Kultur | 08.05.2007

Grüne Wiesen, tote Katzen

Das Niveau der geistigen Ergüsse von Johann König ist oft tief, dazu steht er. Tink.ch beobachtete mit meist wachem, manchmal leicht eingeschläfertem Blick, wie der grosse Mann mit der dünnen Stimme um die Gunst des Publikums warb.
Johann König: "Ich habe jetzt schon viele Shows gemacht, aber so schön wie heute ist es eigentlich immer." Fotos: Susanne Mani "Also ich würde für mich kein Geld ausgeben!" "Kennt ihr das, wenn man vom eigenen Gelaber müde ist?"

„Die Reimmaschine vom Rhein“, wie er sich selbst grossmaulig ankündigt, sieht sich als Geschenk für die Freunde der gepflegten Abendunterhaltung. Damit man sich ein Bild des Humorlevels machen kann, hier eines seiner Gedichte, dass er in seiner Aufwärmphase zu präsentieren pflegte: «Ein unschöner Mann und ne Blinde, die waren schon lange ein Paar. Von ihm aus weil er sie liebte, von ihr aus weil sie nichts sah.» Die übrigen Strophen, welche ebenfalls in seinem Buch «“estammelte Worte“, zu finden sind, ersparte der Kleinkünstler uns und sich. „Was hab ich da nur wieder aufgeschrieben?“ Das Gefühl der peinlichen Berührtheit tauchte auch bei mir bis zum Schluss der Show immer wieder auf.

Die Miezekotze verlockt zum gröhlen
Ein mittelalterlicher Lachsack zwei Reihen vor mir kringelte sich nach diesem Gedicht fast am Boden: „Die Katze erbricht die Reste der Maus, ich seh es und schimpfe und motze. Ich öffne die Fenster, denn im ganzen Haus, riecht es nach Miezekotze“. Der Kabarettist versucht sich nach dem Vortragen seiner Lyrik ins Publikum hineinzuversetzen: „Ihr fragt euch jetzt sicher, was hat der Mann genommen? Und woher kriegen wir das her?“ Die Antwort bleibt er uns schuldig. Allerdings bemerkt er danach, mehr zu sich selbst als zu uns: „Das findet ihr lustig? Ihr seid doch krank“.

Mit einer grünen Wiese gegen Vollassis

Nicht nur über seine Katze, sondern auch über die deutschen Kinder, regt sich der Komiker auf. Bei diesen beobachtete er zwei Probleme: Sie seien zu dick und zu blöd. „Dick und Doof“ – dafür habe es früher zwei gebraucht, heute vereine immer mehr Nachwuchs beides. Diese Nichtsnutze treffe er auf der Strasse und überlege sich, ob sie nicht in der Schule sein müssten, damit sie bei der nächsten PISA-Studie, laut Johann warscheinlich die Abkürzung für „Pummelige Idioten suchen Arbeit“, besser abschnitten.

Diese Kids seien die Nachwuchsgäste der nie sterbenden Talkssendungen mit Themen wie „Du hast mich schwul gemacht, mach das wieder weg“. Dort redeten sich die Vollassis, wie er sie liebevoll nennt, um den Verstand, den sie sich vor der Sendung geliehen hätten. Leider werde man aber auch von Sozialsendungen aller Art nicht verschont. Der Fernsehprofi schilderte dem Publikum folgendes Szenario: „Die Kamera schweift durch eine Privatwohnung und du denkst – Oh Gott, hoffentlich ist das ne Renovationssendung. Dann fokussiert das Bild das Kinderzimmer sammt Inhalt und du folgerst – Ne, wohl doch ne Erziehungsshow. Schon stürmen die Eltern in die Wohnung und ich denk nur noch… Ach du Scheisse! Da tun einem die Kinder fast schon wieder leid. Und plötzlich wollen alle Abnehmen. Ausser dem Hund. Und der hat sicherlich einen Knopf im Ohr, der ständig flüstert „beiss, beiss, beiss!“ Wenn es nach mir ginge, hätte man das Fernsehen schon lange in die Luft gesprengt. Und danach würde über jeden Sender das Standbild einer Wiese flimmern, damit sich die Leute mal so richtig erholen können.“

Guter Gesang
Das Klavierspielen beherrscht Johann nicht, trotzdem machte er nicht davor Halt, sich musikalisch zu begleiten. Auch Singen ist nicht seine Stärke – , allerdings musste er die Zeile „Guter Gesang“ auf seinem Plakat ja irgendwie rechtfertigen. Also röchelte er mit dünner Stimme folgende Liedzeilen ins Mikrophon:“Ich möchte Mike Tyson ein Ohr abbeissen und dann sagen „Och, jetzt sehen se fast so aus wie Van Gogh“.“ Die Leute krümmten sich auf ihren Stühlen vor lachen. Johann selbst stellt fest: „Wenn man auf sowas kommt, dann muss man ganz schön einen an der Murmel haben“.

Ausharren und den Höhepunkt geniessen
Ein Fan habe einmal beim Ticketcorner angerufen und gesagt: „Das wollte ich immer schon mal sehen: Johann König explodiert!“ Johann fragte sich „Ist das nun wirklich ein Fan?“ Explodieren tut niemand, aber Johann eskaliert und zwar mit Leib und Seele. Und wer das verpasst, weil es ihm nach der ersten Halbzeit zu blöd ist, der ist selber schuld!

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