Kultur | 30.04.2007

„Für die Show kriegst du es immer hin“

Tink.ch traf Juliette and The Licks vor und nach ihrem Auftritt im Zürcher Rohstofflager und sprach mit den beiden männlichen Bandmitgliedern über Lautstärke, Identifikation und das Album des Lebens.
Martin Sigrist, Jason Womack und Kemble Walters (v.l.n.r.) Die körperliche Schwäche sieht man ihr nicht an: Julitte Lewis bei ihrem Auftritt.
Bild: Abart Juliette Lewis in inniger Umarmung mit Tink.ch-Reporter Martin Sigrist. Jason Womack

Trotz nachmittäglichem Unwohlsein der amerikanischen Frontfrau und Schauspielerin Juliette Lewis  startete das Konzert vom 20. April pünktlich im ausverkauften Rohstofflager. Bereits drei Alben hat die Band rund um die Schauspielerin Juliette im Gepäck. Die 34-jährige Lewis ist dem gemeinen Publikum eher bekannt aus Filmen wie „Natural Born Killers“ oder „From Dusk Till Dawn“. Dass sie auch rocken kann, scheint sich aber mittlerweile gut herumgesprochen zu haben. Sie bestätigte zwar, dass ihr Auftritt tatsächlich nicht ganz den gewohnten Standard erreicht habe. Danach sprach sie noch kurz über das Schweizer Publikum, welches sie zu Vergleichen mit Deutschland oder Italien verleitete. Was von ihr aus gesehen selbstverständlich ein Kompliment sei.

Leider musste das geplante Interview mit Juliette Lewis ausfallen, da sie sich wegen Krankheit vor dem Konzert schonen wollte. Zum Gespräch erschienen stattdessen ihre Bandmitglieder Kemble Walters (Gitarre) und Jason Womack (Bass)

Ihr werdet heute Abend spielen?
Jason: Klar werden wir spielen, ich weiss nur nicht wie der Ort hier heisst.
Kemble: Rolfs Lager? Ro sto flag….er?

Genau. Wird das Konzert heute Abend anders sein, da sich Juliette nicht so gut fühlt?

Kemble: Wenn sie sich nicht gut fühlt, geht sie schlafen oder so was. Wenn sie dann aber auf der Bühne steht ist aber alles wieder gut.
Jason: Ja, für die Show kriegst du es als Künstler immer hin.
Kemble: Die Energie ist auf jeden Fall da. Was wir aber gerade über die Schweiz entdeckt haben, ist eure Regelung betreffend der Lautstärke. Wenn du hier über einem gewissen Pegel bist, wird gleich die Musik ausgeschaltet. Das kennen wir überhaupt nicht. Wir sind es uns eigentlich gewohnt, mit der Lautstärke da oben zu sein (hält die Hand weit über seinen Kopf) und nun müssen wir hier unten sein (die Hand verschwindet fast unter der Tischplatte). Das wird sehr interessant.

Werden wir also etwas verpassen, wenn ihr nicht voll aufdrehen dürft?

Jason: Wohl kaum, wenn ihr es euch so gewohnt seid. Aber ich mag es, wenn ich das Schlagzeug und den Bass bis ganz tief in mir drin spüre.
 
Fühlt ihr euch nicht in den Hintergrund gedrängt, weil die Leute bei euch vielleicht nur hier sind um Juliette Lewis einmal live zu sehen?

Jason: Ja, das passiert oft, aber das passiert wohl vielen Bands und ihren Leadsängern. Die Leute identifizieren sich nun mal mit den Sängern.

Ist das nicht ermüdend, möchtet ihr nicht alle im Zentrum stehen?
Kemble: Wir machen alle eine gute Show, einzeln und zusammen. Wenn die Zuschauer am Schluss der Show nicht begreifen, dass eine Band vor ihnen steht, haben wir etwas falsch gemacht.
Jason: Ja, es geht um die Songs und die Band, nicht um jemand einzelnen. Klar bekommt sie die meiste Aufmerksamkeit, einfach aufgrund dessen, wer sie ist.

Eure neuste Platte, „Four on the Floor“, ist viel mehr Rock and Roll.
Kemble: Ja, bei den ersten Platten hat Juliette über die Demos entschieden und welche Songs sie wollte. Dann haben wir auch angefangen, Songs zu schreiben.  Wir haben alle unsere Stücke, sei es Tanz- oder Rockmusik, einfach irgendwie zusammen gestellt. Beim nächsten Album war der Fokus schon viel mehr auf dem, was wir eigentlich wollen und wie es klingen sollte. Unsere ganze Energie sollte in jedes einzelne Stück fliessen. Die erste Platte war einfach eine Amateurplatte.

Ward ihr damit nicht zufrieden?
Kemble: Doch, natürlich, aber verglichen mit dem neusten Album haben wir beim ersten gerade mal unsere Füsse etwas benetzt. Jetzt hören wir genauer hin und wissen was wir wirklich wollen und wie es sich anhören soll. Dieses letzte Album war das Beste bis jetzt und ich hoffe, es wird noch besser.

Textlich scheint es so zu sein, als ob Juliette mehr in die einzelnen Songs reinpacken wollte als eigentlich möglich ist.
Kemble: Sänger wollen sich immer ausdrücken. Sie wusste immer wie die Songs klingen sollen, welches Gefühl raus sollte. Aber es ist ihre eigene Art des Songschreibens, dass sie eher eine Geschichte erzählen will, anstatt einzelne Gedichte zu schreiben. Da ist dann etwas, was dich packt, dass sie dir einfach etwas erzählen will.

Ich seid mit einer britischen Band unterwegs. Wie sehr bekommt ihr diesen Hype um britische, und eben gerade nicht amerikanische Bands mit?
Jason: Meist nur in persönlichen Gesprächen. Klar hat Bush viele negative Gefühle verursacht unter Europäern, aber auch unter Amerikanern. Musikalisch habe ich noch nie darüber nachgedacht. Ich mag britische Bands.

Seid ihr denn eine amerikanische Band?
Jason: Rock and Roll ist doch sehr universal. Als wir in Südkorea spielten, hatten wir eine lokale Vorgruppe, die sich anhörten wie die Ramones. Es scheint also, dass alle dieses Rock and Roll Ding haben können.

Würdet ihr auch gerne mal etwas Exotisches in eurer Musik versuchen?

Kemble: Ja, experimentieren ist immer gut. Aber es ist dieses Ding als tourende Band, da wir es noch immer in der Musikszene irgendwie schaffen wollen und müssten. Da bleibt nicht viel Zeit für Experimente. Wir touren bis zu 12 Monate im Jahr und müssen während dieser Zeit noch das Album unseres Lebens aufnehmen. Viel liegt da nicht mehr drin.
Jason: Wir wollen uns einfach natürlich entwickeln und nicht krampfhaft neues Zeug einbauen und Dinge probieren, nur damit sie ausprobiert wurden.

Möchtet ihr noch etwas anfügen? Ihr bekommt ja neben Juliette meistens kaum die Möglichkeit zu antworten.
Jason: Nein, sie ermuntert uns, zu antworten. Aber natürlich werden wir nur selten gefragt, ist ja verständlich.

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