Sport | 03.04.2007

„In den Filmen ist alles übertrieben“

Text von Miriam Widmer | Bilder von Miriam Widmer
Obwohl Tink-Reporterin Miriam Widmer bereits seit eineinhalb Jahren begeisterte Kung-Fu-Anhängerin ist, wusste sie bisher nicht viel über die Hintergründe ihres Hobbys. Zu diesem Zweck hat sie jetzt ihre Kollegin Michelle Sulaiman befragt, welche diese Kampfsportart zu ihrem Lieblingshobby erklärt hat.
Der 18-jährigen Michelle Sulaiman (links) gefällt am Kung Fu, dass es "elegant und kraftvoll zugleich" ist.
Bild: Miriam Widmer

Hat Kung Fu eine Philosophie?
Ich nehme es an. Es beinhaltet fernöstliche Philosophien wie das Ying Yang, die Lehre, dass nichts ohne seinen Gegensatz existieren kann und sich alles harmonisch ergänzt, es geht darum, Körper und Geist in Einklang zu bringen. Beim Kung Fu dreht sich vieles um Körperkontrolle, Selbstbeherrschung und Disziplin aber nicht um rohe Gewalt.

Was unterscheidet Kung Fu von anderen Kampfsportarten?
Es gibt keine Gurte wie bei den meisten Kampfsportarten, man muss also keine Prüfungen ablegen. Ich bin froh darüber, sonst wäre es ja wie in der Schule!
Als Kung Fu in den Westen „importiert“ wurde, führte man mancherorts Gurte ein, aber traditionell gibt es keine Gradierungen.

Wie ist ein Training aufgebaut?

Das läuft nicht immer genau gleich. Zuerst wärmen wir uns auf, danach kommen meistens Übungen, zum Beispiel Kombinationen von Kicks und Schlägen oder Formen, und am Schluss machen wir häufig Kraftübungen oder Atemübungen.

Denkst du, Kungfu-Filme geben ein realistisches Bild der Kampfkunst wieder?
Nein, eher nicht. Kein normaler Mensch würde so viele Schläge aushalten, wie sie in den Filmen ausgeteilt werden. Ich weiss nicht, wie stabil die Profis wirklich sind, aber ich denke, in den Filmen ist alles übertrieben. In den meisten Filmen geht die Philosophie verloren und es wird nur noch blödsinnig geprügelt.

Welchen Stellenwert hat Kung Fu für dich persönlich? Dient es dir zur Erholung oder zur Fitness?
Es hat mich definitiv fitter gemacht, aber ich trainiere nicht, um Kalorien zu verbrennen oder Muskeln aufzubauen, sondern weil ich es gerne mache, alles daran gefällt mir. Kung Fu ist elegant und Kraftvoll zugleich, es sieht schön aus, und nach einem Training fühle ich mich einfach gut.

Was würdest du jemandem raten, der gerne mit einer Kampfsportart beginnen würde?
Ich würde empfehlen, bei verschiedenen Sportarten zu schnuppern, um herauszufinden, was einem gefällt. Am besten gleich mitmachen, das hilft mehr als bloss zuschauen! Ich kann nicht sagen, dieser oder jener Kampfsport würde zu einer Person passen; jeder muss für sich herausfinden, was ihm gefällt.