Kultur | 21.05.2007

Ein Künstler in Bagdad

Steve Mumfords Bilder zeugen sowohl vom schwierigen Schicksal von Bagdads Bevölkerung als auch vom Leben der amerikanischen Soldaten. Ein Künstler zwischen zwei Welten.
Ein Hauseingang wird von einem Soldaten bewacht.
Bild: Bagdad-Journal Die Allgegenwärtigkeit des Militärs ist auch auf dem Buchcover zu sehen. Carlsen Verlag Kinder spielen neben Soldaten. Bagdad-Journal

Wer meint, schon genug Bilder aus Bagdad gesehen zu haben, hat vermutlich noch nichts von Steve Mumford gehört. Der amerikanische Maler zeigt in seinem Bildband „Bagdad-Journal“, welcher letztes Jahr nun auch auf Deutsch erschienen ist, die ganze Ambivalenz, die der Irakkrieg mit sich brachte. Mumfords Bilder tun dies jedoch auf eine langsamere und genauere Art und Weise als es die Medien mit ihrer Berichterstattung tagein tagaus machen. Dies hängt wohl mit der künstlerischen Gestaltung und Wahrnehmung zusammen: Als „embedded artist“ (eingebetteter Künstler, Anm. d. Red.), die Parallele zum „embedded journalist“, zeigt Mumford das Kriegsgeschehen einerseits aus der Sicht von amerikanischen Soldaten. Als Künstler betrachtet und zeigt er anderseits die belebte irakische Kunstszene. Laut Mumford ist das irakische Kunstschaffen seit Beginn des Krieges viel aktiver als vorher, da die diktatorische Zensur aufgehoben wurde.

Bomben, jederzeit
Es sind gespaltene Gefühle, welche Mumford in Bagdad seit 2003 umtreiben. Wenn er sich die Nachrichten auf BBC ansah, bekam er immer den Eindruck, der Krieg habe das ganze Land in ein immer schlimmer werdendes Chaos gestürzt. Ging er aber kurz darauf durch die Strassen der Stadt, fühlte er das Gegenteil und wartete angespannt darauf, dass jene Tragödien eintreffen, die im Fernsehen andauernd gezeigt werden. Die Wahrnehmung, die durch das Tagesgeschäft der Medien suggeriert wird, ist für den Maler in Bagdad eine ganz andere, vielleicht sogar friedlichere. Dennoch leben die Menschen immer zwischen zwei Bombeneinschlägen, Kinder spielen zwischen Patrouillen der Navy und scheinen diese sichtlich zu bewundern, weil sie für „americanness“  stehen.

Bewunderung für Amerikaner
Aber es sind nicht nur die Kinder, die den Amerikanern Bewunderung schenken. Auch die Erwachsenen scheinen beeindruckt von der Macht der Amerikaner und deren Lebensphilosophie. Für die Menschen in Bagdad scheint das Bedürfnis nach Demokratie gross gewesen zu sein; nicht zuletzt deshalb sind sie froh darüber, dass Saddam Husseins Regime der Vergangenheit angehört.

Wahrhaftige Gastfreundschaft

Die Leute seien, so Mumford in seinem Bildband, zuerst überrascht gewesen von der Anwesenheit eines westlichen Künstlers in ihren Gefilden, zeigten dann aber schnell ihre Gastfreundlichkeit. Das Misstrauen werde nämlich dadurch abgebaut, dass ihm die Menschen während des Malens zuschauen können und dabei beobachten können, was an der Staffelei entsteht.

Die Bewunderung und die Gastfreundschaft, schlussendlich aber auch die Angst vor Bombeneinschlägen prägen das tägliche Leben der Iraker und Irakerinnen bis heute. Mumford schildert in seinen Bildern und den Worten, die er dafür findet, aus einer Position zwischen Amerikanern und Irakern. Gerade wohl auch deswegen, weil er gegen den Krieg war, bevor er angefangen hat. Das „Bagdad-Journal“ beleuchtet abwechslungsreich Situationen, die im Irak des Jahres 2003 an der Tagesordnung standen und wohl auch heute immer noch alltäglich sind.

Infos zum Buch:


Der Bildband "Bagdad-Journal" ist auf deutsch beim Carlsen Verlag in Hamburg erschienen, zählt 240 Seiten und 191 Bilder. Es kostet rund 65.30 Franken.