Gesellschaft | 11.05.2007

„Kein grosser Aufwand, um gesund zu leben“

Text von Wanja Knausz | Bilder von Mara Ryser
31 Prozent aller Schweizer sind sportlich völlig inaktiv. Wer sich weniger bewegt hat öfters körperliche Beschwerden und fühlt sich psychisch schlechter. Jedoch sind nicht alle Sportarten effektive Fitmacher: Eine Expertin über Märchen und Wahrheiten.
Manchmal braucht man von jemandem einen Anstoss, um etwas mehr Sport zu treiben. Die Hauptsache ist allerdings immer, dass die gewählte Sportart Spass macht.
Bild: Mara Ryser

„Sport ist nicht zwingend nötig, weder um sich fit zu halten noch um überzählige Pfunde loszuwerden“, erzählt Pascale Caroline Weber im Interview mit Tnk.ch. Die dreifache Mutter ist diplomierte Bewegungspädagogin und führt in Bubikon ZH das Bewegungscenter Body Design. „Wer einigermassen auf seine Ernährung achtet und Bewegung mit dem Alltag verbindet, hat im Allgemeinen keine Gewichtsprobleme.“ Für kurze Strecken sollte man das Velo dem Auto vorziehen und nach Möglichkeit regelmässige Spaziergänge unternehmen. Auch Walken ist sehr geeignet, denn wichtiger als die Intensität beim Bewegen sei die Ausdauer. Wer sich mit Sport anstatt mit Spaziergängen fit halten will, sollte auf Schwimmen oder Radfahren setzen. Ballsportarten sind eher weniger geeignet. Dass Wichtigste ist jedoch der Spass am Sport. Auch viel Abwechslung ist empfehlenswert.

Auch das Skelett muss fit sein

Das Fitnesscenter empfiehlt Pascale Caroline Weber, die auf eine über zwanzigjährige Erfahrung im Bereich Bewegung und Tanz zurückblicken kann, nicht. Bei den Geräten im Fitnesscenter werden zwar einige Muskeln spezifisch trainiert, jedoch nur Muskeln, die äusserlich sichtbar sind. Für einen gesunden Körper ist es jedoch wichtig, dass das ganze Skelett trainiert wird, was im Fitnesscenter leider nicht möglich sei. Wer abnehmen oder fit werden will, sollte eine Sportart dem Fitnesscenter vorziehen. Wer sich fit genug fühlt und nur äusserlich Muskeln zulegen will, wird im Fitnesscenter jedoch deutlich schneller Fortschritte erzielen.

Westschweiz und Tessin eher bequem

Sport ist auch aus volkswirtschaftlichen Gründen wichtig. Die durch zu wenig Bewegung hervorgerufenen Erkrankungen kosten den Steuerzahler jährlich 1,6 Milliarden Franken. 31 Prozent aller Schweizer sind sportlich völlig inaktiv. Die Unlust sich zu bewegen ist jedoch nicht in allen Gesellschaftskreisen gleich stark vertreten. Besonders auffällig ist die Tatsache, dass sich Frauen weniger bewegen als Männer, und dass in unteren Gesellschaftskreisen mehr Handlungsbedarf besteht, als in den oberen. Auch bewegt sich die Westschweiz und vor allem das Tessin klar weniger als die Deutschschweiz. Fettleibigkeit wird neben Bewegungsmangel auch stark durch Fastfood und Stress begünstigt. Daneben hängt Fettleibigkeit oft auch mit Unzufriedenheit zusammen. Frustessen ist nichts Ungewöhnliches: Wer mit seinem Leben unzufrieden ist, läuft deutlich mehr Gefahr zuzunehmen.

Rauchen ist kein Mittel

Hilft Rauchen eigentlich beim Abnehmen? „Abnehmen durch Rauchen ist für mich absolut tabu“, meint Pascale Caroline Walder. Jedoch nehmen viele Menschen zu, wenn sie mit dem Rauchen aufhören. Zudem ist es eine Tatsache, dass Rauchen den Appetit zügelt. Dies zeigt, dass Rauchen tatsächlich helfen kann. Trotzdem ist das Rauchen – nicht nur weil es ungesund ist – nicht zu empfehlen. Wer raucht, dem geht der Atem schneller aus und er wird somit noch unsportlicher. Und Sport sei laut Walder neben einer guten Ernährung das A und O für einen gesunden, nicht übergewichtigen Körper. Zudem macht Sport glücklich. Wer sich weniger bewegt hat öfters körperliche Beschwerden und fühlt sich psychisch schlechter.

„Dem Fernsehen nicht alles glauben“

„Jeder Einzelne soll mehr Verantwortung für sich selbst übernehmen“, fordert die Gesundheitsexpertin aus Zürich. „Es muss kein grosser Aufwand betrieben werden, um gesund zu leben.“ Zudem sollte nicht alles geglaubt werden, was man im Fernsehen sieht, denn dies entspricht oft nicht der Wahrheit. Die Flimmerkiste ist für Pascale Caroline Walder auch der Hauptgrund, warum bei den unteren Gesellschaftsschichten ein grösserer Handlungsbedarf besteht. Die Menschen sollten sich mehr informieren und nicht nur vor dem Fernseher sitzen. Der Staat unternimmt bereits Einiges, um gegen diese Probleme anzukämpfen. Doch viel besser wäre es, wenn jeder Einzelne die Initiative ergreifen würde. „Es ist nicht gut, wenn wir vom Staat abhängig werden, denn dieser kann das Problem auch nicht in den Griff bekommen, wenn wir uns  nicht anstrengen“.