Kultur | 23.04.2007

„Ich singe auch über Tierchen“

Sie waren als Support für die Klaxons gedacht. Als sich die Londoner kurzfristig anders entschieden, vergass das Abart Must have been Tokyo trotzdem nicht und im Nu spielte die Berner Band im Vorprogramm von The Sunshine Underground. Tink.ch sprach mit Raphael, dem etwas scheuen Sänger von MhbT.
Raphael Elmiger, Sänger von Must have been Tokyo. Fotos: Tatjana Rüegsegger Luca Winiger am Bass.

Woher kommt eigentlich euer Name?
Raphael: Das war eigentlich ein Song. Wir wollten nicht eine „THE“ -Band sein. Das war damals so ein Hype. Dann dachten wir so an etwas… „Es muss Tokyo gewesen sein“. So ein bisschen die Antwort zu: Was war denn das jetzt? Obwohl ich zugeben muss, dass Tokyo in der Zwischenzeit überbenutzt ist. (lacht) Jetzt würde ich nicht unbedingt Tokyo nehmen sondern vielleicht „Must have been Beijing“. (lacht)

Falls es dich beruhigt: Mit Tokio Hotel habt ihr nichts gemeinsam.
Ja ich hoffe es. (lacht) Unser Name bleibt einem einfach nicht so im Gedächtnis haften.

Ja da wäre „The“ einfacher gewesen.

Das wollten wir eben nicht. Wir bereuen es manchmal.

Also ich finde man kann es sich gut merken. Es ist so etwas Anderes.

Ja ist so ein bisschen wie Urlaub in Polen, so Anders.
 
Euch gibt es seit vier Jahren. Habt ihr schon eine Scheibe veröffentlicht?
Ja, uns gibt es seit etwa vier Jahren. Nein, wir liessen uns sehr viel Zeit damit. Wir spielen lieber live. Aber im Moment haben wir gerade was bereit. Die Platte wird in ca. zwei Wochen veröffentlicht. Man kann sie dann vorläufig bei uns besorgen. Entweder auf www.musthavebeentokyo.com oder auf Myspace/musthavebeentokyo

Habt ihr irgendwelche Vorbilder? Vom Stil her könnte man euch mit einer britischen Band verwechseln.
Also von den Vorbildern her orientieren wir uns überhaupt nicht an England, sondern eher an New York. Zum Beispiel LCD Soundsystem und The Rapture. Aber wenn schon England dann ältere Sachen wie The Cure. Die sind übrigens unsere Lieblingsband.

Gibt es in der Schweiz denn eine Indieszene? Gibt es eine Plattform, oder ist es eher schwierig?
Wir machen schon seit vier Jahren Musik. Klar, am Anfang waren wir wirklich scheisse, aber bis jetzt hat sich nichts wirklich ergeben. Alle Leute waren immer so: Ach, ist doch gar nicht mal so schlecht. Auch klar ist natürlich, dass es hier in der Schweiz niemals so viele Indielabels hat wie in England zum Beispiel. Das macht das Ganze schwieriger.

Könnt ihr von der Musik leben?
Nein, wir machen alle noch was nebenher. Ich zum Beispiel habe Biologie studiert, was eigentlich nicht so Musikbezogen ist.

Wissen denn deine Kollegen, was du Freitagnachts so machst?

Ja die wissen es ein bisschen und kommen sogar manchmal an Konzerte. Ich singe ja auch über Tierchen. Ich brauche oft Tiere als Metapher. Ich singe zum Beispiel über Insekten. Na ja, ich will hier eigentlich nicht den Biologen heraushängen. (lacht) Aber ich finde es rein textlich noch lustig.

Würdet ihr denn gerne von der Musik leben?
Wer will das nicht? Aber wir sind realistisch. Unser Ziel ist es live zu spielen und dann die selbstproduzierte Platte herauszubringen.

Aber ihr singt doch auf Englisch. Ist es ein Versuch bekannter zu werden?

Ich finde es klingt einfach besser. Wir haben auch Französische Lieder. Unterdessen schon ein bisschen mehr, das heisst, zumindest in Zukunft mehr Französisch.

Schreibt ihr eure Texte selbst?
Ja, ich schreibe eigentlich alles.

Französisch, Englisch, alles?
Jaja, alles.

Bilingue?
Nein, aber im Studium habe ich halt Vieles gelernt. Ich meine, ich hab schon einen Akzent, das ist klar. Das gebe ich ja zu. Aber eigentlich ist es mir egal. CSS haben auch riesigen Akzent. (lacht)

Aber das gibt ihnen doch diesen Charme…
Ja! Ich meine, wenn wir englisch sprechen. haben wir das Gefühl wir hätten so einen schlimmen Akzent. Dabei finden es zum Beispiel die Engländer gar nicht so schlimm oder sogar süss.

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