Kultur | 24.05.2007

„Aus dem Alltag ausbrechen“

Text von Fabian Mani | Bilder von Felix Wey, Circus Monti
Manuela Gautschi ist diese Saison Kassiererin beim Circus Monti. Tink.ch sprach mit der 23-Jährigen über ihren Job, Flexibilität und das Reisen.
Wenn die Saison vorbei ist, macht Manuela Gautisch erstmal Ferien.
Bild: Felix Wey, Circus Monti

Wie sind Sie zum Circus Monti gekommen?

Es war ein Zufall. Ich ging mit meiner Kollegin an eine Vorstellung und war begeistert. Als ich später auf der Homepage des Circus Monti die freie Stelle sah, wusste ich: Da will ich hin.

Wie gefällt Ihnen die Aufgabe an der Kasse?

Gut. Jeder Besucher hat andere Wünsche und Fragen, dadurch ist meine Aufgabeabwechslungsreich und interessant. Manchmal geht es etwas hektisch zu und her, aber damit habe ich kein Problem.

Sind Sie fix für die Kasse angestellt oder arbeiten Sie auch noch in anderen Bereichen mit?

Beim Circus Monti ist niemand nur für eine Aufgabe eingeteilt. Jeder muss überall mit anpacken, mithelfen und eine grosse Flexibilität mitbringen. Ich habe die Zusatzaufgabe, beim Auf- und Abbau der technisch-elektronischen Infrastruktur mitzuhelfen. An einem neuen Ort sind wir mit dem Aufbau der Elektronik schon mal bis zwei Uhr nachts dran.

Ist Ihre Arbeit ein Fulltimejob?

Ja, sicherlich. Ich habe lediglich zwei Halbtage in der Woche frei. Diese Freizeit lernte ich richtig zu schätzen und einzuteilen. Ansonsten ist meine Präsenzzeit von morgens um acht Uhr bis abends nach der Vorstellung. Diese Arbeit macht man nur, wenn man mächtig Spass daran hat.

Wie erleben Sie das Leben im Zirkus?

Ich habe ein Zimmer in einem Wohnwagen, wo ich aber so gut wie nie bin, ganz einfach weil ich von früh morgens bis spät abends engagiert bin. Der ganze Zirkus ist wie eine grosse Familie, alle kennen sich und helfen einander. Am Mittag und am Abend essen wir zusammen in der Wohnwagenkantine.


Welche Erfahrungen haben Sie sonst noch gemacht?

Ich habe gelernt die kleinen „Luxussachen“ des normalen Alltags zu schätzen, zum Beispiel das Duschen. Ich kann hier beim Zirkus nicht im Bademantel ins Badezimmer gehen, sondern muss, wenn es kalt ist, in eine Jacke eingemummelt über das schneebedeckte Fussballfeld gehen, um zur Dusche zu gelangen.

Wie ist Ihr persönliches Verhältnis zum Circus Monti?

Der Circus stellt für mich eine Herausforderung dar. Ich wollte einfach mal aus dem Alltag ausbrechen und etwas Neues machen.

Bereitet Ihnen das viele Reisen Schwierigkeiten?
Das Umfeld muss schon Verständnis für meine momentane Arbeit aufbringen. Während der Saison ist es für mich zeitlich schwierig, die Familie und Kollegen zu besuchen. Meist müssen sie zu mir kommen.

Sehen Sie im Beruf der Kassiererin Ihre Lebensaufgabe?

Nein. Ich könnte diesen Job nicht ein Leben lang machen, denn ich habe hier keine Aufstiegschancen, zumal, bedingt durch die Grösse des Betriebes, die oberen Posten langfristig besetzt sind. Ich bin hier auch nur eine Saison, um das Leben im Zirkus zu erfahren. Im Oktober läuft der Vertrag aus und danach mache ich richtig Ferien.

Was wollen Sie denn in Zukunft machen?

Das weiss ich noch nicht. Ich schaue, was auf mich zukommt.