Sport | 21.05.2007

„Eine grosse Lebensschule“

Mit neun Jahren begann er hinter dem kleinen Hockeybällchen hinterher zu rennen. Heute, elf Jahre später, steht Remo Leisi im Tor der Unihockey Tigers aus Langnau.
Remo Leisi vor Aare und der Sankt Ursen Kathedrale in Solothurn. Fotos: Julian Perrenoud Der Goalie erreichte mit seinen Unihockey Tigers den Playoff-Final gegen den SV Wiler Ersigen.

Flink bewegt er sich kniend auf der weichen Unterlage hin und her. Jede Bewegung geschieht im Rhythmus. Ohne Pause knallen die Bälle Richtung Tor von Remo Leisi. Der kleinste Reflex entscheidet darüber, ob er das Plastikbällchen seiner Teamkollegen parieren kann, oder ob es im Netz zappeln wird. Das Abschlusstraining in der Sporthalle Brünneli in Hasle-Rüegsau ist intensiv und gönnt dem bald 21-jährigen Goalie fast keine Verschnaufpause. Angefangen hat alles vor elf Jahren. Jetzt steht er als Nummer zwei bei den Langnauer Unihockey Tigers zwischen den Pfosten. «Früher haben wir mit anderen Schulkollegen nach der Schule eine Halle gemietet, um ein bisschen chnebele zu gehen«, erklärt Leisi. Auch mit seinem Bruder übte er fleissig. Dieser war jedoch schneller und grösser als er. Deshalb sei er immer ins Tor gestanden, um nicht «übersecklet« zu werden. Nach einem Schnuppertraining war ihm klar, dass er Unihockey spielen wollte.

Training und Talentförderungsklasse

Während fünf Jahren spielte Leisi beim Unihockey-Team TV Wohlen, danach gar bei den Elite Junioren von Wiler Ersigen, wo er auch bereits Nationalliga A-Luft schnuppern durfte. «Ich habe da eine sehr gute Ausbildung geniessen dürfen«, blickt er auf die erfolgreiche Zeit zurück. Mittlerweile hat ihn sein Weg zu den Tigers geführt, da er bei Wiler selten zum Zuge kam. In der ersten Saison klappte alles hervorragend. Der Berner, der in Lommiswil wohnt, kam praktisch immer zum Einsatz. In dieser Saison waren es bisher nur sechs Einsätze. «Der Trainer setzt jetzt halt auf unseren Stammgoalie Philipp Gerber, das muss ich akzeptieren.« Nebst drei Hallentrainings, einem Krafttraining und einem koordinativen Block, sowie Polysport, besucht Leisi jede Woche das Sportgymnasium in Münchenbuchsee. «Ich bin in einer Talentförderungsklasse mit sieben Musikern, sieben Gestalter und sechs anderen Sportlern.« Dank dieser Ausbildungsmöglichkeit kann er alles unter einen Hut bringen.

„Erfolge sind umso schöner“

Die Fahrten von Lommiswil täglich nach Münchenbuchsee und zur Trainingshalle in Biglen oder Hasle-Rüegsau sind keine Katzensprünge. Doch für Remo Leisi lohnt sich der Aufwand allemal, obwohl er bei den Tigers nicht reich wird. «Man legt eher noch Geld drauf, als dass man was verdient«, sagt er schmunzelnd. Es sei der Wettkampfgedanke und das Teamleben, die für ihn diesen Sport unverzichtbar machen. Doch das Unihockey hat auch seine Schattenseiten. «Es gab auch schon Zeiten, als ich mich hinterfragt habe, wofür ich das alles eigentlich mache, beispielsweise wenn einem der Trainer kurz vor dem Spiel den Einsatz wegnimmt«, erklärt Leisi. Doch schon kurz darauf komme sein Kämpferherz wieder zum Vorschein, das ihn vom Aufgeben abhält. «Wenn man ein Tief erlebt hat, sind die Erfolge dafür umso schöner.« Sport und Beruf in Zukunft zu verbinden, komme für ihn aber nicht in Frage. «Ich will einmal Richtung Biochemie gehen. Sport möchte ich nur als Nebentätigkeit und als Ausgleich zum Berufsalltag ausüben.«

Mit der Schweiz an der Weltmeisterschaft

Der Berner durfte sich auch schon das Trikot der Schweizer Nationalmannschaft überstreifen. An der U19-Weltmeisterschaft 2003 im tschechischen Prag reichte es jedoch nur für einen 30-minütigen Einsatz. «Ich hätte mir wesentlich mehr erhofft und öfter spielen wollen«, erzählt Leisi. Da auch das Klima innerhalb der Mannschaft nicht stimmte und sie nur den vierten Platz erreichten, kam er mit eher gemischten Gefühlen in die Schweiz zurück. «Die gesamte Reise war aber eine enorm wichtige Erfahrung für mich.«

Jetzt, über einen Monat nach dem verlorenen Finale gegen seinen früheren Verein Wiler Ersigen, geniesst er noch wenige Tage total ohne Unihockey und ist froh über die Pause. «Die Saison war sehr lange. Nach dem letzten Spiel fiel die ganze Last und Anspannung von den Schultern«. Doch die Ferien sind nur von kurzer Dauer. Bald geht es wieder mit den ersten Kraft- und Teamtrainings los. Im September starten die Tigers in die Qualifikation für den Europacup und danach beginnt die Meisterschaft. Der Teamsport, davon ist Remo Leisi überzeugt, kann jeden weiterbringen, auch im beruflichen und privaten Bereich. «Er ist eine grosse Lebensschule.«


Name: Remo Leisi

Geburtsdatum: 13. Mai 1986

Wohnort: Lommiswil (demnächst Bern)

Verein: Unihockey Tigers

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