Kultur | 09.04.2007

Hiphop im Dreieck mit Zukunft

Text von Janosch Szabo
Fernab von grossem Gedisse und Wichtigtuerei überraschen Suoni Brillanti mit ihrem Debütalbum "Pane Quotidiano". Die junge Hiphop Combo erzählt Geschichten aus dem Alltag, setzt auf abwechslungsreichen Sound und das Zusammenspiel verschiedenster Elemente in der Hiphop-Kultur.
Die Chemie stimmt: Fabrizio, Mario und Stefan (von links nach rechts) Fotos: Suoni Brillanti Das Cover des Albums "Pane Quotidiano".

Mario, Stefan und Fabrizio sind Hiphoper, zweifellos, ihre Kleidung tut es kund. Doch sind sie es nicht des Trends sondern der Kultur wegen. Im Gespräch mit den drei jungen Männern wird klar: Hiphop ist ihr Leben, Musik ihr tägliches Brot. Seit rund einem Jahr gehen sie, nebst ihrem eigenen, einen gemeinsamen Weg.

Viel Spass miteinander

Die Hiphop Combo Suoni Brillanti gibt es zwar schon etwas länger, seit Oktober 2004 genau, und Stefan alias DJ Repose und Fabrizio alias MC Quadrifoglio haben unter diesem Namen auch schon die EP „La mia vita“ produziert. Aber so richtig los ging es erst als Mario alias Naturtalent an Bord geholt wurde. Ein Anruf und ein erstes Treffen genügten, die Chemie stimmte auf Anhieb. Dem Soundproducer aus Süddeutschland waren die beiden Jungs aus dem St. Galler Rheintal sofort sympathisch. „Wir verstehen uns super und haben viel Spass miteinander“, sagt er heute über die entstandene Freundschaft. Die beiden anderen nicken zustimmend.   

Das tägliche Brot

Das Resultat der gemeinsamen Arbeit ist das vor kurzem erschienene Debütalbum „Pane Quotidiano“, eine Scheibe mit 21 Tracks, abwechslungsreich, stimmungsvoll, musikalisch, mit starken Beats und italienischen Lyrics. Denn Fabrizio hat Wurzeln in Italien. Er, mit 18 Jahren der Jüngste des Trios, schreibt die Texte. Und verarbeitet darin „tägliche Emotionen, aufkommende Fragen, was ich fühle und was ich denke“, wie er sagt. Die 21 Lieder auf der aktuellen Scheibe – der Titel „Pane Quotidiano“ stand von Anfang an fest – handeln von aktuellen Themen, globalen Problemen oder einem „normalen“ Tagesablauf. Und weil Fabrizio sie wie ein Tagebuch über eine ganzes Jahr verteilt geschrieben hat, widerspiegeln sie in Inhalt und Tonfall verschiedenste Stimmungen, Emotionen, die das Auf und Ab im Leben mit sich bringt.  


„Musik muss immer sein“

Die Beats, auf die Fabrizio seine Geschichten schrieb, stammen von Mario. Der 24-Jährige ist ein Tüftler, seine Wohnung hat er zu einem Studio umgebaut. „Musik muss immer sein, ist immer dabei, seit ich denken kann“, sagt er. Über Chartmusik und Techno kam er zum Hiphop, begann schon als kleiner Junge Skateboard zu fahren, sprayte Graffitis und probierte sich auch als Breakedancer. „Die Hiphop-Kultur hat mich geprägt“, sagt er heute: „Hiphop verbindet.“ Fabrizio pflichtet ihm bei: „Das Zusammenarbeiten ist das Schöne an dieser Kultur. Ich finde es faszinierend, wie sie die verschiedenen Elemente verbindet.“  

„Das ist Schwachsinn“

Doch dann kommen die beiden auf den aktuellen Boom des Hiphop zu sprechen und werden ernster. „Ich finde es cool, dass etwas läuft, aber der Boom wird zum Teil missbraucht“, sagt Fabrizio und fährt diplomatisch fort: „Als Rapper sollte man mit den Wörtern spielen und umgehen können.“ Mario setzt noch einen drauf: „Viele Leute reden viel, aber sagen nichts.“ Die Gangsterrapper bereiten im ernsthafte Sorgen: „Die Brutalitäten in der Hiphop-Szene haben mit ihren Texten zu tun, da bin ich mir sicher. Alle wollen die Besten sein. Das ist einfach Schwachsinn, das hat nichts mehr mit Musik zu tun.“ Nun mischt sich auch noch Stefan ein: „Irgendwann sollte mal wieder die Musik eine Rolle spielen und nicht wer der Härteste ist.“ Schliesslich habe man hier ja auch nicht jene Probleme wie in Amerika und eine gute Sozialschicht. 

Hiphop für die Zukunft

Deshalb haben sich die Drei gesagt: „Wir wollen den Leuten mit unserem Hiphop Mut machen, sie nicht mit Frust überschütten.“ So liess MC Quadrifoglio beim Texten seine Kreativität walten, Naturtalent pickte aus seiner Beatsammlung die Perlen raus und DJ Repose sorgte mit seinen Cuts und Scratches für die passende Atmosphäre. Entstanden ist ein Album, das dem Hiphop alle Ehre macht, das die Leidenschaft seiner Macher für diese Musik und Kultur widerspiegelt und doch auch Potenzial hat, Leute ausserhalb der Hiphop-Szene zu begeistern. Denn es ist abwechslungsreich, zeitlos und musikalisch, mit überraschenden Intros und Backgrounds, zusammengebastelt aus alter Musik.

Und den Gangsterrappern mag es ein Lehre sein: Hiphop funktioniert auch ohne Motherfucker und ohne harte Disses!

Pane Quotidiano


Das Album wurde am 1. April 2007 veröffentlicht. Produziert wurde es von Naturtalent & Laines, nebst Suoni Brillanti rappen darauf auch Pitvalid, Steven Egal, Schlende und Cigi. Zu haben ist die CD für 20 Franken, via Bestellung auf der Website von Suoni Brillanti. Und für Neugierige hat Tink.ch hier nun noch zwei Hörproben parat (siehe unten).

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