Gesellschaft | 09.04.2007

Die Internetgrenze im Senegal

Text von Claudia Peter
Wenn Jugendliche über 30 Stunden quer durch den Senegal nach Dakar fahren, muss dort etwas los sein. So trafen sich vom 21. bis 22. März Jugendliche aus dem ganzen Land zum dritten Schülermagazinfestival, liessen sich Tipps von Journalisten geben und produzierten ihr eigenes Magazin.
Verpflegung unter dem Zeltdach. Fotos: Claudia Peter Empfang vor dem Haus der Kulturen in Dakar. Eine Nachtschicht für das Layout Workshops und Gruppendiskussionen unter Kameraaugen

Der Lautsprecher fällt aus. Man nimmt es gelassen. Die Männer und Frauen auf dem Podest ganz vorne im Raum sprechen weiter –ebenso die jugendlichen Teilnehmenden, welche eindeutig in der Mehrzahl sind und sich anscheinend unglaublich viel zu erzählen haben. Sie sind aus dem ganzen Senegal angereist, um vom 21. bis zum 22. März am dritten Schülermagazinfestival in der Hauptstadt Dakar teilzunehmen. Einige seien auch noch unangemeldet erschienen, meint Delphine, die bei der Organisation mithalf, doch abweisen wollte man sie nicht, obwohl die Anzahl eigentlich beschränkt sei. Schlussendlich fanden sich über 130 Jugendliche aus 30 verschiedenen Universitäten, Gymnasien und weiteren Schulen im Haus der Kulturen ein. Es scheint, als würde man für alles eine Lösung finden. „Tranquille, tranquille“, immer mit der Ruhe. Auch am letzten Festivaltag keine Spur von Hektik, trotz technischer Pannen und unruhigem Saalgeflüster.

Lernen von Profis
Die Jugendlichen nahmen während den zwei Festivaltagen an thematische Workshops teil, in denen sie über Themen wie Bildung oder Umwelt diskutierten. Zudem konnten sie von professionellen Journalisten mehr über die verschiedenen Textsorten, so zum Beispiel der Reportage oder dem Kommentar erfahren. Nebst dem Verbessern der handwerklichen Fähigkeiten war auch der Erfahrungsaustausch zwischen den Schulen sehr wichtig. Gemeinsame diskutierten sie über Probleme, mit denen sie bei der Produktion ihrer eigenen Magazine konfrontiert sind.
Mit dem notwendigen Wissen ausgestattet produzierten sie ihr eigenes Festivalmagazine „Le Lycéen“. Dabei interviewten sie auch uns, nicht fürs Festivalmagazin, aber vielleicht für jenes ihrer Schule oder aus persönlichem Interesse. Jedenfalls bestürmten sie die fünf Teilnehmenden der Europäischen Jugendpresse (EYP) geradezu. Es war das erste Mal, dass nebst den Senegalesen auch eine Delegation aus Europa am Festival teilnahm. Ob ich schon einmal in Afrika gewesen sei und ob es mir gefalle, waren die Standardfragen. In Afrika sei ich noch nie gewesen und gefallen tue es mir sehr, war die Kurzfassung meiner französischen Antwort.

Die Internetgrenze
Mittlerweile knistert es wieder in den Lautsprechern. Der Stromausfall, was im Senegal schon vorkommen kann, scheint vorbei. Ungeduldig warten die Jugendlichen auf die Rangverkündigung, auf die Prämierung ihrer Magazine. Die Spannung steigt, der Geräuschpegel sinkt, der Kameramann des Nationalfernsehens bringt sich in Stellung. Der Gewinner ist das Journal Blaise Info aus Blaise Diagne. Die Freude ist gross. Der verantwortliche Lehrer schüttelt ungläubig den Kopf. Die Gewinner erhalten Bargeld, zudem gibt es Computer, gekauft vom Präsidenten der Republik. Diesem dürfen sie zudem in seiner Residenz, dem Präsidentenpalast, einen Besuch abstatten. Auch die Computer können sie bestimmt gut gebrauchen. Sie sind nach wie vor an gewissen Schulen Mangelware. Die Probleme der jungen Medienschaffenden sind vielfältig: mangelnde technische Ausrüstung, finanzielle Engpässe, fehlende Schulung. Ein Lehrer zeichnet die Umrisse des  Senegal und in der Mitte hindurch einen Strich. „Das ist die Internetgrenze.“, meint er. Im Westen des Landes, wo auch Dakar liegt, gebe es noch Zugang, im Osten sei es jedoch schwierig. So ist auch klar, dass die Organisation eines derartigen Festivals eine grosse Herausforderung darstellt. Umso fantastischer ist es, Jugendliche aus so vielen verschiedenen Schulen zusammenzubringen.

Immer mit der Ruhe
So ist auch der Festivalorganisator Abou Mbow, welcher den Anlass 2004 initiiert hat, zufrieden. Nebst ihm halfen auch verschiedene Lehrpersonen bei der Organisation mit. Zudem unterstützten das Bildungsministerium und die französische Kooperation den Anlass massgebend. Die Europäische Jugendpresse und die senegalesischen Jugendlichen könnten viel voneinander lernen, meint Abou Mbow. Noch verfügt der Senegal nicht über dieselben Strukturen im Jugendmedienbereich, doch die Motivation ist da. Und Europa? Etwas von der  senegalesischen Gelassenheit könnte auch unseren Medienanlässen nicht schaden. „Tranquille“ eben. Und im Notfall geht es auch ohne Strom.

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