Kultur | 30.04.2007

„Ich lasse mich von fast allem begeistern“

Text von Janosch Szabo
Als Kind hat sie sich beim Circolino Pipistrello mit dem Zirkusfieber angesteckt, jetzt gibt sie es weiter: Eva Stalder aus Berikon, das zweite Jahr mit dem Tross unterwegs. Im Interview erzählt die 25-Jährige vom Zirkusleben, vom Schönen und den Grenzen, von den Kindern und dem Staunen.
Wieder unterwegs: Die Pipistrelli vor ihrem Zirkuszelt. Fotos: Janosch Szabo Fröhlich am Bass: Eva Stalder aus Berikon. "Woche für Woche Kinder mit dem Zirkusfieber anstecken zu können, ist sehr erfüllend", sagt Eva. Verspielt und vielfältig: So wie jeder Buchstabe ist auch jedes Teammitglied anders wie die anderen. Der Wagenplatz: Das Dorf der Pipistrelli

Wie ist das Leben auf Rädern?

Der Wagen ist dein Zuhause, der Wagenplatz das Dorf. Es ist ein Abenteuer, eine Lebensart, die mich fasziniert. Ich fühle mich wohl hier in dieser kleinen Welt und finde es schön, immer wieder an einen neuen Ort zu kommen. Doch muss man auch viele Kompromisse eingehen, lässt Freundeskreise zurück und teilt mit der ganzen Truppe die Küche. Die Wochen sind lang – sechs Tage. Dem allem Stand zu halten, ist die Herausforderung.


Ihr seid immer dicht beisammen.

Ja, wir arbeiten und leben zusammen, sind eine Truppe und doch auch 16 Individuen. Jeder hat seinen Kopf, es ist nicht immer harmonisch. Wir müssen uns ja auch gegenseitig kritisieren, um Forschritte zu machen. Und dann wiederum gemeinsam Extremsituationen durchstehen, bei schlechtem Wetter, wenn alle müde sind, das Zelt aufbauen zum Beispiel. Da kommt man an Grenzen.

Hast du die Möglichkeiten dich auszuklinken?

Ja, einen Tag in der Woche habe ich frei. Dann gehe ich Freunde besuchen. Dieser Ausgleich ist wichtig und tut mir gut.

Welches sind für dich die schönsten Momente des Zirkuslebens?

Den Stolz der Kinder zu sehen, wenn sie in der Manege stehen, ihr Staunen, wenn wir mit unserem Tross auf einen neuen Platz kommen, ein gemütlicher Abend mit dem ganzen Team oder selber Zirkus machen zu können.

Was fasziniert dich daran?

Ich bewege mich sehr gerne und mache gerne Musik. Ich lasse mich von fast allem begeistern. Ich könnte mich nicht für nur eine Disziplin entscheiden, da würde mir was fehlen. Deshalb liebe ich an unserem Circolino besonders die Vielfalt der Möglichkeiten und den Ausgleich zwischen dem eigenen Programm und der Kinderanimation.

Was treibt dich an?

Woche für Woche Kinder mit dem Zirkusfieber anstecken zu können, ist sehr erfüllend. Man kann sie mit ganz wenig packen, besonders Kinder mit einer Behinderung, da sie oft nicht so reizüberflutet sind wie andere.

Wie soll guter Zirkus sein?

Zirkus soll unterhalten, originell sein und die Leute staunen und in eine Traumwelt eintauchen lassen. Es braucht keine Glanzleistungen im Mittelpunkt, sondern vielmehr neue überraschende Disziplinen und eine Geschichte, die einen Bogen spannt.

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