Gesellschaft | 27.05.2007

Gegen das Unrecht

Text von Stephan Weber | Bilder von Deborrah Schär
Neben der Waffen- und Drogenindustrie ist der Menschenhandel der grösste Markt der Welt. Stimmen der Expertinnen und Experten am IHRF (International Human Rights Forum) zeigen aber, dass der Sextourismus nicht nur im Ausland ein grosses Thema ist. Auch die Schweiz sollte langsam aber sicher anfangen, vor der eigenen Türe zu wischen.
Das Bild auf dem Plakat des IHRF stammt vom Luzerner Künstler Hans Erni.
Bild: Deborrah Schär

35 Milliarden Dollar. Das ist der Umsatz, der pro Jahr mit Menschenhandel erzielt wird. Die Dunkelziffer, welche hinter dieser statistischen Zahl liegt, ist vielleicht noch viel höher. Was kann gegen soviel Unrecht getan werden? Mit dieser Frage beschäftigten sich am internationalen Menschenrechtsforum in Luzern drei Personen: Erstens Fausta Borsani, welche beim Reiseunternehmen Kuoni die Abteilung Corporate Responsibility leitet. Zweitens der Direktor von Caritas Schweiz, Jürg Krummenacher. Und drittens Amihan Abueva, Vorsitzende von ECPAT, einer Organisation, welche sich gegen Kinderprostitution einsetzt.

Kuoni kämpft
Borsani gab in der Expertenrunde die von aussen knallharte Geschäftsfrau. Sie setzte sich stark für Kuoni ein und beteuerte dessen Absichten im Kampf gegen den Menschenhandel. Dennoch schien ihr meist unzufriedenes Gesicht Jürg Krummenacher etwas zu stören. Ansonsten hätte er kaum öffentlich bekannt, dass er Kuoni schlicht und einfach zu teuer fände und er deshalb sowieso nie dort buche. Die dritte Expertin, Amihan Abueva, blieb sachlich: sie gab zu jedem Diskussionspunkt eine passende Erklärung und hörte den Publikumsfragen interessiert und gespannt zu.

Nicht ins Gesicht geschrieben

In einem Punkt waren sich alle drei Personen einig: Noch geschieht es viel zu oft, dass kleine Mädchen und Frauen einfach mitten auf der Strasse „abtransportiert“ werden und in die Fänge gut organisierter Menschenhändlerringe geraten. Die Wunden, welche die Frauen und Mädchen davontragen, sitzen tiefer als ihre Haut. Die Verbrecher frühzeitig zu identifizieren, um sie schneller zu überführen, ist kaum möglich. Ihnen ist nicht anzusehen, dass sie Menschenhändler sind. Fausta Borsani Dazu: „Wir können nicht sagen, ob solche Leute bei uns im Flugzeug sitzen. Die meisten Täter wissen beim Abflug noch nicht einmal, dass sie eine solche Tat begehen werden.“

Der Grund ist Armut

Doch auch andere Gedanken wurden in die Diskussion eingebracht, wie zum Beispiel jener von Amhian Abueva: „Wir können doch nicht den Frauen auf den Philippinen ihre freizügige Kultur verbieten, nur weil Männer deswegen an Sextourismus und Zwangsprostitution denken.“ Jürg Krummenacher wirft ein, dass der Sextourismus ja wohl deswegen so stark wachse, weil auch die Armut in den betroffenen Ländern zugenommen habe. Doch Eines ist klar und das hat Krummenacher auch mehrmals bestätigt: Wir müssen aufhören mit den Fingern ins Ausland zu zeigen und endlich aufwachen. Die Schweiz sei nicht heilig. Laut Statistik wird in unserem Land jede vierte weibliche Person missbraucht.

IHRF


Das Internationale Menschenrechtsforum in Luzern, welches am 24. und 25. im KKL in Luzern stattfand, ist mittlerweile zu einer der wichtigsten Veranstaltungen geworden, wenn es um Menschenrechte geht. Dieses Jahr widmete sich das Forum dem Thema "Menschenrechte und Kinder". Deborrah Schär und Stephan Weber besuchten für Tink.ch das IHRF.

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