Gesellschaft | 29.05.2007

Im wärmsten Ort Afrikas

Nach über 10'000 km Fahrt sind Cyrill Müller und Linus Hüsler in Burkina Faso angekommen. Unterwegs mussten sie bisher auch mit einer korrupten Grenzpolizei fertig werden.
Einheimische in Mali auf dem Weg zum Markt. Zwischenhalt im Niemandsland.

Gut einen Monat ist es her. Wir warten auf einem Flachwagon der Erzeisenbahn von Mauretanien um von Nouadhibou nach Choûm gefahren zu werden. Nach elf Stunden warten setzt sich der über 2 km lange Zug endlich in Bewegung. Die Fahrt wird zum Riesenspektakel. Das extreme holpern und die harten Bremsmanöver machen es uns unmöglich zu schlafen obschon wir ziemlich müde sind.

Als wir in Choûm ankommen fragen wir uns: „Wo sind wir denn hier gelandet?“ Irgendwie haben wir uns das etwas grösser vorgestellt. Aber ausser einem Abstellgleis und einigen Hütten gibt es hier nicht viel. Wir fahren unseren Bus vom Flachwagon runter und gehen weiter nach Atâr. Auf dem Weg geraten wir in ein Sandloch und bleiben prompt mal wieder stecken.

Heilige Stadt des Islams
Von Atâr aus machen wir einen Ausflug nach Chinguetti und Ouadane. Chinguetti war über Jahrhunderte eine der wichtigsten Etapen im Transsahara-Handel und zählt heute zu einer der sieben heiligen Städte des Islams. In Ouadane trafen sich früher die wichtigsten Karawanenrouten. Salz und Datteln der Sahara wurden gegen Gold der Sudanländer eingetauscht. Die Stadt fasziniert durch die grosse, rouinenhafte Altstadt. Man kann sich vorstellen, wie es hier früher in den engen Gassen zu und her gegangen ist.

In Mauretanien dominiert die Wüste. Obschon das Land sehr gross ist, gibt es neben dem grossen Nichts nicht viel zu sehen. Trotzdem ist Mauretanien faszinierend. Vielleicht gerade wegen dem anfänglich Wenigen, was es zu sehen gibt. Bei genauem Hinsehen erkennt man jedoch Tiere und Pflanzen, wo man sich fragt, wie die hier nur überleben können.

Zwischenfall an der Grenze
Weiter gehts über den Senegalfluss nach Senegal. Der Kontrast könnte wohl grösser nicht sein: Kaum am Grenzfluss angekommen, wechselt die Landschaft von Wüste und Trockenheit zu grüner und lebendiger Landschaft. Der Grenzübertritt wird zur Geduldsprobe. Die Beamten hier sind extrem korrupt und für jede kleine Tat müssen wir etwas bezahlen. Schlussendlich haben wir die Nase voll und weigern uns zu bezahlen. Vor der letzten abgeschlossenen Barriere parken wir unser Auto auf der Strasse und warten. Da es schon Abend ist beginnen wir etwas zu essen. Dies zeigt offenbar Wirkung auf die Polizei. Schon kurze Zeit später dürfen wir losfahren.

Nach St. Louis besuchen wir die chaotische Hauptstadt Dakar. Für einen Eintrag auf der Rangliste der Rallye Paris-Dakar reicht es uns leider nicht. Wir machen einen Ausflug zur Insel Gorée. Die Île Gorée ist ein Mahnmal gegen die Sklaverei. Im Maison des Esclaves aus dem Jahr 1778 sieht man hinter einer Treppe am Ende eines dunklen Ganges, die Tür ohne Wiederkehr. Von hier wurden zahlreiche Sklaven in Schiffe verladen.


Einsatz als Informatiker
Als Informatiker konnten wir auf unserer Reise bis jetzt schon an diversen Orten unsere Dienste leisten. In Thies bekommen wir von der Organisation Agrecol Afrique einen etwas grösseren Auftrag. Es geht darum, Produkte die am Wochenmarkt und im Laden verkauft werden, zu verwalten und diverse Auswertungen darüber zu machen. Als Belohnung kriegen wir während dieser Zeit eine Unterkunft und viel feines Essen. Es ist eine einmalige Gelegenheit, mit der Bevölkerung tiefer in Kontakt zu treten, die wir natürlich gerne nutzen.

Im Nationalpark Niokolo Koba machen wir uns auf die Suche nach einem Löwen. Leider finden wir nur einen Fussabdruck aber das eigentliche Tier bleibt uns im noch hohen goldgelben Gras verborgen. Dafür sehen wir sonst viele verschiedene Tiere und eine faszinierende Landschaft um den Gambia-Fluss. Von hier aus machen wir einen Ausflug in den Südosten Senegals. Hier besuchen wir das kleine Bergdorf Andiel und dürfen der Bevölkerung bei ihrer Arbeit zusehen.

30° C in der Nacht
Von Senegal gehen wir weiter nach Mali und stoppen in Kayes. Dies sei der wärmste Ort Westafrikas, sagt man uns. Mit bis 45° C am Nachmittag und ungefähr 30° C in der Nacht ist es wirklich recht warm. Ideale Temperaturen also um unseren von der Schweiz mitgeführten und schon etwas gummigen Raclette-Käse zu essen. Ein Essen, das uns an die Heimat erinnert.

Und jetzt sind wir in Bobo-Dioulasso (Burkina Faso) und suchen unter den Mangobäumen Schatten vor der grossen Hitze. Erste Gewitter künden die bevorstehende Regenzeit an. Ob wir wohl schon bald ein grünes Afrika sehen werden?


Tour d’Afrique

Seit Mitte März sind die beiden Luzerner Cyrill Müller und Linus Hüsler mit einem selber umgebauten VW-Bus unterwegs Richtung Süden. Auf der Suche nach endlosen Wüsten und traumhafte Stränden, herumziehenden Nomaden und Hirtenvölkern. Mit einem Global Positioning System (GPS) zeichnen sie ihre gesamte Reise kontinuierlich auf und bilden den Weg auf einer interakiven Karte von Google ab. Für Tink.ch berichten sie in loser Folge von ihren Abenteuern. Aktuelle Tagebucheinträge und Bildergalerien gibt es auf ihrer Reisewebsite.

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