Kirchenratspräsidentin im Kanton Aargau, fest. Sie wünschte sich einen spielerischen und lustvollen Umgang mit den Rollen. Das ist aber nicht einfach: Big Zis, Rapperin aus Zürich, hat noch keine Kinder. Sie erzählte von ihren Schwierigkeiten, ein Familienmodell, das ihr entspricht, zu finden.

Wirtschaftliche Zwänge
Carola Meier-Seethaler, Philosophin und Psychotherapeutin, erweiterte die Diskussion indem sie von der geschichtlichen Entwicklung unseres Familienbildes berichtete. Die Vorstellung der „normalen“ Kleinfamilie ist relativ jung. Früher lebten die Leute auch bei uns in Sippen, in denen man sich gegenseitig Verantwortung abnahm. Frau Meier-Seethaler bezeichnete den Neoliberalismus als Grund für wirtschaftliche Zwänge, die Eltern in die traditionellen Rollen drängen. Von wirtschaftlichen Problemen handelten auch einige Wortmeldungen aus dem Publikum. Viele Leute würden die Rollen gern anders verteilen, können es aber nicht tun, weil der Mann einfach mehr verdient und deshalb arbeiten muss.

Eine einfache Lösung für das Problem konnte keiner der Diskussionsteilnehmer bieten. Aber sie riefen die Zuhörer auf, mit Mut und Fantasie an die Differenzen zwischen den Geschlechtern heranzugehen. Klar ist, dass man sich sich trotz Schwierigkeiten nicht vom Kinder Kriegen abhalten lassen sollte. Laut den Rednerinnen und Redner gibt es im Leben nämlich nichts Bereicherndes als das.