Gesellschaft | 16.04.2007

Kicken auf afrikanisch

Text von Bernhard Braun
Zu einer kompletten Reise gehören heimisches Essen und ein Fussballspiel. Frei nach diesem Motto sah sich die Gruppe der Europäischen Jugendpresse während ihres Aufenthaltes in Senegal mit 59'998 anderen Begeisterten ein packendes Ländermatch gegen Tansania an.
Geduld ist bei diesem Fussballspiel alles. (Fotos: Bernhard Braun) Echte Fans müssen warten, warten... Zwischendurch etwas Gutes Essen... Und dann wieder warten. Bis es endlich soweit ist: Das Stadium feiert seine Fussballer.

Samstag ist Fussballtag. So auch im westafrikanischen Senegal. Uns wurde gesagt, dass das Spiel um 16 Uhr anfinge und an der Rezeption unseres Hotels riet man uns, baldmöglichst im Stadion zu sein, um noch Karten zu bekommen. Dieses Spektakel wollten wir auf keinen Fall verpassen und schnappten das erste Taxi zum Stade Léopold Sédar Senghor. Es ist kurz vor 13 Uhr als wir die Tickets in den Händen halten. Jedoch ist Spielbeginn erst um 19 Uhr. Was tun? Zurück in die Stadt fahren und Geld für’s Taxi ausgeben oder hier bleiben und warten? Wir entschliessen uns für die günstigere Variante und begeben uns ins Stadion. Ausser dem grossen Sicherheitsapparat und einer Handvoll anderer Fans sind wir die ersten im Stadion – sechs Stunden vor Anpfiff.

Ausgleich mit dem Kopf
Wir nutzen die Zeit, um senegalesische «Hot-Dogs« und frisch geröstete Erdnüsse zu kosten. Je tiefer die Sonne steht, desto mehr Menschen drängen im grossen Stehplatzsektor auf die Tribünen. Endlich kommen die Mannschaften zum Aufwärmen aus der Kabine. Nach über einem Jahr sind die Lions, wie sie von ihren Fans genannt werden, das erste Mal wieder im Land, um gegen eine andere Mannschaft anzutreten. Und es ist spürbar, dass sie sich gut und teuer verkaufen wollen. Senegal ist das ganze Spiel über drückend überlegen, nur die Tore wollen zunächst nicht fallen. Dann aber in der 38. Minute: Ein Eckball wird vom Kapitän El Hadj Diouf unter frenetischem Beifall in die Mitte getreten. Dort sorgt Mamadou Niang per Kopf für das verdiente 1:0 und die Fans jubelten.

Kein Alkohol
Neben mir sitzt ein Mann, der seinen Gebetsteppich auf seinem Schoss liegen hat. Als der Schiedsrichter zur Halbzeit pfeift, gibt er diesen an seinen nächsten Sitznachbarn ab, damit dieser sein Abendgebet verrichten kann. Interessant ist auch, dass niemand Alkohol trinkt. Wenn man bedenkt, dass dieser auch kaum erhältlich ist, weil in Senegal der Islam vorherrscht, ist es allerdings nicht weiter überraschend.
Die meisten Leute haben sich gesetzt, als die zweite Hälfte beginnt. Und wie sie beginnt: Anstoss für Senegal, eine Flanke nach links, eine Flanke zurück in den Strafraum und es steht 2:0. Was für ein Spiel! Keine drei Minuten später jubeln die begeisterten Zuschauer erneut: 3:0 und wieder war es Niang. Als der Stürmer, der in Marseille sein Geld verdient, nur kurze Zeit später das 4:0 erzielte war das Spiel entschieden. Die Heimfahrt ist geprägt vom Enthusiasmus des Fahrers. Die Hupe schweigt nur in menschenarmen Gegenden und untermalt wird der Autolärm durch seine Freudenschreie und sein euphorisches Lachen.

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