Kultur | 23.04.2007

Tanzen, wo früher gebaggert wurde

Text von Martin Sigrist
Das deutsche Melt-Festival feiert sein zehnjähriges Jubiläum. Auch dieses Jahr werden angesagte Elektro- und Indiekünstler vor spektakulärer Kulisse den Sommer versüssen.

Zum zehnten Mal findet vom 13. bis zum 15. Juli in Gräfenhainichen bei Dessau das Melt-Festival statt. Wie schon die neun Jahre zuvor will das Festival auch dieses Jahr die Grenzen zwischen Indie und Elektro auflösen und nur das Beste aus beiden und mehr Genres bieten.

Organisiert wird das Festival vom deutschen Kostenlos-Musikmagazin Intro, welches nebenbei immer wieder die sehr zu empfehlenden Intro Intim Konzerte veranstaltet. Das Melt ist nicht minder interessant, insbesondere in Anbetracht des spektakulären Festivalgeländes welches nicht zuletzt bei den dort auftretenden Künstler selbst immer wieder für Begeisterung sorgt. Ferropolis, die Stadt aus Eisen, liegt nahe der Bauhausstadt Dessau im Deutschen Bundesland Sachsen-Anhalt. In einem stillgelegten Tagebauwerk, wo vor nicht allzu langer Zeit noch Kohle abgebaut wurde, tanzen und rocken sich nun zwischen den riesigen Maschinen bis zu 15’000 Menschen Tag und Nacht um die Ohren. Der geflutete „Baggersee“ lädt hoffentlich auch dieses Jahr wieder zum Bade.

Doch nun zum viel wichtigeren und interessanteren Teil eines jeden Festivals: Ein Blick auf das Programm verspricht auf jeden Fall spannende Konzerte: Unter dem Namen Frankie Says: Melt! werden drei Mitglieder der Band Frankie goes to Hollywood! einen exklusiven Auftritt absolvieren. Bei über 60 nationalen wie internationalen Acts auf vier verschiedenen Bühnen treten die Elektro Tüftler Duo Autechre, die Belgischen Indie-Überflieger Goose oder Lo-Fi-Funk als Vertreter der Schwedischen Musikfraktion auf. Weitere Bands wie Motorpsycho mit einem exklusiven Festivalauftritt oder die Elektrorocker The Faint lassen spannende Nächte erwarten.

Der Veranstalter rechnet damit, dass dieses Jahr die neu gesetzte Kapazitätsgrenze von 15’000 Besuchern erreicht werden wird. In der Schweiz ist der Kartenvorverkauf nur über das Internet möglich, da hierzulande auch heuer keine Vorverkaufsstelle Tickets fürs Melt! im Sortiment führt. Der Veranstalter empfiehlt im Internet der niedrigen Gebühren wegen mikromarken.de (alternativ eventim.de oder kartenhaus.de). Die Kartenpreise werden stufenweise erhöht, je näher das Festival rückt. Vor Ort wird es eine Abendkasse geben, sofern bis dahin noch nicht alle Karten verkauft sind. Dieses Jahr darf jedoch mit einem erstmals ausverkauften Melt gerechnet werden.

Dessau ist übrigens ab Basel in gut siebeneinhalb Stunden zu erreichen. Ab dort verkehrt ein Shuttlebus bis zum Festivalgelände. Ausserdem sind vor Ort, für Deutschland selbstverständlich, ausreichend kostenlose Parkplätze vorhanden. Berlin und Leipzig sind ca. 80 bzw. 30 Minuten entfernt.

Wir sind gespannt ob das Melt! einen weiteren, wohl letzten Wachstumsschub verkraften kann und die Besucherströme besser bändigen kann als letztes Jahr. Auf jeden Fall ist die Vorfreude gross, denn Tink.ch wird auch dieses Jahr wieder ausführlich vom Melt berichten.

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