Politik | 14.05.2007

Für Jugendliche eine Chance

Dass ausgerechnet ein Kanton, der noch an der Landsgemeinde über kantonale Vorlagen abstimmt, als erster das Stimmrechtsalter 16 einführt, überrascht einerseits, ist andererseits aber auch verständlich.
Der Landsgemeindeplatz in Glarus.
Bild: Roland Zumbühl, Picswiss

Die Glarner, die seit langem gegen das Image als Hinterwäldler zu kämpfen haben, konnten sich für einmal in den gesamten Schweizer Medien als fortschrittlicher Kanton, der sich für die Anliegen der Jugend einsetzt, präsentieren.

Doch gibt es nebst der medialen Präsenz noch andere Gründe, die die Glarner dazu bewogen haben, dem Antrag der Juso zuzustimmen und den Jugendlichen zu erlauben, bereits mit 16 an die Urne – oder in diesem Fall eben an die Landsgemeinde – zu gehen?

Ich bin überzeugt, die gibt es. Schliesslich wird zurzeit bei jeder Gelegenheit über das politische Desinteresse der Bevölkerung und insbesondere der Jugend gesprochen und niemand weiss so genau, was man dagegen tun kann. Die Herabsetzung des aktiven Stimmrechtsalters auf 16 Jahre wird hierbei nicht als Lösung aller Probleme angesehen, sondern als eine Chance, diesen Jugendlichen, die sich beteiligen wollen, die Möglichkeit dafür zu geben. Denn bei all den Entscheidungen, die man heute mit 16 Jahren bereits treffen muss, sei es bezüglich der Ausbildung oder in der Konsumwelt, kann man davon ausgehen, dass jemand, der sich interessiert, auch reif genug ist, die politischen Zusammenhänge gut genug zu verstehen und sich eine Meinung zu bilden.

Als flankierende Massnahme wird dabei immer noch die Verbesserung des Staatskundeunterrichts an der Schule gefordert. Denn das politische Interesse muss schliesslich irgendwo geweckt und das Bewusstsein für unsere Demokratie gestärkt werden.

Stimmrechtsalter 16 ist keine weltbewegende Forderung, da ist das von der Kinderlobby geforderte Stimmrechtsalter 0 einiges revolutionärer, doch überzeugende Argumente dagegen gibt es kaum. Geben wir den Jugendlichen also diese Chance.

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