Gesellschaft | 01.04.2007

Die zukünftige Heizmaterie

Text von Yann Schlegel
Nun scheint dieser doch sehr kurze Winter endgültig vorbei zu sein. Aber die Pellethersteller beginnen bereits mit der Produktion für das nächste Winterhalbjahr. Tink.ch ging auf Erkundungstour im Pelltwerk Balsthal.
Eine goldene Hampfel Pellets. Fotos: http://www.jenni-brennholz.ch Die drei Silos auf dem Aussenareal in Balsthal. Hauslieferung von Pellets eines Lastwagens. So sieht eine Pelletheizung aus. Fotos: http://www.heizungs-discount.de

Pellet steht für Holzenergie in seiner konzentriertesten Form. Hoch verdichtet und gepresst, mit einem Wasseranteil von maximal zehn Prozent. Die extreme Kompaktheit der Pellets ist ausschlaggebend dafür, dass sie beim Heizen mehr Wärme als gewöhnliches Holz produzieren. Ein weiterer Vorteil dieses Produktes ist, dass nur 0,5 Prozent des Ausgangsmaterials nach der Verbrennung als Asche zurückbleibt. Die Holzspäne werden auf einer vollautomatischen Anlage verarbeitet und erreichen nach rund 50-minütiger Verarbeitung die Vorratssilos. Das Pellet hat am Ende des Pressevorgangs die Dicke eines Bleistifts und ist zwischen zwei und drei Zentimetern lang. Pelletheizungen funktionieren selbstständig und, dank zusätzlicher Sauerstoffzufuhr, einwandfrei. Das Pelletwerk der AEK AG, das vor vier Jahren in Betrieb genommen wurde, befindet sich in der Industrie Klus, bei Oensingen. Pro Jahr wurden bis an die 30’000 Tonnen Pellet produziert. Somit ist es das grösste Werk der Schweiz. Da die Nachfrage nach diesem relativ neuen Heizsystem rasant ansteigt, sollen in Zukunft bis zu 60’000 Tonnen, also die doppelte Menge, dieser kleinen Holzkegelchen über die Anlage gehen können. Schweden produziert mit 1.5 Millionen Tonnen jährlich weltweit am meisten Pellets.

Bis zu einer Tonne pro Stunde

Pellet besteht zu 70 Prozent aus unbehandelten und natürlich gewachsenen Fichten und Tannen. Die frischen Hobelspäne werden von bis zu sechs Lastwagen am Tag in die Annahmehalle gebracht, wo die Qualität der Ware genau überprüft wird. Bei ungenügendem Holzmaterial muss der Camion wieder mit voller Ladung wegfahren.

Die Holzspäne gelangen von der Annahmehalle über ein Förderband in das erste Silo, wo gepuffert und homogenisiert wird. Nachdem das Produkt auch die Schlagmühle durchlaufen hat, wo sie zu grossen Holzstücken durch ein Lochsieb zerkleinert werden, erreicht das Holzmaterial den Wasserkonditioneur. Hier wird Bleistärke und Feuchtigkeit beigemischt. „Dank dem Maizena gleitet das Material besser über das Förderband und wird zusätzlich noch besser gebunden“, erklärt Urs Steiner, der Produktionsleiter. Die Materie, welche hauptsächlich zur Bindung verhilft ist aber das Lignin, von dem im Nadelholz viel vorhanden ist. In den Reifesilos wird die Ware bis zu 25 Minuten gelagert, um eine gleichmässige Feuchtigkeit für den Pressvorgang zu erreichen. Zum Schluss trägt eine Dosierschnecke das Produkt in das Herzstück der Anlage, den Presseraum, wo das eigentliche Pelletieren stattfindet. Rollen pressen die Späne durch Bohrungen einer vertikal rotierenden Ringmatrize.Durch die Reibung beim Pressvorgang wird Wärme erzeugt, weswegen das fertige Produkt im Bandkühler von 90 Grad wieder auf Zimmertemperatur abgekühlt werden muss.

In einer Stunde können bis zu zehn Tonnen dieser Heizmaterie produziert werden. Nun füllt die Anlage vollautomatisch die produzierte Ware in 15 Kilogramm-Säcke ab, oder sie wird direkt in einen Lastwagen geleitet, welcher bis zu 13 Tonnen Pellet wegführen kann.

Ökonomisch und ökologisch

Eine Tonne Pellets produziert ebenso viel Wärme wie 500 Liter Heizöl. Auch im Preisvergleich sind die beiden Heizmaterien auf gleicher Augenhöhe. Eine Tonne der Holzkegelchen kostet ungefähr 450 Franken, wie auch 500 Liter Heizöl. Pellet ist aber bedeutend weniger schädlich für die Umwelt als alle anderen Heizmaterien. Die CO2 Abgase, die bei der Verbrennung abgegeben werden, entsprechen derselben Menge die ein Baum verbraucht, wenn er wächst. Somit ist die Heizmethode von Pellet CO2 neutral und trägt keine schädlichen Stoffe in unsere Atmosphäre. Urs Steiner ist überzeugt dass die Pelletindustrie weiter stark zunehmen und auch immer mehr in privaten Haushalten damit geheizt werden wird. Der Natur wegen bremst sich der steigende Verbrauch irgendwann von selbst, da in der Schweiz „nur“ 80 Prozent des Waldes genutzt werden können. Doch in naher Zukunft sieht der wirtschaftliche Aspekt für die Pellethersteller bestimmt ganz glänzend aus.