Gesellschaft | 25.04.2007

Ein Hündchen auf Bescherungstour

Text von Anina Peter
Mit den Züri-Trams unterwegs zu sein ist immer unterhaltsam. Um richtig herzhaft zu lachen brauchst du kein Geld fürs Kino und Theater auszugeben, denn die beste Komödie ist die Realität. Heute: mit Hundilein in der Stadt.

Ein Tag wie jeder andere. Ich stehe im Tram, bin auf dem Weg zur Arbeit – beobachte die Gesichter um mich herum und lausche dem Stimmengewirr. So viele verschiedene Persönlichkeiten, so viele Stimmlagen, Dialekte und Geschichten. Ein guter Zeitvertreib, wenn auch nicht wahnsinnig aufregend.

An jeder Station verlassen mich alte Studienobjekte, Neue kommen dazu. Und wieder ein Halt. Doch diesmal klettert nur ein älterer Herr ins Tram, mühsam steigt er das Treppchen hoch und schleift ein kleines Bündel hinter sich her. Ach wie süss, ein Hündchen. Ein Welpe, schwarz wie die Nacht, noch tapsig auf den Beinen, schaut verstört in die Runde der Fahrgäste. Das alte Herrchen hat sich einen Sitzplatz ergattert, Hündchen folgt ihm und schnüffelt verzückt an den Schuhen der Nachbarin.

Diese scheint von der Schnüffelei ebenso angetan und fängt in Babysprache an zu babbeln: «Ach bisch du es Herzigs, du. Ja du, du, du.«

Hündchen schaut sie mit grossen Augen an, man könnte meinen das Tier lächle sogar. «Ja, du, du, du. Wie heissisch denn du? Süesses, du.«

Da wurde es Hündchen offenbar zu viel. Das putzige Tierchen dreht seiner Bewunderin den Rücken zu, senkt seine Hinterbacken direkt vor deren Schuhe und dieses verdächtige, angespannte Zittern und Gedrücke beginnt.

Plopp, Hündchen hat sein Geschäft erledigt und seiner neuen Freundin einen schönen, braunen Haufen direkt vor die Füsse gesetzt. Nur scheint diese seine Anstrengung überhaupt nicht zu honorieren. Nach einem schnellen Blick nach unten, wendet sich ihr Blick ruckartig zum Fenster hinaus, kein Ton dringt mehr über ihre Lippen. So macht es auch der Rest der Trambesatzung.

Wurde dem Hundchen gerade noch so viel Aufmerksamkeit geschenkt, so wird es jetzt total ignoriert. Herr und Frau Zürcher schaut verbissen zum Fenster hinaus. Nicht so der Besitzer, der sich langsam erhebt und sich zum Aussteigen bereit macht.

«Guet gmacht, min Chline. Tram fahre chasch jetzt, gäll du.« Mit einem riesigen Schritt steigt er über das Häufchen seines kleinen Freundes und klettert mühsam wieder zum Traum hinaus. Kaum ist die Tür wieder zu, geht das Getratsche und Geflüster los. Finger zeigen vernichtend auf das braune Häufchen, welches Hündchen als Erinnerung zurückliess. Ach, ist das nicht süss?

Über den Köpfen leuchtet das schöne, gelbe Schild mit den altbekannten Verbotszeichen. Es darf nämlich weder musiziert, noch Geld gesammelt oder geraucht werden… Vom Kacken steht nichts.